Juli 2010

Die Produktion begann sich bereits im vierten Quartal 2009 leicht zu erholen, das Niveau lag aber weiter sehr niedrig. Im ersten Quartal 2010 hat dann der Wiederaufschwung mit aller Macht eingesetzt (1). Mit 12,1 Prozent wurde der Einbruch des ersten Quartals 2009 zwar nicht vollständig aufgeholt, aber doch etwa zur Hälfte wettgemacht. Im April betrug der Zuwachs 17,4 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Auch wenn man vom Spitzenwert aus dem zweiten Quartal 2008 noch immer ein paar Prozentpunkte entfernt ist, bewegt sich die Produktion wieder nahe früherer Rekordgefilde. Schon im letzten Bericht hatten wir die Hoffnung geäußert, dass unsere Jahresprognose von bis zu sechs Prozent Wachstum in diesem Jahr deutlich überschritten werden könnte. Die Anzeichen dafür verdichten sich. Wir glauben inzwischen, dass der Zuwachs eher um zehn Prozent liegen könnte, womit der Rückgang des Jahres 2009 fast vollständig wettgemacht würde. Die Kunststoffverarbeitung könnte also schneller zum früheren Produktionsniveau zurückkehren als zum Höhepunkt der Krise allgemein geglaubt.

Teilbranchen

Wie verhält sich das nun in den einzelnen Marktsegmenten? Auch bei der Halbzeugproduktion (Rohre, Platten, Folien) erkennen wir eine klare Trendwende (2). Hier fiel der Einbruch nicht ganz so krass aus wie in der Gesamtbranche, aber noch im vierten Quartal war ein kleiner Rückgang zu verzeichnen. Im ersten Quartal 2010 wurde mit einem Zuwachs von 8,4 Prozent der Rückgang des Vorjahresquartals etwa zu Hälfte kompensiert, im April stieg die Produktion um 13,1 Prozent.

Der Verpackungssektor konnte sich neben den Bauelementen noch am besten durch die Krise lavieren. Hier ging die Produktion im ersten Quartal 2009 „nur“ um knapp zehn Prozent zurück (3). Etwa die Hälfte dieses Rückgangs wurden im ersten Quartal 2010 wieder aufgeholt. Im April nun lag der Zuwachs bei fast zehn Prozent. Möglicherweise wird im zweiten Quartal schon wieder das früher gewohnte Produktionsniveau erreicht. Es ist zu vermuten, dass vor allem Industrieverpackungen den Aufschwung tragen, die allgemeine Konsumabschwächung dagegen eher bremst. Genaues kann man erst nach Vorliegen von Daten zur Kunststoffwarenproduktion sagen.
In der Baubedarfsbranche brach die Produktion nur kurzzeitig ein (4), ab dem dritten Quartal 2009 ging es wieder kräftig aufwärts. Im ersten Quartal 2010 fiel man wieder leicht zurück, nachdem sich im Januar noch eine Fortsetzung des Aufschwungs angedeutet hatte. Das lag aber vermutlich am strengen und nicht weichen wollenden Winter. Im April jedenfalls stieg die Produktion wieder um 5 Prozent. Inwieweit der Aufschwung schon selbst tragend ist oder hauptsächlich gestützt wird durch öffentliche Konjunkturprogramme und staatlich geförderte Maßnahmen zur Gebäudesanierung und Energieeinsparung, ist unklar.
Bei der Herstellung von technischen Teilen und Konsumwaren war die Trendwende bereits im vierten Quartal 2009 mit einem Plus von 4,6 Prozent unübersehbar (5). Der Abschwung hatte dort aber auch früher begonnen als in anderen Bereichen und war mit knapp 28 Prozent im ersten Quartal 2009 besonders heftig. In den ersten drei Monaten dieses Jahres stieg die Produktion 22,3 Prozent, womit fast zwei Drittel des Rückgangs des Vorjahresquartals aufgeholt werden konnten. Im April legte die Branche über 28 Prozentpunkte zu. Im Vorjahresmonat betrug der Rückgang 27 Prozent und im zweiten Quartal waren es 22 Prozent. Es sieht so aus, als könnte im zweiten Quartal 2010 das alte Niveau annähernd erreicht werden.

Umsatz

Woher kommen nun die Konjunkturimpulse? Im Rückblick (6) erkennen wir, dass das Auslandsgeschäft deutlich stärker eingebrochen war als die Inlandsnachfrage. Diese Entwicklung zieht sich durch das ganze Jahr 2009. Von daher sollte man erwarten, dass die Erholung vorwiegend aus dem Export kommt. Im ersten Quartal 2010 bestätigt sich diese Hypothese. Aber schon im April stand das Inland dem Ausland in punkto Wiederauferstehung nur wenig nach. Mit Zuwächsen um 15 Prozent scheint die Erholung nachhaltig und durchgreifend. Dies sollte zuversichtlich stimmen. Andererseits ist das Auslandsgeschäft noch nicht so stark verbessert, dass die Rückgänge der Vergangenheit ganz kompensiert werden. Wie man hört, laufen aber der Auto- und auch der Maschinenexport hervorragend. Letztgenannter deutet auf eine kräftige und durchgreifende Erholung der Konjunktur und lässt erwarten, dass die Entwicklung auch in den nächsten Monaten voran geht.

Besonders in der Halbzeugbranche scheint sich unsere Erwartung zu bestätigen, dass vor allem der Export die Erholung tragen sollte (7). Dort waren es hauptsächlich die Auslandsmärkte, welche eingebrochen sind, derweil das Binnengeschäft anfangs zwar auch zurückging, sich dann aber schnell wieder aufraffen konnte. Schon im dritten Quartal 2009 schrieb man im Inland wieder eine schwarze Null. Und während die Auslandsumsätze im vierten Quartal noch um fast fünf Prozent schrumpften, wuchsen die Inlandsfakturierungen um vier Prozent. Im ersten Quartal legte das Inlandsgeschäft ebenso viel zu, aber der Export blies mit 13 Prozent zur Aufholjagd. Im April verdoppelte sich die Wachstumsrate im Inland, und im Ausland ging es mit 17 Prozent Plus weiter kräftig voran. Aber die Einbrüche der Vergangenheit sind dabei noch lange nicht kompensiert.
Die Verpackungsmittelhersteller (8) hatten mit deutlich geringeren Einbußen zu kämpfen als die Halbzeugproduzenten. Im Export waren die Rückgänge anfangs allerdings zweistellig, während sie im Binnengeschäft vergleichsweise eher gemäßigt ausfielen. Im vierten Quartal schrieb man im Inland sogar wieder eine schwarze Null, das Auslandsgeschäft ging aber noch mal um 7,7 Prozent zurück. Im ersten Quartal stiegen die Inlandsumsätze mit weniger als einem Prozent nur unwesentlich, die Exporte legten hingegen um drei Prozent zu. Im April zogen die Erlöse im Inland um über sechs Prozent an, im Ausland blieb man knapp darunter. Die Wende scheint auch in diesem Teilsektor geschafft, man ist allerdings zumindest im Auslandsgeschäft noch weit davon entfernt, die vergangenen Rückgänge kompensieren zu können.
Bei den Baubedarfsherstellern (9) waren die Umsätze im ganzen Jahr 2009 stark zurückgegangen, vor allem im – für diese Teilbranche noch vergleichsweise weniger bedeutenden – Auslandsgeschäft. Wie oben gezeigt, erholte sich dort dieProduktion sehr rasch, die Umsätze hinkten aber noch hinterher. Erst im Aprilzeigt sich auch hier eine durchgreifende Besserung. Wir hatten bereits im letzten Beitrag zum Thema vermutet, dass diese Diskrepanz mit den Eigentümlichkeiten des Baugeschäfts zusammenhängen könnte – lange Vorlaufzeiten einerseits, schleppende Zahlungsmoral, seitens öffentlicher Auftraggeber, andererseits, die dann auch auf Zulieferer durchschlägt.
Bei den Herstellern von technischen Teilen und Konsumwaren (10) war es anfangs die Auslandsnachfrage, welche das Geschäft besonders stark beeinträchtigte. Schnell ging dann auch die Inlandskonjunktur zur Schussfahrt über und stellte zuletzt die Exportschwäche in den Schatten. Im letzten Quartal 2009 erholten sich die Ausfuhren kräftig, während der Binnenabsatz weiter leicht schwächelte. Mit Jahresbeginn setze aber auch im Inland ein kräftiger Aufschwung ein und im April überholte das Binnengeschäft die Auslandsnachfrage. Die Zuwächse liegen über 25 Prozent, es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis das frühere Produktionsniveau wieder erreicht ist. Aus dem Kfz-Sektor hört man von einem regelrechten Nachfrageboom für deutsche Autos aus dem Ausland. Wenn das so bleibt, können vor alle die Autozulieferer unter den Herstellern von technischen Teilen wohlgemut in die nächste Zukunft blicken.

Fazit und Ausblick

Derzeit geht es überall aufwärts, zum Teil sehr kräftig, und das in einem Maße, das alle bisherigen Erwartungen übertrifft. Technisch bedingt war eine Erholung zwar zu erwarten, aber in der Krise überwog die Skepsis, ob verlorenes Terrain so schnell wieder besetzt werden könnte. Man rechnete mit einem mehrjährigen Aufholprozess. Nun geht alles viel schneller. Es erscheint unwahrscheinlich, dass das frühere Niveau aus dem Jahre 2008 mit einem Schlag wieder erreicht werden könnte, doch könnte es gelingen, sich schon dieses Jahr dem früher Gewohnten weitestgehend zu nähern. Derzeit ist ein neuerlicher Konjunktureinbruch nicht in Sicht, auch wenn sich Anzeichen für eine Beruhigung des schellen Wachstums immer mal wieder zeigen. Aber es gibt auch Signale für eine Verstetigung des Aufschwungs. Und einige Institute haben ihre Wachstumsprognosen deutlich nach oben korrigiert. Uns scheint, bis zur K’ 2010 ist viel Optimismus angezeigt.

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