LANXESS

Dank der guten Haftung zwischen Blasformmaterial und Faserverstärkung entsteht ein stoffschlüssiger Verbund. Bildquelle: Lanxess

Jetzt lassen sich auch endlosfaserverstärkte thermoplastische Verbundhalbzeuge der Marke Tepex beim Extrusionsblasformen einbinden. In einer Machbarkeitsstudie konnten Experten des Spezialchemiekonzerns Lanxess, Köln, zeigen, dass sich Bauteile aus Polyamid 6 im Blasformverfahren herstellen und dabei gezielt an stark belasteten Stellen mit Tepex verstärken lassen. Die Untersuchungen erfolgten an einer modernen seriennahen Blasformanlage im Dormagener Technikum des Geschäftsbereichs High Performance Materials (HPM).

Das Verfahren lässt sich nutzen, um die mechanische Leistungsfähigkeit blasgeformter Bauteile lokal deutlich zu steigern – wie etwa in Bereichen, die durch schlagartige Belastung oder hohen Druck mechanisch stark beansprucht sind. „Außerdem bietet es sich zur Herstellung blasgeformter Strukturbauteile an – beispielsweise für Hohlprofile zur Karosserieverstärkung. Dabei kann der großflächige Einsatz von Tepex einen beträchtlichen Beitrag zur Gewichts- und Materialersparnis leisten, da die Grundwanddicke des Bauteils reduziert werden kann“, erklärt Arthur Rieb, Blasformspezialist bei HPM . Als rein thermoplastische Systeme sind die Hohlkörper gut zu rezyklieren und erleichtern dadurch den Aufbau geschlossener Stoffkreisläufe.

Blasformschritt bestimmt die Zykluszeit

Zur Herstellung entsprechender Hohlkörper wird zunächst ein schlauchförmiger Vorformling extrudiert. Parallel wird im Blasformwerkzeug ein aufgeheizter und plastifizierter Tepex-Zuschnitt positioniert. Anschließend wird der Vorformling im Werkzeug aufgeblasen. Er verformt dadurch auch den Zuschnitt der Faserverstärkung. Es entsteht ein Bauteil mit definierter Form und lokaler Verstärkung. Rieb: „Die Umformung von Tepex ist in den Blasformprozess integriert. Daher resultiert ein einstufiger Gesamtprozess mit kurzen, wirtschaftlichen Zykluszeiten, wie sie für das Blasformen charakteristisch sind.“

Bisher musste zur Herstellung solcher Bauteile nachträglich ein zwei- oder dreidimensionaler Tepex-Zuschnitt auf den blasgeformten Hohlkörper geschweißt werden. Im ersten Fall ergibt sich ein zweistufiger, im zweiten Fall, wegen der vorangehenden Verformung, ein dreistufiger Gesamtprozess.

Die Endlosfasern im Verbund sind mit Kunststoff vollständig vorimprägniert. Der Druck beim Blasformen reicht daher aus, um den Werkstoff zu konsolidieren, so dass keine Lufteinschlüsse auftreten. „Es entsteht ein stoffschlüssiger Verbund mit guter Haftung zwischen Blasformmaterial und Tepex. Bereits geringe Blasformdrücke genügen, um Tepex auch zu kritischen 3D-Geometrien wie Halbkugeln mit engen Radien zu verformen“, sagt Tilmann Sontag, Leichtbauexperte in der Tepex Automotive Group von HPM .

Lanxess-HPM hat für das Blasformen ein breites Produktportfolio an hochviskosen Compounds auf Basis von Polyamid 6 und 66 mit und ohne Glasfaserverstärkung aufgebaut. Diese Werkstoffe können auch für die neue Verfahrens-Material-Kombination genutzt werden. Zum Sortiment gehören zum Beispiel sehr weiche, schlagzähe Produktvarianten wie etwa die unverstärkten Polyamid 6-Compounds Durethan BC700HTS DUSXBL oder Durethan BC550Z DUSXBL. Solche Materialien eignen sich zum Beispiel gut für Tepex-verstärkte Tanks oder andere Hohlkörper, bei denen es in der Anwendung auch auf eine hohe Schlagzähigkeit und Flexibilität ankommt. Dagegen sind die glasfaserverstärkten Produkttypen eher das Material der Wahl für Hohlprofile des strukturellen Leichtbaus.

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