Februar 2014

Was ist das größte Hindernis in der Fertigung, um die Stückkosten zu senken?

Tolz Wir versuchen, die Stückkosten zu senken, indem wir die Nebenzeiten, also die Zeiten, wo der Entnahme-Roboter untätig auf die Maschine wartet, mit anderen Dingen zu füllen. Beispielsweise könnte er diese Zeit auch dazu nutzen, das zuvor produzierte Teil zu verpacken.

Fuhrmann Ergänzend dazu spielt das Thema Verfügbarkeit in jeder Hinsicht eine sehr wichtige Rolle. Ebenso Nebenzeiten, Werkzeugwechsel und auch Programmwechsel. Denn grundsätzlich gilt: Zur 100 prozentigen Auslastung der Fertigungszelle gehören annähernd 98 Prozent Verfügbarkeit. Und dies führt gleichzeitig zu niedrigen Stückkosten.

Sonntag Für uns als Roboterhersteller ist eigentlich das Wichtigste, die Anlage als Ganzes zu sehen. Und wenn man dann die gesamte Kalkulation eines Artikels betrachtet, besteht durch Automation die Möglichkeit, die Verfügbarkeit der Industrieroboteranlage zu verbessern – und den gesamten Prozess effizienter zu gestalten.

Schröder Das sehe ich auch so. Ich habe beispielsweise festgestellt, dass häufig bei der Betrachtung von Totzeiten diejenigen für Programmierung und Störungsbehebung nicht auftauchen.

Marufke Aus Sicht von Krauss Maffei ist das Thema Mensch-Maschine-Kommunikation ein ganz wesentlicher Aspekt für die Effizienzsteigerung von Prozessen. Dazu gehört einmal natürlich die Integration der Steuerung von Robotern in die Spritzgießmaschine, weil das letztlich ja das Herzstück der Produktionszelle ist. Außerdem wollen die Anwender dort ein Panel haben, von dem aus sie die gesamte Produktionszelle bedienen können. Diese zentrale Steuerung ist dann auch ein Informationszentrum, wo sich der Bediener über Produktionsstand und Situation einer Anlage auf dem Laufenden hält.

Kuka ist ja hauptsächlich in der Automobilindustrie tätig und die Themen Kunststoff und Kunststoffbearbeitung sind dort ein wachsender Bereich. Sehen Sie die Probleme ebenfalls bei den Schnittstellen?

Sonntag Da wir uns als Komponentenlieferanten sehen, sind Schnittstellen natürlich ein wesentlicher Aspekt für uns. Das heißt, wir stellen mit unseren Steuerungen Schnittstellen zur Verfügung, mit denen die Anlagenbauer den Roboter auf einfache Weise inte­grieren können. Daher geht es definitiv in Richtung einfachere Schnittstellen.

Sind die kompletten Fertigungszellen, die Maschinenhersteller anbieten, eigene Lösungen oder wurden die zusammen mit den Automatisierern erarbeitet?

Tolz Für einen großen Teil der Anwendungen eignet sich die integrierte Lösung von Wittmann und Wittmann Battenfeld, bei denen der Roboter in die Steuerung der Spritzgießmaschine integriert ist. Dabei können bis zu neun Servoachsen für Roboter und Zusatzfunktionen gesteuert werden. Bei komplexeren Anwendungen, bei denen eine übergeordnete Steuerung zum Einsatz kommen muss, binden wir dann alle Komponenten in diese Steuerung zentral ein, damit auch hier an einem Panel alle Betriebszustände und Fehlermeldungen abgerufen werden können.

Warum bietet Engel eine eigene Robotertechnik an?

Fuhrmann Wir verstehen uns als Systemlieferant und beschäftigen uns mit dem Thema Entnahme schon sehr lange. Diese Kompetenz haben wir immer weiter entwickelt. Denn natürlich kennen wir als Spritzgießmaschinenbauer die Bedürfnisse der Verarbeiter sehr genau. Jede Branche stellt ganz spezifische Anforderungen, weshalb wir in der Automatisierungstechnik sehr eng mit unseren Business Units und zum Teil auch mit externen Partnern zusammenarbeiten.

Marufke Ich sehe das Thema Automati­sierung zweigleisig. Es gibt ja Anwendungen, bei denen der Kunde sehr genau weiß, welche Prozesse er automatisieren will. Da gibt es sicherlich auch die Möglichkeit, unabhängige Automatisierer an eine Spritzgieß­maschine zu binden. Aber wir sehen auch ganz klar einen Trend in Richtung Technologien, wo eben das, was an Verfahrens-Know-how auf der Maschine passiert und im Werkzeug ­unmittelbar mit der Automation verknüpft ist und darum ein beliebiger Austausch gar nicht mehr möglich ist. Dort haben wir eine höhere Stufe erreicht, auf der der Prozess ohne eine Automation nicht mehr vorstellbar ist. Hier brauchen wir natürlich ein Maß an Integration, die sehr viel mehr bietet als eine Partnerschaft mit einem unabhängigen Roboterhersteller.

Wie kann man das Thema Produktions­effizienz, das jetzt schon seit ein paar Jahren durch die Branche wabert, generell in die Köpfe der Leute reinbringen? Wäre da nicht irgendwo eine externe Beratung von Seiten der Hochschulen oder Forschungsinstitute sinnvoll?

Schröder Das ist als unabhängige Institution ganz schwer. An Hochschulen beispielsweise befinden sich sehr kluge, junge Köpfe. Aber die können nur beraten, wenn sie über ausreichend Praxiserfahrung verfügen. Das heißt, wenn sie die Anforderungen und damit die Bedürfnisse des Verarbeiters kennen. Und das ist auch für den Verarbeiter ein wichtiges Kriterium. Er muss einen Berater finden, der das Wissen hat und dem er vertrauen kann.

Wie messen denn Ihre Kunden Produk­tionseffizienz?

Schröder Viele reden nur über Zykluszeiten. Manche reden auch über Werkzeugwechselzeit. Manche interessiert, wie schnell das Service-Team zur Stelle ist und wie schnell Ersatzteile geliefert werden. Also es gibt diese ganzen oben genannten Totzeiten, die irgendwo in den ganzen Segmenten enthalten sind. Darum bekommen Sie, je nachdem mit wem Sie sprechen, unterschiedliche Vorstellungen von Effizienz erläutert.

Legen Ihre Kunden erfahrungsgemäß Wert darauf, die Effizienz in der Produktion gezielt zu erhöhen?

Tolz Ja, es passiert immer häufiger, dass der Kunde uns sein Produkt zur Verfügung stellt und sagt, das ist das, was ich herstellen möchte, das sind die Kavitätenanzahl, das das Werkzeug, das ist die Prozesszeit. Was brauche ich jetzt, um hier produktionseffizient zu arbeiten? Das sind die Dinge, die wir dann mit dem Kunden zusammen angehen.

Fuhrmann Bei uns ist das so, dass wir immer mehr Kunden ganzheitlich beraten, von der Spritzgießmaschine, über das Werkzeugkonzept und die Prozesstechnologie bis zur Automatisierung. Unsere Aufgabe ist es dann, für den Kunden die wirtschaftlichste Lösung zu entwickeln. Gerade in Europa ist das nach unserer Erfahrung die zentrale Frage überhaupt. Es geht darum, wie sich die geforderte Produktqualität und Prozesssicherheit mit maximaler Ressourcen- und Kosteneffizienz erzielen lässt. Welche Komponenten wir dafür einsetzen, ist für manche Kunden dann zweitrangig.

Schröder Die meisten Leute verstehen unter Effizienz nur kurze Zykluszeit und das Minimieren der Eingriffszeit. Aber es wäre falsch, nur diese Zeiten zu beachten wenn man über Effizienz redet. Man muss nämlich die Eingriffszeit betrachten, und in Verbindung damit die Losgröße. Ebenso, wie viele Werkzeug- oder Greiferwechsel nötig sind und wie lange jeder einzelne dauert. Da reden wir dann über Effizienz. Und da ist es eigentlich das Schöne, wenn man mit einem Automatisierer redet, der nicht nur eine einzige Produktlösung hat.

Fühlen sich die Verarbeiter bei Kuka freier, was das Konzept ihrer zukünftigen, neuen Anlage angeht?

Sonntag Ich glaube, man muss hier zwei Kundentypen unterscheiden. Darunter sind kleine Firmen, die nur fünf oder zehn Maschinen haben. Auch diese profitieren von Automatisierung und sind dankbar, dass sie dann eine Lösung bekommen. Ihnen kommt es also nicht auf eine große Auswahl an, sondern darauf, dass die Anlagenkomponenten aufeinander abgestimmt sind und zuverlässig funktionieren.

Aber es gibt eben auch große Systemlieferanten, die anders bedient werden wollen. Die kommen dann auch zu uns und möchten sich aus Sicht eines Roboterherstellers beraten lassen. Und diese Firmen sagen: Ich möchte mit dieser Maschine 15 bis 20 Jahre Teile produzieren. Kann ich meine Halle anders gestalten? Kann ich das Teil nach der Maschine bearbeiten oder verpacken?

Das wirkt sich dann auf die Logistikmöglichkeiten aus. Die Firmen gehen dann in der Regel wieder auf die einzelnen Automatisierer zu und fragen nach spezifischen Lösungen und ob diese angeboten werden können.

Schröder Einen weiteren Aspekt bringen Kunden ins Spiel, die bewusst sagen: Ich möchte die Maschine bei Lieferant A kaufen und die Automation bei Lieferant B. Das hängt mit dem Know-how-Schutz zusammen. Wenn sie das alles bei einer Firma in Auftrag geben, dann hat diese auch alle Informationen über das Projekt. Und der Projektingenieur wird sicherlich Teile davon auch hinterher bei einer ähnlichen Anfrage von einem Wettbewerber irgendwo einsetzen. In dem Moment, wo ich die Thematik ein bisschen splitte, gebe ich dem Kunden also auch die Möglichkeit, sein Know-how zu sichern.

Stößt Krauss Maffei auch auf solche Fälle bei den Projekten?

Marufke Also die Erfahrung von Krauss Maffei ist im Gegenteil, dass die Kunden weltweit einen Ansprechpartner suchen. Daher kenne ich viele Fälle, in denen sich der Verarbeiter bewusst auf einen einzigen Automatisierer konzentriert.

Steht die Produktionseffizienz zugunsten Ihres Verkaufserfolgs hinten an?

Fuhrmann Natürlich wollen wir alle Geld verdienen. Wir werden aber nur dann langfristig Erfolg beim Kunden haben, wenn wir ihn neutral beraten und seine Interessen in den Vordergrund stellen. Es geht also nicht in erster Linie um unsere Produkte, sondern um die Frage: Was ist das beste Konzept? Gerade bei der Automati­sierung greifen alle Komponenten ineinander. Entscheidend ist nicht unbedingt, ob ein Roboter vielleicht besser beschleunigt als ein anderer oder ein Zehntel schneller ist. Denn auch die Nebenzeiten beeinflussen die Effi­zienz. Unser Ziel ist es also immer, das beste Konzept zu verkaufen – und das natürlich möglichst mit unseren Produkten.

Sonntag Es kommt aber auch auf die Maschinenverkäufer an. Die sind dazu da, in erster Linie Maschinen zu verkaufen. Im Hinblick auf Industrierobotik gibt es nur wenige Verkäufer, die Experten auf diesem Gebiet sind. Ich habe schon ganz tolle Anlagen gesehen, die die Automatisierer ausge­liefert haben, bei denen wir gesagt haben: Man kann es nicht besser machen. Geht man ein bisschen weiter und sieht ein ähnliches Produkt, schlägt man sich die Hände überm Kopf zusammen. Die Fragen sind dann: Wie stark ist die Automatisierungstruppe, wie stark kann sie Einfluss nehmen, und wie groß ist auch das Fachwissen der Maschinenverkäufer? Denn die müssen Maschinen verkaufen.

Fuhrmann Für uns hat das viel mit Vertrauen zu tun. Wenn ich eine komplexe Automatisierung umsetze, hat dies zuvor noch niemand gemacht. Jede Anlage ist ein Unikat. Deshalb muss der Kunde natürlich Vertrauen in unser Team haben, vom Außendienstmitarbeiter bis zum Inbetriebnahme-Techniker, der dem Kunden irgendwann den Schlüssel übergibt. Und wenn hier die Chemie nicht stimmt oder die Beratungsleistung einseitig ist, das heißt wir nur aufs Verkaufen gedrillt sind, dann werden wir langfristig keinen Erfolg bei diesem Kunden haben.

 

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