Kunststoff und Kunststoffprodukte gehören umsatzmäßig zu den Top-Exportsegmenten der Asean-Staaten, mit einem Exportumsatz von 39,3 Mrd. US-Dollar im Jahr 2013.

Kunststoff und Kunststoffprodukte gehören umsatzmäßig zu den Top-Exportsegmenten der Asean-Staaten, mit einem Exportumsatz von 39,3 Mrd. US-Dollar im Jahr 2013. (Bild: ASEAN)

Durch die neue „Normalität“, die geprägt ist durch Wirtschaftswachstum und Trends wie der unberechenbare Ölpreis, Schwankungen bei Angebot und Nachfrage sowie das Schwächeln der meisten asiatischen Währungen gegenüber dem US-Dollar, besinnen sich die südostasiatischen Länder auf ihre Stärken, um weiter zu wachsen. Das gilt für einzelne Staaten oder als Kollektiv im Rahmen des 10 Länder umfassenden Verbands südostasiatischer Nationen (Asean, Association of Southeast Asian Nations), zu dem Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur, Thailand, Brunei, Vietnam, Laos, Myanmar und Kambodscha gehören. Vor dem Hintergrund der profitablen Konsumentenbasis der Asean-Region mit 2013 über 600 Mio. Einwohnern und einem BIP von etwa 2,5 Bio. US-Dollar sowie der Präsenz am Weltmarkt kann die Region die Chancen nutzen, die sich aus einer aufstrebenden Mittelschicht ergeben. Dabei gehören Kunststoff und Kunststoffprodukte umsatzmäßig zu den Top-Exporten der Asean-Staaten, mit einem Exportumsatz von 39,3 Mrd. US-Dollar im Jahr 2013. Die Produktionsraten des Sektors sind in den letzten Jahren im Durchschnitt kontinuierlich gestiegen, insbesondere bei den Asean-6: Indonesien, Malaysia, die Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam erzielen laut der Unternehmensberatung McKinsey & Company mehr als 95 Prozent des regionalen BIP.
Nach Informationen der Messe Düsesldorf verzeichnete die noch junge Kunststoffindustrie in Vietnam zwischen 2010 und 2015 ein durchschnittliches jährliches Wachstum von 16 bis 18 Prozent. Verpackungen machen dabei 37,4 Prozent aus, gefolgt von Konsumgütern (27 Prozent), Bauwesen (18 Prozent) und technischen Produkten (15 Prozent). Dennoch ist die Industrie laut dem vietnamesischen Kunststoffverband VPA nach wie vor „am unteren Ende und im niederwertigen Bereich angesiedelt.“ Den Großteil der Exporte machen Plastikbeutel für Japan aus. Die Branche ist zudem stark abhängig von Rohstoffimporten, zum Beispiel von Polypropylen (PP)- und Polyethylen (PE)-Harzen. Durchschnittlich 4 Mio. t Rohstoffimporte stehen einer inländischen Produktion von 1 Mio. t gegenüber.

Indonesion strebt auf

Währenddessen bemüht sich die indonesische Regierung verstärkt das Land zu industrialisieren und so bis 2030 zur siebtgrößten Volkswirtschaft weltweit zu entwickeln. Die aufstrebende Mittelschicht, bei der man in den kommenden Jahren von einer Verdopplung auf 141 Mio. Menschen ausgeht, wird den Kunststoffkonsum steigern. 70 Prozent des Kunststoffverbrauchs der 250 Mio. Einwohnern entfallen laut dem indonesischen Verpackungsverband auf den Lebensmittel-Verpackungssektor. Der Verband der Aromaten-, Olefin- und Kunststoffindustrie (Inaplas) erwartet ein sechs-prozentiges Wachstum bei der Binnennachfrage im Kunststoffsektor, gestützt auf ein um 5,3 Prozent gestiegenes BIP im Jahr 2016 und die positive Entwicklung bei Lebensmitteln und Getränken sowie in der Agrarwirtschaft.
Eines der Top-Exportländer für Kunststoffprodukte in der Asean-Region ist Malaysia. Es verfügt über mehr als 1.500 Kunststoffproduktions-Unternehmen, die nach Europa, China, Singapur, Japan und Thailand exportieren. 45 Prozent des thailändischen Kunststoffverbrauchs gehen auf den Verpackungssektor zurück, gefolgt von Elektronik (26 Prozent), Automobil- (10 Prozent) und Bauindustrie (8 Prozent). Aufgrund eines auf 214 US-Dollar angehobenen monatlichen Mindestlohns in Malaysia sind die Kunststoff-Produktionskosten im Laufe des Jahres 2015 jedoch um rund 10 Prozent gestiegen.
Den größten Anteil des Kunststoffverbrauchs in Thailand machen Verpackungen mit 48 Prozent aus. Es folgen ­Elektronik (15 Prozent), Bau- (14 Prozent) und Automobilindustrie (8 Prozent). Trotz eines Gesamtkostenindex, beispielsweise Energie, Personal und Sachanlagen, der 20 bis 25 Prozent über dem von Indonesien, Vietnam und den Philippinen liegt, zieht der Automobilsektor Produktionsunternehmen an. Hauptgrund ist dabei die hochwertige und gut ausgebaute Infrastruktur für die Automobilindustrie, mit direkten und indirekten Zulieferern von Fahrzeugkomponenten. Zudem hat das Land in den letzten sieben Jahren 60 Mio. US-Dollar in das Entwickeln von Biokunststoffen investiert, wovon 80 Prozent auf Staatskosten entfallen.
Auf den exportorientierten Philippinen ist die Exportleistung zurückgegangen (minus 5,8 Prozent zum Vorjahr). Ursache ist die gesunkene Nachfrage bei den wichtigsten Absatzländern USA, China und Japan. Den größten Anteil an den Exporten hat die Halbleiter- und Elektronik­industrie. Gegenwärtig sollen Maßnahmen den Export ankurbeln, beispielsweise mit dem Allgemeinen Präferenzschema (APS) der Europäischen Union (EU), das dem Inselstaat Exportchancen in den EU-Markt eröffnen soll, indem Exportzölle sinken oder ganz entfallen.
Singapur lockt Unternehmen
Singapur, ein weltweites Zentrum der Chemikalienproduktion, das die Economist Intelligence Unit (EIU) im dritten Jahr in Folge zur teuersten Stadt der Welt gewählt hat, kompensiert die hohen Kosten durch Faktoren wie eine direkte Anbindung über Schifffahrtswege, entwickelte ­Infrastruktur, die Verfügbarkeit von Arbeitskräften und einfache Geschäftsabwicklungen. Rund 95 Unternehmen sind auf Jurong Island in Singapur vertreten. Sie ziehen laut dem Economic Development Board (EDB) Investitionen von über 35 Mrd. Singapur-Dollar (etwa 23 Mrd. EUR) an. Die aufgeschüttete Insel bietet Unternehmen eine Art „Plug-and-Play“-Infrastruktur, die eine schnelle Inbetriebnahme ermöglicht und das Wachstum sowohl in den vorgelagerten als auch den nachgelagerten Branchen stärkt. Derzeit sind Unternehmen wie BASF, Ludwigshafen, Exxon Mobil Chemical, Spring, USA, Lanxess, Köln, Mitsui Chemicals, Minato, Japan, Shell, London, England und Sumitomo Chemicals, Chuo-ku, Japan, dort vertreten. BMI Research erwartet vor dem Hintergrund eines Abschwungs in China und eines regionalen Überangebots für 2016 in Singapur eine schwierige Entwicklung. Deshalb setzt Singapur auf die Spezialchemie als den nächsten Wachstumssektor, wie aus einem Wirtschaftsbericht des Ministeriums für Handel und Industrie in Singapur hervorgeht.

Freihandel fördern

Um die Kunstoffindustrie in der Region zu fördern, gibt es Initiativen von Verbänden, zum Beispiel die Asean Federation of Plastics Industries (AFPI), Malaysian Plastics Manufacturers Association (MPMA), Thai Plastic Industries Association (TPIA) und Philippines Plastics Industry Association (PPIA). Die Verbände arbeiten mit internationalen Handelsblöcken wie der Asean Economic Community (AEC), dem US-geführten Trans Pacific Partnership Agreement (TPPA) und der von China unterstützten Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP) zusammen. Die AEC trat am 1. Januar 2016 in Kraft und zielt auf liberalisierte Märkte für Güter, Investitionen und Dienstleistungen. Sie ermöglicht kunststoffproduzierenden Ländern wie Thailand, Malaysia und Singapur ein Absenken der Zölle auf Kunststofffertigprodukte, Maschinen und Formen für Mitgliedsstaaten wie etwa Vietnam. Das Land deckt seinen Kunststoffbedarf zu rund 80 Prozent aus Thailand und Malaysia. Auch Indonesien deckt mehr als 40 Prozent seiner Nachfrage aus Malaysia, Thailand, Singapur, Europa und den USA.
Das 12 Nationen umfassende TPPA, will die Handelsbestimmungen zwischen den Mitgliedsstaaten liberalisieren und die bestehenden Zölle von bis zu 25 Prozent abschaffen. Das RCEP-Abkommen zwischen den Asean-Mitgliedsstaaten und China, Japan, Südkorea, Indien, Australien sowie Neuseeland zielt auf ein Konsolidieren der bestehenden Freihandelsabkommen und Verein­barungen mit den anderen sechs Partnerländern. Durch das Abkommen sollen die Zölle vorerst um 65 Prozent sinken, innerhalb von zehn Jahren voraussichtlich um 80 Prozent. Das RCEP könnte darüber hinaus die von der Asia Pacific Economic Cooperation (APEC) seit langem in Aussicht gestellte Freihandelszone in der Region Asien-Pazifik namens Free Trade Area of the Asia-Pacific (FTAAP) befördern.
Angesichts dieser Vorzeichen wird die Kunststoffindustrie in der Asean-Region weiter wachsen. Laut dem Asean Business Outlook Survey 2014 der amerikanischen Handelskammer in Singapur und der US-Handelskammer war Indonesien das attraktivste Land für Unternehmensexpansionen, gefolgt von Vietnam und Thailand. Die verfügbaren und günstigen Arbeitskräfte in Ländern wie Kambodscha, Indonesien sowie Vietnam schaffen dabei einen zusätzlichen Wettbewerbsvorteil. Insgesamt eröffnen die große Konsumentenbasis in den Asean-Ländern, die verbreiterten Kunststoff-Im- und Exportmärkte sowie ein gestärktes Auslandsgeschäft Chancen für ausländische Investoren.

Halle/Stand 08b/F39-5

gehört zum Pressereferat K 2016 der Messe Düsseldorf.

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