Röchling steigerte 2012 Umsatz um 5,2 % auf 1,2 Milliarden Euro

Die Konjunktur in der Eurozone verschlechterte sich 2012 kontinuierlich, weil der Abschwung wirtschaftlich schwächerer Länder zunehmend auf die Kernländer übergriff. In Deutschland wuchs das Bruttoinlandsprodukt mit 0,7 % weniger stark als in den beiden Jahren zuvor. Das Geschäft mit den anderen Ländern Europas ging zurück. Dies vermochten kräftige Exporte nach Asien und insbesondere in die USA nicht vollends zu kompensieren.

Der Auftragseingang des Kunststoffverarbeiters stieg um 5,9 % auf 1,1957 Mrd. Euro. 2012 hat das Unternehmen auch kräftig investiert: 140,8 Mio. Euro und damit mehr als das bisherige Rekordvolumen von 2011. „Trotz sehr hoher Investitionsprogramme in den letzten beiden Jahren ist die finanzielle Lage bei Röchling nach wie vor sehr solide“, betonte Marc Trube, kaufmännischer Geschäftsführer der Röchling-Gruppe. Die Mitarbeiterzahl der Unternehmensgruppe wuchs im Geschäftsjahr 2012 – vor allem bedingt durch Akquisitionen – um 9,2 % 6.559 auf 7.165.

Geschäftsbereich Hochleistungs-Kunststoffe
Der Umsatz des Geschäftsbereichs Hochleistungs-Kunststoffe stieg 2012 um 2,7 % auf 593,7 Mio. Euro. Der Auftragseingang legte um 5,6 % auf 601,1 Mio. Euro zu. Die Mitarbeiterzahl wuchs um 14 % beziehungsweise 388 auf 3.159 Beschäftige.

Die Investitionen betrugen 78,4 Mio. Euro. Der Schwerpunkt lag auf der Akquisition neuer Unternehmen: Mit der Übernahme des Spritzgussunternehmens Advent Tool & Mold in Rochester, SA, im Mai 2012 setzte Röchling die Strategie fort, den Bereich Kunststoffprodukte für die Medizintechnik weiter auszubauen. Röchling Advent Tool & Mold ist ein Full Service Spezialist für die Herstellung von spritzgegossenen Präzisionskunststoffteilen für die Medizintechnik und Komponenten für Elektronikbauteile mit besonderer Kompetenz im Formenbau für unkonventionelle Produktlösungen.

Im September 2012 übernahm Röchling den süddeutschen Kunststoffverarbeiter Maywo Kunststoff aus Bad Grönenbach-Thal. Das Unternehmen fertigt im Extrusionsverfahren Kunststoffplatten und -folien aus den Werkstoffen Acrylnitril-Butadien-Styrol (ABS) und Polystyrol (PS) für die Tiefziehindustrie.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Produktionsausbau mehrerer Standorte insbesondere mit neuen Extrudern und Pressen: Im neuen Werk in Itupeva São Paulo (Brasilien) wurde nach 11 Monaten Vorbereitungszeit der erste Plattenextruder in Betrieb genommen. Im indischen Vadodara erwarb Röchling ein Grundstück und begann dort mit dem Bau eines neuen Werkes für thermoplastische Kunststoffe.

In Troisdorf stellt ein neues Logistikcenter einen noch effizienteren Warenumschlag sicher. Es hebt Synergien zwischen den Standorten Haren und Troisdorf und schafft Platz für neue Produktionsanlagen.

Am Sitz des Geschäftsbereiches in Lützen hat der Kunststoffverarbeiter ein neues Verwaltungsgebäude mit einer Fläche von 580 m2 und ein Lager mit 1.250 m2 in Betrieb genommen.

Die wachsende Spanne außergewöhnlicher Einsatzbereiche und Innovationen zeigt das Potenzial der Unternehmensgruppe, etwa durch die Beteiligung an der Rettung Venedigs: Gleitplatten aus Polystone M unterstützen das Jahrhundert-Projekt „Mose“, dessen 78 riesige Fluttore die gefährdete Stadt künftig vor dem Untergang durch Hochwasser schützen soll. Oder in der Förder- und Automatisierungstechnik: Dort sorgen 2 neue Hochleistungswerkstoffe LubX C und LubX S mit ihren herausragenden Trockenlaufeigenschaften für höhere Prozessstabilität, geringeren Energieverbrauch der Anlage und ein nahezu ruckfreies Gleiten der Transportbänder.

Geschäftsbereich Automobil-Kunststoffe
Im Geschäftsbereich Automobil-Kunststoffe verbuchte der Kunststoffverarbeiter ein Umsatzplus von 7,9 % auf 599,2 Mio. Euro. Der Auftragseingang legte um 6,2 % auf 594,7 Mio. Euro zu. Eine deutliche Erhöhung verbuchte die Gruppe bei den Investitionen, die um 40,4 % auf 61,9 Mio. Euro stiegen. Davon profitierten insbesondere die Werke in Worms, Wackersdorf, Pitesti/Rumänien und Suzhou/China. Ein weiterer Teil floss in den Aufbau des Werkes Akron/USA. Im Juni 2012 eröffnete Röchling Automotive ein neues Werk in Chengdu, China. Der 13.000 m2 große Standort fertigt Luftklappensteuerungen, Saugrohre und Pressteile für Unterboden und Motorraum. Die Zahl der Beschäftigten stieg im Geschäftsbereich Automobil-Kunststoffe um 6 % auf 3.974. Der Belegschaftsaufbau konzentrierte sich hauptsächlich auf die Wachstumsmärkte Nordamerika und Asien.

Zu den wichtigsten Ereignissen im Geschäftsjahr 2012 gehörte der Aufbau des brasilianischen Werks Itupeva mit drei großen Aufträgen für VW Brazil. Für die neue Fertigung in Akron in Ohio schloss die Gruppe mit General Motors einen Liefervertrag über die Ausstattung für jährlich 480.000 Fahrzeuge der Modelle Chevrolet Equinox, Captiva sowie GMC Terrain mit Unterbodenpaketen ab. Hinzu kommen 1,6 Mio. Luftklappen für die Marken Chevrolet und Opel sowie Buick, Holden und GMC. 400.000 werden davon in Akron und 1,2 Mio. in Suzhou hergestellt. Weitere Großaufträge erhielt der Automotive-Geschäftsbereich von Nissan für die Modelle Qashqai, Altima Hybrid und Murano sowie für alle Renault-Modelle, die auf der gleichen Plattform basieren.

Weitere Erfolge sind mehrere große Volkswagenaufträge wie der erste Serienauftrag für den Audi A8 sowie eine weitere Order für den Q5. Hinzu kommen Kühlwasserausgleichsbehälter für die Modelle A4, A5, Q7 und VW Touareg sowie Porsche Cayenne. Für die Ford-Modelle S-Max und Galaxy fertigt Röchling künftig Motorabschirmungen, Unterbodenverkleidungen und Heckdiffusoren. Für Volvo‘s Oberklasse-Modelle werden Luftklappen und Ausgleichsbehälter gefertigt. Auch BMW und Mercedes vergaben weitere Großaufträge an Röchling.

Die Innovationskraft der Gruppe wird beispielsweise durch ihre Beteiligung an der Entwicklung des ersten Erdgas-Wasserstoff-Panda von Fiat. Neue Glas- und Plastikfasermaterialien dämmen Geräusche und isolieren besonders gegen Hitze und Kälte. Zudem erhielt das Unternehmen 2 begehrte Preise für herausragende Produkte: Ford zeichnete ein Luftklappensystem mit dem Award „New Consumer – Focused Technology“ aus. Die Society of Plastic Engineers prämierte in der Kategorie Powertrain zwei Röchling-Produkte: ein VW-Saugrohr mit Platz 1 und ein Audi-Rücklauf-Ladeluftrohr mit Platz 2.

Guter Start im 1. Quartal 2013
Der Start in das Geschäftsjahr 2013 war für die Unternehmensgruppe erfreulich. Der Umsatz erreichte mit 305,7 Mio. Euro exakt den gleichen Wert wie im 1. Quartal 2012. Der Auftragseingang lag mit 316,0 Mio. Euro leicht darüber. Zum Ende des 1. Quartals 2013 waren in Gruppe 7.305 Mitarbeiter beschäftigt, 140 mehr als Ende 2012.

„Wir treiben unsere Internationalisierung mit Nachdruck voran“, sagte Georg Duffner, Vorsitzender der Röchling-Gruppe. „Dies betrifft die USA ebenso wie China, Brasilien und Indien. Auch in Japan sehen wir gute Möglichkeiten, unsere Marktposition weiter zu verstärken“. Für das laufende Geschäftsjahr 2013 sieht Duffner gute Chancen, dass im 2. Halbjahr auch der Euro-Raum vom Anstieg der weltweiten Nachfrage profitiert. „Wir setzen unseren Internationalisierungskurs mit voller Kraft fort und verstärken unsere Unabhängigkeit von regionalen Marktentwicklungen“, erläuterte er die Strategie der Unternehmensgruppe. „Zugleich forcieren wir unser Wachstum mit neuen Produkten für neue Märkte“.

(dw)

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