Der Kanu-Olympiasieger von 2012, Sebastian Brendel, setzt voll auf Kunststoff: Vom Kanu über das Paddel bis zur Kleidung. (Bildquelle: Plastiscseurope)

Der Kanu-Olympiasieger von 2012, Sebastian Brendel, setzt voll auf Kunststoff: Vom Kanu über das Paddel bis zur Kleidung. (Bildquelle: Plastiscseurope)

Gemessen an der für den Sportartikel eingesetzten Kunststoffmenge, spielt die Branche nur eine untergeordnete Rolle in der Kunststoffindustrie. Die Automobil-, Verpackungs- und Baubranche verbrauchen jeweils ein Mehrfaches an Material für deren Produkte – und machen entsprechend auch weit höhere Umsätze. So verarbeitete die deutsche Industrie rund 355.000 t zu Sport- und Freizeitartikeln. Darin enthalten sind ebenso Haushaltswaren. Für Sportartikel existiert keine gesonderte Statistik. Deren Verarbeitungsmenge liegt aber definitiv weit unter den genannten 355.000 t. Zum Vergleich: Allein für Verpackungen verwendeten die Hersteller rund 4,25 Mio. t Kunststoff, die Bauwirtschaft verarbeitete 2,74 Mio. t und die Autoindustrie rund 1,3 Mio. t.

Ist der Sport also irrelevant für die Kunststoffindustrie? Das kommt auf die Perspektive an. Denn obwohl der Anteil der für diesen Bereich eingesetzte Materialmenge im niedrigen einstelligen Bereich liegt, kommt umgekehrt keine Sportart ohne den Kunststoff aus. Das wiederum setzt voraus, dass in diesem Bereich genauso Unternehmen existieren, die mit ihrem Spezialwissen die jeweiligen Sportarten mit herausragenden Produkten versorgen. Wäre dies nicht so, würden wir nach wie vor mit Fußbällen aus Leder spielen oder hätten Laufbekleidung aus Baumwolle. Oder noch ein eingängiges Beispiel: Sturzhelme aus Leder.

Die sogenannten Nocken (im Bild grün)  sitzen am hintersten Teil des Pfeils und bilden damit das Verbindungsstück zwischen Bogen und Pfeil. Sie übertragen die Abschussenergie der Sehne, die den Pfeil auf über 300 km/h beschleunigt.  (Bildquelle: Günther Kuhr)

Die sogenannten Nocken (im Bild grün) sitzen am hintersten Teil des Pfeils und bilden damit das Verbindungsstück zwischen Bogen und Pfeil. Sie übertragen die Abschussenergie der Sehne, die den Pfeil auf über 300 km/h beschleunigt. (Bildquelle: Günther Kuhr)

Kunststoff nutzt allen Sportlern

Stattdessen hat sich der Kunststoff zum Nutzen aller Sportler, ob Amateur oder Profi, längst etabliert. Auf Polyamid (PA) und Polyester (PES) beispielsweise will kein Sportler in seiner Kleidung verzichten. Denn deren Eigenschaften, schnell zu trocknen und zugleich strapazierfähig zu sein, bieten unschätzbare Vorteile beim Wandern, Laufen, Fußballspielen oder Skifahren. Ebenso unersetzlich sind Kunststoffe bei Sportgeräten, sei es Polyurethan (PUR) in Helmen oder faserverstärkte Kunststoffe, etwa Epoxid-Glasfaser-Composites, in Skiern.

Eine echte Partnerschaft sind die deutschen Kunststofferzeuger, vertreten durch den europäischen Verband Plasticseurope; und der Deutsche Kanu-Verband (DKV) eingegangen. Unter dem Titel Team Kunststoff fördert der Verband die Nationalmannschaften im Kanurennsport, im Kanuslalom und im Parakanu sowie Nachwuchssegler. Die Grundlage hierfür wurde im Jahr 1996 gelegt, einer Zeit, in der Kunststoff im Sport längst eine feste Größe war, aber gesellschaftlich weniger akzeptiert als heute war. So begann diese Partnerschaft mit einem wenig erfreulichen Zusammentreffen von Kunststofferzeugern und DKV: Auf der Messe Boot im Jahr 1996 stellten die Rohstoffhersteller unter dem Slogan „Innovation in Kunststoff“ alle Kanus, Surfbretter, Ruder- und Segelboote aus, die bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta im Einsatz sein würden. Auf einem ebenfalls dort gezeigten Foto des damaligen Herrenachters war nur der Schlagmann eindeutig zu erkennen. Grund genug für den Kanuverband, den Ausstellern einen Besuch abzustatten und ein Nutzungshonorar zu verlangen. Stattdessen gab es einen Sponsoringvertrag für die Olympischen Spiele 1996 sowie den Frauen-Achter.

Gemessen an der für den Sportartikel eingesetzten Kunststoffmenge, spielt die Branche nur eine untergeordnete Rolle in der Kunststoffindustrie. Die Automobil-, Verpackungs- und Baubranche verbrauchen jeweils ein Mehrfaches an Material für deren Produkte. (Quelle: Plasticseurope)

Gemessen an der für den Sportartikel eingesetzten Kunststoffmenge, spielt die Branche nur eine untergeordnete Rolle in der Kunststoffindustrie. Die Automobil-, Verpackungs- und Baubranche verbrauchen jeweils ein Mehrfaches an Material für deren Produkte. (Quelle: Plasticseurope)

Rohstoffhersteller und der Sport

Solche Sportförderungs-Initiativen – meist in Form von Sponsoring – haben auch große Einzelunternehmen. Zu nennen sind hier beispielhaft die Zusammenarbeit von Covestro, Leverkusen, und der Deutschen Eishockey Liga (DEL) oder Evoniks (Essen) Engagement in der Fußballbundesliga als Hauptsponsor von Borussia Dortmund.

Grundlage hiervon ist natürlich die angesprochene enge Verbindung zwischen Sport und Kunststoffindustrie. Beispiele dafür gibt es in Form von Anwendungen unzählige. Zu den spannenderen, weil nicht gleich auf den ersten Blick ersichtlich, gehören die sogenannten Nocken an Pfeilen für das Bogenschießen. Diese Nocken sitzen am hintersten Teil des Pfeils und bilden damit das Verbindungsstück zwischen Bogen beziehungsweise dessen Sehne und dem Pfeil. Dieses Teil überträgt die Abschussenergie, die den Pfeil auf über 300 km/h beschleunigt. Hergestellt werden sie von dem Unternehmen Werner Beiter, Dauchingen, aus dem Polycarbonat Makrolon 2805 von Covestro. So klein und unscheinbar die Nocken auch sein mögen, erfüllen sie doch zwei Kernaufgaben beim Bogenschießen: Zunächst übertragen sie die Kraft der Sehne auf den Pfeil. Das müssen sie zuverlässig erledigen – auch nach mehreren Abschüssen desselben Pfeils. Zusätzlich dienen sie dem Schützen als Orientierungshilfe, damit er erkennt, wo sein Pfeil getroffen hat. Daher sind die Nocken in Signalfarben eingefärbt.

Lesen Sie auf der nächsten Seite das Statement von Dr. Rüdiger Baunemann, Hauptgeschäftsführer des europäischen Kunststofferzeuger-Verbands Plasticseurope, zum Image von Kunststoff in Deutschland.

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David Löh

Über den Autor

David Löh

ist Redakteur des Plastverarbeiter.
david.loeh@huethig.de