Daimler, GLE_Coupe, weiss, 2015

Spritzblanke Dekorblenden im Daimler M-Klasse. (Bildquelle: alle Dr. Schneider Unternehmensgruppe)

Betrachtet man das automobile Interieur vor 30 Jahren mit dem der heutigen Fahrzeuggenerationen, so findet man einen drastischen Anstieg der Ansprüche an das Design, die Qualität und die Wertigkeit der Oberflächen. Besonders die Oberflächenfunktionalitäten gepaart mit anspruchsvoller Optik stellen immer höhere Anforderungen an die Bauteilauslegung und den Fertigungsprozess.

Hochglanzoberflächen in Piano-Black-Optik erfreuen sich immer größerer Beliebtheit und stehen für ein hochwertiges und edles Interieur. Die Darstellung dieser Piano-Black-Oberflächen stellt eine Herausforderung für Werkstoff und Produktion dar. Zu den gängigsten Produktionsmethoden zählen die Schwarz-Hochglanzlackierung, In Mould Decoration (IMD), In Mould Labeling (IML) sowie die Verwendung von spritzblanken Bauteilen aus Materialien in der entsprechenden Hochglanzoptik.

Jede dieser Methoden besitzt ihre Vor- und Nachteile wobei die Lackierung eine der am häufigsten verwendeten Techniken ist, da unter Verwendung eines speziell abgestimmten Lacksystems eine sehr kratz- und abriebfeste Oberfläche erzeugt werden kann. Wesentliche Nachteile sind jedoch die hohen Ansprüche an die Produktionsprozesse und der hiermit einhergehende Anteil an Ausschussteilen sowie eine Limitation im Design der Bauteile, welches durch den Lackierprozess vorgegeben wird. Somit zählt die Methode der Lackierung zu den kostenintensivsten Varianten.

Glänzende Kunststoffbauteile spritzblank herstellen

Durch Verwendung von Hochglanzmaterialien, die man spritzblank im Interieur einsetzen kann, ist es möglich, sowohl eine sehr hohe Designfreiheit zu erzielen als auch die Wirtschaftlichkeit zu steigern. Hierbei steht man immer vor der Herausforderung die Gradwanderung zwischen den von dem OEM verlangten Anforderungen und den materialspezifisch festgelegten Belastbarkeiten des Materials zu meistern. Viele der herkömmlich eingesetzten Materialien wie Polycarbonat oder Polymethylmethacrylat weisen zwar eine hohe Brillanz auf, haben aber deutliche Nachteile bei der Abriebsfestigkeit und Chemikalienbeständigkeit.

Diagramm Kosten-Kratzbeständigkeit

Schematische Darstellung der Kratzbeständigkeit im Vergleich zu den Kosten für unterschiedliche Schwarz-Hochglanzmethoden.

Mit dem amorphen Polyamid Grilamid TR von EMS-Chemie, Domat/Ems, Schweiz, konnte Dr. Schneider bei dem aktuellen Daimler GLE ein neues, innovatives Material einsetzen, welches eine hohe Oberflächenqualität und Härte gepaart mit sehr guten mechanischen und chemischen Eigenschaften aufweist. Sowohl die Blenden der Düsen im oberen I-Tafelbereich, als auch die griffbelastete Blende des Gangwahlhebels konnten spritzblank aus Grilamid TR realisiert werden. Hierbei galt es, die kritischen mechanischen und chemischen Anforderungen wie hohe Wärmeformstabilität, Kopfaufschlag und Cremebeständigkeit zu erfüllen, die von den herkömmlichen Materialien nicht erreicht worden sind.

Hinzu kamen Anforderungen an die Oberflächenbrillanz und die Qualität des Bauteils. Alle Blenden liegen im direkten Sichtbereich und müssen somit höchsten Ansprüchen genügen. Bindenähte, Einfallstellen und die Brillanz des Piano-Black-Effekts mussten von Beginn der Entwicklung, über die Werkzeugauslegung bis zum Spritzguss und der anschließenden Montage der Bauteile berücksichtigt werden. Durch umfangreiche Vorversuche unter Verwendung modernster Simulationstechniken und nicht zuletzt aufgrund des Berater-Know-hows konnten hier die Erwartungen erfüllt werden und die Bauteile spritzblank ohne Lackieraufwand hergestellt werden.

ist als Leiter Werkstofftechnik bei Dr. Schneider Kunststoffwerke in Kronach–Neuses tätig.

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