April 2014

Werner & Mertz wurde 1867 als Wachswarenfabrik „Gebrüder Werner“ in Mainz gegründet. Viele von uns können mit dem Firmennamen sicher nichts anfangen, eher schon mit den Produktmarken wie Erdal, Frosch, Emsal oder Tana. In vierter Generation leitet Reinhard Schneider als geschäftsführender Gesellschafter das Familienunternehmen in Mainz. Zur guten Unternehmenstradition von Werner & Mertz gehört es, den Markt durch neue Entwicklungen zu verändern, den Kundennutzen durch neue Produkte zu steigern und die Umwelt durch bessere Rezepturen zu entlasten.

Ebenso wie den Prinzipien einer umweltschonenden und nachhaltigen Wirtschaftsweise. „Nachhaltigkeit muss in allen unternehmerischen Entscheidungen erlebbar sein. Nur dann kann aus den üblichen Marketingversprechen echtes nachvollziehbares Engagement eines Unternehmens glaubhaft werden. Mit Gründung der Initiative Frosch wollen wir innovative nachhaltige Lösungen den Weg bereiten und damit über unsere Branche hinaus neue Impulse für den Umwelt- und Ressourcenschutz bieten“ erklärt der geschäftsführende Gesellschafter.

Dazu gehört auch die Recyclat-Initiative, denn auch die Verpackungskonzepte müssen in die ökologische Bewertung von Produkten einfließen. „Uns gelingt es schon jetzt, die Flaschen für unsere Reinigungsprodukte bis zu 80 Prozent aus Recyclat, also recyceltem PET, herzustellen“, betont Schneider.

Zur hochwertigen Wiederverwendung von PET gilt es, über die übliche Farbsortierung der Kunststoffabfälle aus diesem Sammelsystem hinaus, Verunreinigungen im nicht sichtbaren Bereich (Barrier Layers sowie eindiffundierte Fremdstoffe) zu eliminieren – umso diese immense Quelle an Sekundär-Rohstoff ökologisch sinnvoll nutzen zu können. Dazu arbeitet ein Projektteam aus Mitarbeitern von Werner & Mertz in einer Partnerschaft mit dem Grünen Punkt – Duales System Deutschland, Alpla Werke Alwin Lehner, Mainz, und Unisensor Sensorsysteme, Karlsruhe, zusammen.

Neben der Recyclat-Initiative ist das Kreislauf-Prinzip Cradle to Cradle (von der Wiege zur Wiege) für das Mainzer Unternehmen ein Anliegen. Dieses wurde von Prof. Dr. Michael Braungart erfunden und von EPEA (Environmental Protection Encouragement Agency) Hamburg weiterentwickelt. So hat mit dem Frosch Citrus Dusche & Bad – Reiniger ein Produkt der Reinigungsbranche die höchste Auszeichnung Cradle to Cradle Certified Gold erhalten. Für die Zertifizierung wurde der ausgewählte Reiniger genauestens analysiert, denn das Cradle to Cradle-Design umfasst einen detaillierten Bewertungsschlüssel. Die Redaktion des Plastverarbeiter sprach mit Dr. Andreas Andreas Brakemeier, Leiter der Produktentwicklung und Timothy Glaz, Leiter Public Affairs.

Dr. Andreas Brakemeier Unser Unternehmen ist in Deutschland nicht als der Umweltpionier Werner & Mertz bekannt geworden, sondern unter der Marke Frosch. Die Gründung der Marke Frosch 1986 fiel in eine Zeit, als durch chemische Produkte sehr viele Umweltschäden aufgetreten sind. Wir sind seit vielen Jahren im engen Kontakt mit dem NABU, dem Naturschutzbund Deutschland. Zudem gibt es andere Kooperationspartner wie WWF. Weitere wichtige Themen, die wir adressieren, sind die EMAS-Zertifizierung unserer Produktionsstandorte sowie unsere Recyclat-Initiative und Cradle to Cradle, um wertvolle Rohstoffe qualitätserhaltend zu recyclieren und so vor einer Deponierung oder Verbrennung zu bewahren.

Timothy Glaz Der NABU nimmt die Rolle des kritischen Reflektors ein, der unsere Nachhaltigkeits-Initiativen auf ihre ökologische Sinnhaftigkeit hin überprüft und ggf. Anregungen gibt. Generell stehen all unsere Aktivitäten unter dem Primat der „Gesamthaften Nachhaltigkeit“.

Ich habe gelesen, dass es ein festgeschriebenes Umweltprogramm gibt. Ist darin auch eine Roadmap oder eine Guideline fixiert?

Brakemeier Ja, darin ist unser Engagement niedergeschrieben und auch die Umsetzung in Geschäftsprozesse, die in einem Umweltmanagement-Handbuch verankert sind, das parallel zu den bekannten Qualitätsmanagement-Handbüchern existiert. Und dieses Umweltprogramm ist auch eine Folge einer weitergehenden Zertifizierung gemäß 14001 (international anerkannte Norm für Umweltmanagement) sowie 9001, bekannterweise die internationale Norm ist für Qualität. Auf die von uns definierten Umweltqualitäts-Standard haben wir bereits vor zehn Jahren eine europäische EMAS-Zertifizierung aufgesetzt, also Environmental Management and Audit Scheme, die uns zwingt, Verbesserungen proaktiv zu betreiben.

Glaz Wir würden es begrüßen, die EMAS-Zertifizierung auf unsere Produkte aufbringen zu dürfen. Der Verbraucher sollte das wissen.


Ist in diesem Umweltprogramm auch die Recyclat-Initiative und letztendlich die Cradle to Cradle-Zertifizierung festgehalten?

Brakemeier Seit mehr als 10 Jahren versuchen wir konsequent unsere Umweltleistung zu verbessern, indem wir Effizienzmethoden umsetzen. Wir steigern unsere Ökoeffizienz durch nachweisbar geringere Stromverbräuche, Wasserverbräuche, Minimierung von Emissionen. Irgendwann, das weiß jeder, kann man jedoch nicht mehr weiter reduzieren und muss die Umweltleistung anders steigern. Und beim Stoffverbrauch macht man das idealerweise, indem man die Materialien nicht nach nur einer Nutzung wegschmeißt, sondern sie recycliert.

Das ist im ersten Schritt oft auch nur eine Effizienzmaßnahme, weil dadurch Material vor der Verbrennung bewahrt wird. Das heißt aber noch nicht, dass das Material auch noch für die gleiche Verwendung einsetzt werden kann. Und genau diese Situation findet man heute in den meisten Fällen beim Recycling. Recycling ist selten schon so gut umsetzbar, dass aus einem bestehenden Produkt nach dessen Lebensende das gleiche Produkt in der gleichen Qualität wieder entstehen kann.

Glaz Daher haben wir uns das Recycling von Kunststoffverpackungen etwas genauer angeschaut. Wir haben den Anspruch formuliert, vermehrt Recyclat aus der Verwertung der Gelben-Sack-Sammlung bei der Herstellung unserer transparenten PET-Flaschen einzusetzen. Der Prozess, sowie er momentan aufgestellt ist, führt dazu, dass man eine Qualität nach der Sortierung bekommt, die in der Form nicht geeignet ist, hochwertig weiterverarbeitet zu werden. Die vorsortierten PET-Ballen enthalten zu viele Unreinheiten und andere qualitätsmindernde Merkmale. Wenn die Verpackung bei der Vorsortierung nicht richtig erkannt wird, wandert in die sog. Reste oder in den Strom der Mischkunststoffe.

Und es gibt nach wie vor in den Kunststoffarten eine Varianz von Rezepturen, denn PET ist nicht gleich PET. Die verschiedenen Rezepturen können zu ganz unterschiedlichen Verhaltensmustern in der Weiterverarbeitung führen z.B. Schmelzpunkt. Dann gibt es natürlich das große Thema Farbe. Die farblichen Varianten sind so groß, dass es eine echte Herausforderung darstellt, wenn es das Ziel ist, eine hochwertige Verpackung aus dem Recyclat zu fertigen, die zudem transparent ist.

Desweiteren können Etiketten ein Problem darstellen, da sie sich beim Waschen der Flakes nicht lösen oder ein Kleber verwendet wird, der in dem Aufschmelzprozess zu einer Vergilbung führt und, und, und. Auch das Schalen-PET ist problematisch, da es aus unterschiedlichen Lagen besteht, die häufig unterschiedliche Rezepturen haben. Was macht man mit dem Schalen-PET und wieweit kann man das noch mal abtrennen. Trennt man es vor dem Flaken oder macht man es danach? Und da setzt die Recyclat-Initiative an, in der wir gemeinsam mit Partnern einen Prozess entwickeln, der eine qualifizierte Sortierung ermöglicht, aus der dann ein Material wird, das hochwertig weiterverarbeitet werden kann.

Und das ist uns tatsächlich gelungen. Wir haben Flaschen hergestellt, die bis zu 40 % PET aus dem Gelben Sack enthalten. Wir haben 100.000 Flaschen in den Handel gebracht, die zu 20 % aus dem Gelben Sack stammen und zu 60 % aus PET-Pfandflaschen. Jetzt gilt es, die Prozesse zu optimieren. Die einzelnen Herstellungsschritte sollten möglichst räumlich zusammenfügt werden, um Transporte einzusparen und z.B. zusätzliche Trocknungen zu vermeiden. Das Verfahren soll ökologisch und ökonomisch effektiv sein.

Über welche Mengen reden wir?

Brakemeier Also, die Kunststoffverpackungsmenge pro Jahr im Gelben Sack ist circa 2.000.000 t und davon ist PET nur ein kleiner Teil, dass sind schätzungsweise um die 10 Prozent.

Ein Technologiepartner ist Unisensor aus Karlsruhe?

Glaz Unisensor hat eine Anlage entwickelt, die mithilfe von Lasertechnologie in einer Millisekunde jeden Flake auf seine chemischen Bestandteile, Farbe, Kontaminanten etc. untersuchen, zuordnen und abtrennen kann. Dies schafft die bislang für die Vorsortierung eingesetzte Standardtechnologie, die auf Nah-Infrarot basiert nicht. Die potenziell so entstehenden Qualitätssteigerungen der Flakesortierung wollen wir mit der Recyclat-Initiative nutzen. Wir möchten mit unserer Initiative dazu beitragen, das Verpackungsrecycling aus seinem „Schattendasein“ zu führen.

Dies gilt im Besonderen für Kunststoffe. Praktisch macht ein werkstoffliches Aufbereiten nur Sinn, wenn dabei nachhaltig hergestellte, hochwertige Qualitäten entstehen. Das Laserverfahren eröffnet hierfür eine interessante Perspektive.

Brakemeier Wir sind bei 80 % Recyclat in unseren PET-Primärverpackungen, also Flaschen, angekommen und mussten natürlich diesen Weg lernen und zudem alles über Recyclate, die in der notwendigen Qualität schon gut verfügbar waren, wie z.B. das sogenannte Bottle to Bottle Plastic. Wir können ja aber der Getränkeindustrie, die das Recycling schon gut umsetzt, nicht dauerhaft die Materialien wegnehmen. Also war die Konsequenz, dass wir das Recyclat daher holen, wo es am Ende seines Produktlebens landet. Und das ist in Deutschland der Gelbe Sack. Das war der Grundstein unserer Initiative!

Glaz Die ca. 1,5 Mio to Kunstoffverpackungen, die jedes Jahr im Gelben Sack landen stellen eine bislang nicht effektiv genutzte Rohstoffquelle dar. Wir wollen nicht darauf warten, dass der Ölpreis steigt, sondern vorangehen. Dass wir uns zum Ziel gesetzt haben, eine transparente PET-Flasche aus dem Recyclat herzustellen, war dabei nicht der einfachste Weg.

Wie erfolgt nun der Stoffstrom im Einzelnen?

Glaz Die vorsortierten PET-Ballen werden bei einem Aufbereiter geschreddert, mehrfach gewaschen und hierbei von verbliebenen Störstoffen befreit. Die bei diesem Verfahren entstandenen Flakes werden dann mithilfe von Lasern nach Farbe und ggf. Rezeptur feinsortiert. Die Ausbeute für unsere Anforderungen beträgt hier ca. 40 %. Die verbliebenen 60 % werden anderweitig werkstofflich eingesetzt. Die für uns feinsortierten Flakes werden nun in einem Extruder aufgeschmolzen, entgast und in einem letzten Schritt von den noch verbliebenen Kontaminationen gereinigt. Das entstandene Regranulat wird vom Flaschenhersteller entsprechend gemischt, um die Preforms zu erstellen. Diese gelangen dann zu uns und werden auf unserem Werksgelände zu Flaschen geblasen. Wir sehen in diesem Prozess noch erhebliches Effizienzpotenzial.

Brakemeier PET ist für einen Chemiker ein für das Recycling interessanter Kunststoff, weil er aufgrund seiner chemischen Struktur erlaubt, die für Polymere unvermeidbaren Degradationsprozesse, also Qualitätsverlustprozesse, innerhalb jedes Schmelzvorgangs reversibel wieder zu korrigieren. Dafür muss aber ein weiterer Schritt nachgeschaltet werden, der diesen Qualitätsverlust durch ein erneutes Kondensieren kompensiert.

Glaz Das Regranulat erfüllt den sog. Food Grade Standard der amerikanischen Behörde FDA. d.h es ist geeignet für die Anwendung im Lebensmittelbereich. Dies hat eine von einem renommierten Institut durchgeführte Untersuchung ergeben. Die entsprechende europäische Behörde EFSA würde das Material leider anders bewerten, da die exakten Quellen angegeben werden müssen. Bei gemischten Verpackungsabfällen ist das schwierig.

Brakemeier Uns geht es zum einen darum, die Effizienz eines Recyclings im Rahmen des wirtschaftlich Möglichen so hoch wie möglich zu halten. Auf der anderen Seite aber nicht um jeden Preis den Kreis zu schließen, sondern Qualität nach vorne zu bringen, damit wir im Sinne eines ökologischen Produktes sagen können, unsere Verpackung ist sauber und unbedenklich. Und das ist der Gedanke, der da auch im Cradle to Cradle verankert ist. Cradle to Cradle macht eine Klammer um das technische Recycling von Verpackungen und dem natürlichen Recycling unserer Reinigungsmittel.

 

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