„Sie haben ihren Auftrag mit Bravour erfüllt“, lobte der neue niedersächsische Wirtschaftsminister Jörg Bode das DIK in seinem Grußwort. Diesen Auftrag sieht die Landesregierung darin, eine wirtschaftsnahe Forschungseinrichtung zu sein und als Innovationsmotor für kleine und mittlere Industriebetriebe der kunststoffverarbeitenden Industrie zu wirken. Daher werde die Regierung das DIK auch weiter finanziell unterstützen, sagte Bode.

„Hervorragende Forschungsergebnisse“ und ein „weltweit einmaliges Weiterbildungsstudium in der Kautschuktechnologie“ bescheinigte Fritz Katzensteiner, Hauptgeschäftsführer des Wirtschaftsverbands der Kautschukindustrie (wdk), dem Institut. Dieses Weiterbildungsstudium hätten bislang 437 Absolventen abgeschlossen, berichtete er. Die Absolventen seien in der Industrie sehr gesucht, war von Industrievertretern auf der Veranstaltung zu hören.

Jürgen Gunther, Vorsitzender der Deutschen Kautschuk-Gesellschaft (DKG) und wie der wdk eines der Gründungsmitglieder des DIK, bescheinigte der deutschenden Kautschukindustrie eine „weltweit führende Stellung“, mit „starken kleinen und mittelgroßen Industriebetrieben“. Ohne das DIK „wäre diese Entwicklung nicht möglich gewesen“, sagte Gunther. Die DKG und der wdk hätten das Institut seit der Gründung 1984 stets auch finanziell gefördert. Auf insgesamt rund neun Millionen Euro bezifferte er die Förderung durch die beiden Verbände.

Prof. Dr. Robert Schuster, der das DIK seit 1994 leitet, freute sich über so viel Lob für die Arbeit des Institutes, und gab es auch gleich weiter: Nicht er allein habe dies erreicht und verdient, sondern vor allem die Mitarbeiter des DIK, sagte Schuster. Wesentlich für den Erfolg des Instituts sei auch dessen Ausichtung auf die materialwissenschaftliche Forschung gewesen, zusammen mit den guten technischen Verarbeitungsmöglichkeiten. „Damit sind wir am Puls der Zeit und können Schrittmacher für neue technische Entwicklungen sein“, betonte er. So habe man viele Industrieprojekte im In- und Ausland akquirieren können. Daher werde das Institut auch in diesem Jahr eine „positive Bilanz“ erreichen. Am Ende der Festreden kündigte Schuster den personellen Wechsel in der Institutsleitung an und übergab den symbolischen Schlüssel an Dr. Ulrich Giese, bisher Leiter der Abteilung Polymerchemie am DIK. Er wird die Geschäftsführung zum Jahreswechsel übernehmen.

KGK sprach mit Prof. Dr. Robert Schuster und Dr. Ulrich Giese über die Zukunft des DIK.

KGK: Herr Dr. Giese, das Deutsche Institut für Kautschuktechnologie (DIK) hat sich in den vergangenen 25 Jahren einen ausgezeichneten Ruf in der Kautschuk-Branche erarbeitet, worauf führen Sie das zurück?
Dr. Giese:
Ein wesentlicher Punkt ist die über Jahre konsequent verfolgte inhaltliche Ausrichtung des Instituts auf die Bereiche einer umfassenden Materialcharakterisierung, Verarbeitung und Modellbildung. Eine ständige Gesprächsbereitschaft mit Unternehmen aus der gesamten Kautschuk-Branche, sowie mit Anwendern von Elastomerprodukten und mit den Verbänden DKG und wdk zu aktuellen Problemen und Themen bewirkt eine hohe Praxisorientierung des DIK. Die parallel kontinuierlich ausgebaute Forschung zu Materialthemen, zu Umweltaspekten und zu Verarbeitungsprozessen versetzen das DIK in die Lage wissenschaftliches Know how mit praxisorientierten Problemlösungen interdisziplinär zu verbinden und der Industrie Problemlösungen oder entsprechende Hilfestellungen anzubieten. Dies ist sicherlich einzigartig. Grundlegende Arbeiten zu beispielsweise Nitrosaminen in den 90er Jahren sowie die andauernden Untersuchungen zu Emissionen bei der Herstellung und Anwendung von Elastomeren helfen insbesondere kleineren und mittelständischen Unternehmen in der Bewältigung der immer komplizierter werdenden Umweltauflagen. Das Aufgreifen von aktuellen Forschungsthemen wie Vernetzung, Lebensdauervorhersage und Materialalterung sowie die Entwicklung von Nanokomposit-Werkstoffen mit vielfältigen Eigenschaftsbildern weckt das Interesse der Industrie, um national und international wettbewerbsfähig zu bleiben. Zeitgemäß trägt auch die Akkreditierung in Verbindung mit einer umfassenden Qualitätssicherung zum Ruf des DIK bei. Ich möchte auch anmerken, dass die positive Entwicklung des DIK nicht zuletzt auch auf das große Engagement von Prof. Schuster zurückzuführen ist.

KGK: Herr Prof. Schuster, anlässlich des 20 jährigen Jubiläums des DIK antworteten Sie auf die Frage nach der Positionierung des DIK in Zukunft, dass man dabei wäre, sich stärker an die Universität anzubinden, mit modernen Konzepten neue Materialien zu entwickeln und ein Europäisches Kompetenz-Zentrum für Elastomere aufzubauen. Was hat sich diesbezüglich getan?
Prof. Schuster:
Bereits zu diesem Zeitpunkt hatte ich den Plan die Anbindung an die Universität durch eine Berufung eines Entscheidungsträgers im DIK, vorzugsweise meines Nachfolgers zu festigen. Dieses ist ja mit gutem Erfolg gelungen. Allerdings stellt diese Anbindung keine Vereinnahmung dar. Das DIK wird weiterhin wirtschaftsnah forschen und maßgeschneiderte Problemlösungen für die Industrie erarbeiten. Der erwähnte Einstieg in neue Materialien ist, wie ich meine, recht gut gelungen. Durch Arbeiten auf dem Gebiet von neuartigen elastomeren Verbundwerkstoffen mit Cellulose-Nanofasern, Schichtsilikaten, Kohlenstoffröhrchen (CNTx) oder magnetisch aktiven Elastomeren, Verstärkung durch elektrogesponnene Fasern, künstliche Gewebe zur Regeneration von Nerven, Brennstoffzellenmembran – um nur einige der neuen Richtungen zu nennen – haben wir in den letzten fünf Jahren einen international beachteten und sehr wichtigen Einstieg in Zukunftstechnologien gefunden. Ein wenig habe ich da auch mitgewirkt.

KGK: Das Kompetenzspektrum des Instituts deckt die Charakterisierung, Verarbeitung und Modellbildung bei nichtlinear viskoelastischen Materialien ab. Wird es Veränderungen oder Erweiterungen des Spektrums geben?
Dr. Giese:
Die einzelnen Punkte bleiben natürlich wichtige Bestandteile des Kompetenzspektrums des DIK, wobei hier im Detail ein ständiger Wandel gemäß aktuellen Fragestellungen zu berücksichtigen ist. Eine zunehmende Bedeutung im Bereich der Charakterisierung hat unter den Aspekten der Ressourcenschonung und der Wirtschaftlichkeit zum Beispiel die Lebensdauervorhersage sowie die möglichst detaillierte Beschreibung und das Verständnis von Alterungsvorgängen erlangt. Ein Schwerpunkt wird hier auch in Zukunft die Simulation von Vorgängen im Material bilden, was sicherlich neue Messmethoden erfordert. Ein neuer Schwerpunkt des DIK wird die von Prof. Schuster bereits begonnene Entwicklung von neuen Werkstoffen sein. Forschungsarbeiten zu diesem Schwerpunkt erfordern neue Aktivitäten des DIK auf dem Gebiet der chemischen Synthese und Materialmodifizierung, sowie im Bereich der Verfahrensentwicklung zur Einarbeitung von Füllstoffen mit neuartigen Eigenschaftsbildern. Ziel ist die Optimierung des Zusammenwirkens von Nanomaterialien und Polymeren, auch auf Basis von Biopolymeren und nachwachsenden Rohstoffen, für Anwendungen wie Medizintechnik, alternative Energiegewinnung und Luftfahrt. Natürlich gilt dies auch für die traditionellen Einsatzgebieten von Elastomeren. Für die Anwendung neuer Materialien speziell im Pharma- und Medizinbereich lässt sich der seit Jahren angewachsene Arbeitsschwerpunkt „Untersuchung von Leachables“ nutzen und soll weiterhin ausgebaut werden. Als Service für die Industrie ist der Bereich der Schadensanalytik weiter zu intensivieren

KGK: Wie wird die Anbindung des DIK an die Universität Hannover aussehen? Wie wird sich die Zusammenarbeit gestalten?
Dr. Giese:
Das DIK bleibt als eigenständiges Unternehmen in seiner derzeitigen Rechtsform des eingetragenen Vereins bestehen. Das Verhältnis zur Leibniz Universität Hannover wird jedoch intensiviert. Der Ruf an die Universität ist mit einer Lehrtätigkeit im Bereich Polymere verbunden, was es erleichtern wird, wissenschaftliche Mitarbeiter für die Anfertigung einer Dissertation oder Masterarbeit am DIK zu gewinnen. Darüber hinaus werden sich sicher interessante gemeinsame Forschungsaktivitäten unter Nutzung der jeweiligen Kompetenzen, über die gute Kooperation in einigen Bereichen hinaus, entwickeln. Für unsere Branche ist ein Gewinn bezüglich des Nachwuchses zu erwarten.

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