Ein breites Themenspektrum vor dem Hintergrund von branchenübergreifenden Trends wie Leichtbau und Industrie 4.0 umfassend zu diskutieren, ist das große Versprechen des VDI-Kongresses „Kunststoffe im Automobilbau“. (Bildquelle: Redaktion Plastverarbeiter)

Ein breites Themenspektrum vor dem Hintergrund von branchenübergreifenden Trends wie Leichtbau und Industrie 4.0 umfassend zu diskutieren, ist das große Versprechen des VDI-Kongresses „Kunststoffe im Automobilbau“. (Bildquelle: Redaktion Plastverarbeiter)

Los geht es bereits am Vortag, den 28. März, mit dem Spezialtag zu „Alterung und Langzeitverhalten von Kunststoffen“. Der erste Kongresstag beginnt dann nach der Begrüßung mit einem Vortrag über Technologietrends in Bezug auf Nachhaltigkeit und intelligente Maschinen. Darin geht Dr. Ulrich Eberl, Geschäftsführer Scipress Redaktionsbüro, auf die aus heutiger Sicht kommenden Megatrends ein. Er beleuchtet dabei den Verkehr der Zukunft, der seiner Ansicht nach elektrisch, autonom und vernetzt sei.

Nach der ersten kurzen Pause geht es weiter in zwei parallelen Vortragssessions. Am ersten Kongresstag teilen sie sich zunächst in „Interieur“ und „Exterieur“ auf. Am Nachmittag wählen die Teilnehmer zwischen dem Vortragsblock „Verfahren“ und „Simulation“. So geht es bezüglich des „Interieurs“ unter anderem um Leichtbau bei Verkleidungsteilen. Insbesondere das dahingehende Potenzial  des Spritzgusses beleuchtet der Vortrag von Markus Steinbach, Technical Lead Engineer und Jürgen Maier, EGM Interior Innovations & Global Seat Innovation Lead, beide bei Opel. Nach der Mittagspause geht es dort in der Session „Interieur“ weiter mit mehreren Vorträgen zu Oberflächentechnik.


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Unterschätztes Leichtbaupotenzial: Der Fahrzeug-Unterboden

In der parallelen Session „Exterieur“ spricht unter anderem Oliver Mende, Leiter Konstruktion Unterbodenapplikationen, Entwicklung Anbauteile Exterieur bei Volkswagen, über den Unterboden von Pkw. Dieser hat seiner Ansicht nach großes Potenzial, um einen Beitrag zum Spritverbrauch zu leisten. Dies lasse sich einerseits durch eine geschickte Materialauswahl und andererseits durch aerodynamische Optimierung erreichen. In Verbindung mit angepassten Fertigungsverfahren würden diese zudem zu Kostensenkungen führen, ist er sich sicher.

Im Zentrum des Vortrags über einen Tankdeckel-Scharnierarm steht Recycling im Vordergrund. Markus Thurmeier, Entwicklungsingenieur faserverstärkte Kunststoffe bei Audi, erläutert, worauf es zu achten gilt, wenn man mit recyceltem Kunststoff arbeitet. Dabei geht er insbesondere auf die Materialentwicklung sowie die konstruktive Auslegung ein. Sein Konzern-Kollege von Porsche, Christoph Bauernfeind, Leiter Motorsport Karosserieentwicklung GT-Fahrzeuge, spricht gemeinsam mit Eva Blees, Ingenieurin Verfahrenstechnik bei der Polytec Group, über eine besonders leichte Heckschürze. Dies erreichen die Ingenieure mithilfe des PU-RIM-Verfahrens in Kombination mit Mikro-Hohlglaskugeln. RIM steht hierbei für Reaction Injection Moulding. Bei dem Verfahren werden die Bestandteile des Polyurethanschaums mit den Glaskugeln in die Form gespritzt, wo sie miteinander reagieren. Ein Vorteil davon ist, dass der nötige Zuhaltedruck relativ niedrig ist.

Verbundwerkstoffe effizient herstellen

Nach der zweiten Pause geht es ab 16.40 Uhr weiter mit den zwei parallelen Sessions „Verfahren“ und „Simulation“. In ersterem Block geht es unter anderem um die „Energieeffiziente Herstellung von Thermoplast-CFK-Bauteilen im einstufigen Direktverfahren“. Dabei erklären die beiden Referenten Jasper Reddemann, Baureihenübergreifende Technische Projektleitung CO2, und Dr. Hagen Seifert, Leiter Nachhaltige Produktkonzepte/Werkstoffe/Recycling, beide von Audi, wie sie Kohlenstofffasern durch elektrischen Widerstand erwärmen und wie sie so in einem einstufigen Prozess Leichtbauteile spritzgießen.

In der Session „Simulation“ erläutern Arne Böttcher, Abteilungsleiter, Faserverstärkte Kunststoffe und Polyurethane am Institut für Kunststoffverarbeitung (IKV), und Christoph Hinse, Geschäftsführer von Simpatec, wie sie Bauteile aus einem Sheet Molding Compound (SMC) auslegen, indem sie zunächst die relevanten Materialeigenschaften charakterisieren und dann das Verhalten simulieren. Eine große Rolle spielen dabei orientierungsabhängige Dimensionierungskennwerte sowie die Fließ- und Faserorientierungssimulation.

Zweiter Tag: hochbelastete Karosserieteile in Leichtbau

In der Session „Technologie“ geht es unter anderem um den Einsatz der Pultrusion für hochbelastete Karosseriestrukturen. Genauer gesagt, geht es in dem Vortrag von Dr. Philipp Hörmann, Konstrukteur Leichtbau-Faserverbund Türen und Dr. Tobias Ströhlein, Planer Technologieentwicklung Produktionsprozesse, beide arbeiten bei Volkswagen, um die duroplastische Produktion. Und wie die Tätigkeitsbereiche der Referenten nahelegen, sprechen sie im Speziellen über den Rohbau von Türen.

Über Lichtschutzmittel im Automobilinnenraum redet Gregor Huber, Leiter des globalen Kompetenzzentrums Automobil von BASF. Seinen Vortrag hält er im Block „Verfahren“. Das Lichtschutzmittel, das er vorstellt, wird nicht klebrig und Ausblühungen treten ebenfalls nicht auf. Zudem zeigt er, dass typische Alterungserscheinungen, wie Vergilbung, Farbveränderung, Glanzveränderung oder Verkreidung, nicht auftreten.

In der Session „Werkstoffe und Verfahren“ erläutert Günter Prautzsch, Business Development Manager von Akro-Plastic, wie sich Elektrokorrosion mit Polyamiden verhindern lässt. Dabei beschreibt er geeignete Stabilisatoren und Additive.

David Löh

Über den Autor

David Löh

ist Redakteur des Plastverarbeiter.
david.loeh@huethig.de