Kunststoff und Kunststoffabfall stehen seit einigen Monaten wieder verstärkt im Fokus der Politik. Weltweit werden Fragen um die effektive Nutzung von Ressourcen und damit verbunden ein umweltgerechter Umgang mit Abfall diskutiert.

Im Mai veröffentlichte die EU die „Strategy on Plastics in the Circular Economy 2017“. In der Roadmap wird eine Entkopplung der Kunststoffproduktion aus rein fossilen Rohstoffen und die Verringerung der Lebenszyklus-Auswirkungen auf die Umwelt gefordert. Ziel ist die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit, Qualität und Aufnahme von Kunststoff-Recycling und Wiederverwendung sowie weniger Kunststoff als Verunreinigungen in die Umwelt einzubringen. Rahmenbedingungen für Investitionen und Innovationen sollen verbessert werden, sodass die Kreislaufwirtschaft gestärkt und die Klima- und Energiezielen der EU erreicht werden können.

Großer Hebel liegt im Kunststoff für Verpackungen

PET wird bereits in großen Mengen sortenrein gesammelt. (Bildquelle: bvse)

PET wird bereits in großen Mengen sortenrein gesammelt. (Bildquelle: bvse)

Der größte Teil der verarbeiteten Kunststoffmengen geht in die Verpackung, sodass hier auch der größte Hebel sitzt, um die Ressourceneffizienz zu steigern und das Recycling zu erhöhen. In Deutschland arbeitete man daher seit einigen Jahren an einem neuen Gesetz. Nun hat das Verpackungsgesetz die 7. Novelle der Verpackungsverordnung abgelöst und wird zum 1. Januar 2019 in Kraft treten. Die von Industrie und Handel finanzierten dualen Systeme müssen zukünftig deutlich höhere Recycling-Quoten für die bei ihnen lizenzierten und von ihnen erfassten Verpackungen erreichen. So soll zum Beispiel die Recycling-Quote für Kunststoffverpackungen von bisher 36 Prozent bis zum Jahr 2022 auf 63 Prozent steigen. Auch bei anderen Verpackungsmaterialien werden die Recycling-Quoten deutlich erhöht, bei Metallen, Glas und Papier auf 90 Prozent. Hinzu kommt, dass die Verpackungshersteller nun auch an den Kosten für die Entsorgung beteiligt werden. Damit soll ein Anreiz geschaffen werden, das Umsatzwachstum vom Volumenwachstum der Verpackung zu entkoppeln.

Außerdem sind bei den Lizenzentgelten der dualen Systeme ökologische Aspekte stärker zu berücksichtigen. Hersteller sollen somit Anreize erhalten, bei der Gestaltung von Verpackungen das Recycling zu berücksichtigen. Zudem werden Mehrwegverpackungen besonders gefördert. Bei Getränkeverpackungen wird ein Mehrweganteil von 70 Prozent angestrebt. Dazu sollen eine Hinweispflicht an den Getränkeregalen sowie die Ausweitung der Pfandpflicht für Einweggetränkeverpackungen, zum Beispiel auf Fruchtschorlen, beitragen.

Es soll eine Zentrale Stelle geschaffen werden, die die Finanzierung der Verpackungswertstoffverwertung sicherstellt. Die Zentrale Stelle verwaltet ein Register, in dem sich jeder Hersteller eines verpackten Produkts einträgt, und kontrolliert die gesetzeskonforme Anmeldung für das Recycling. „Die Hersteller von Verpackungen übernehmen mit der Finanzierung des Stiftungsaufbaus die Verantwortung für die qualitative Weiterentwicklung des dualen Systems“, erklärte Franz-Olaf Kallerhoff, Vorsitzender der Geschäftsführung Procter & Gamble Germany als Vertreter der Stifter auf der Gründungsveranstaltung. Dazu gehören die Marktanteilsberechnung für die dualen Systeme und das Schließen von Schlupflöchern durch verbesserte Definitionen und Standards an den Schnittstellen des bestehenden Systems.

Die Entsorgung im Wettbewerb werde auch zukünftig für Effizienz und – im Interesse der Verbraucherinnen und Verbraucher – für niedrige Kosten sorgen, heißt es in der Meldung des BMUD zum Verpackungsgesetz vom 12. Mai 2017.

Gut aber nicht gut genug?

Doch die Stimmen aus der Branche sind so verschieden wie die Zahl der Akteure. In der Fachzeitschrift neue Verpackung fragt der Autor Bernd Waßmann „Vom Tiger zum zahnlosen Bettvorleger?“ und resümiert, was als engagiertes Wertstoffgesetz für die Erfassung recyclingfähiger Wertstoffe gestartet sei, ende wieder nur als Verpackungsgesetz. Die IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen dagegen begrüßt das neue Verpackungsgesetz als wichtigen Meilenstein der Kreislaufwirtschaft in Deutschland. Die anspruchsvollen Recyclingquoten setzen positive Impulse für das Kunststoffrecycling und den Klimaschutz. Insbesondere die Fortführung der Produktverantwortung mit der bisher erfolgreichen privatwirtschaftlich organisierten Sammlung und Verwertung garantiert aus Sicht der IK auch zukünftig hohe ökologische und ökonomische Standards. Davon ist auch Michael Wiener, CEO des Grünen Punkts, überzeugt: „ Das gerade verabschiedete Verpackungsgesetz setzt die Recyclingquoten hoch und geht damit in die richtige Richtung. Alle Bereiche müssen sich daraufhin überprüfen, wie klimafreundlich sie wirtschaften – die Kreislaufwirtschaft ist dafür prädestiniert, besonders viel zum Klimaschutz beizusteuern.“

So schätzen es auch die vier großen Dachverbände von Herstellern und Handel, BVE, HDE, IK und M, ein und sehen in der privaten Produktverantwortung für Verpackungen einen Garant dafür, dass die gesteckten Ziele erreichbar und vor allem finanzierbar werden. Die Verbände hoffen auf einen Innovationsschub für die deutsche Umwelttechnik und auf mehr Sekundärrohstoffe im Kreislauf sowie mehr Anstoß für recyclinggerechtes Design durch Incentivierung.

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Dr. Etwina Gandert

Über den Autor

Dr. Etwina Gandert

ist Redakteurin Plastverarbeiter.

etwina.gandert@huethig.de