Zum Ende des vergangenen Jahres waren insgesamt 11.474 Mitarbeiter für die Röchling-Gruppe tätig, wodurch sich die Anzahl der Mitarbeiter innerhalb eines Jahres um 545 und damit um fünf Prozent erhöhte. Das laufende Geschäftsjahr ist durch den Ausbruch der Coronapandemie gekennzeichnet, in deren Folge die Weltwirtschaft in vielen Bereichen eingebrochen ist. Die mittel- und langfristigen Auswirkungen des weltweiten Shutdowns sind aktuell noch nicht absehbar. Auch die Röchling-Gruppe konnte sich dieser Entwicklung im ersten Quartal 2020 nicht entziehen und verzeichnete im Vergleich zum Vorjahrsquartal einen Umsatzrückgang in Höhe von 8,8 Prozent.

Röchling Management Board, Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel, Evelyn ,Franz Lübbers, Kunsthalle Mannheim, 18.11.19, (Bildquelle: Tim Wegner)

Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel, Vorstandsvorsitzender der Röchling-Gruppe. (Bildquelle: Tim Wegner)

„Wir haben im Geschäftsjahr 2019 Umsatzsteigerungen in allen Unternehmensbereichen verzeichnet. Die Coronapandemie setzt seit Mitte März sowohl den Umsatz als auch den Auftragseingang in unseren Unternehmensbereichen Industrial und Automotive unter Druck. Wir mussten darauf, wie viele andere Unternehmen in Deutschland auch, mit Kurzarbeit in beiden Bereichen sowie kurzzeitigen Werkschließungen im Automotive-Bereich reagieren. Im Medical-Bereich profitierten dagegen einige Standorte von einer erhöhten Nachfrage aufgrund der Pandemie“, sagt Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel, Vorstandsvorsitzende der Röchling-Gruppe, bei der Vorstellung der Bilanzzahlen. Diese erfolgte in einer Videokonferenz mit Pressevertretern.

Kompetenzzentrum Röchling Direct Manufacturing Center

Knaebel zeigte sich zuversichtlich, dass die Gruppe gestärkt aus dieser Situation hervorgehen wird. Ein Baustein dafür soll das im August 2019 gegründete Röchling Direct Manufacturing Center (RDMC) in Waldachtal-Salzstetten sein. Das Kompetenzzentrum bündelt das Know-how der Additiven Fertigung und entwickelt es weiter. Auch im vergangenen Jahr setzte die Gruppe auf Forschung und Entwicklung. Um dem agilen Umfeld der Kunststoffbranche sowie dem eigenen Anspruch an Innovationskraft Rechnung zu tragen, wurde 2019 eine den Unternehmensbereich Industrial überspannende, zentrale Entwicklungsabteilung aufgebaut. Priorität dieser Abteilung besitzen strategische Entwicklungsprojekte, die die aktuellen Leitthemen der Kunststoffindustrie widerspiegeln: smarte Kunststoffe, funktionalisierte Kunststoffe, Leichtbau und Thermoplastische Composites. Einen zunehmend wichtiger werdenden Aspekt nehmen aber auch sogenannte Biokunststoffe sowie CO2-neutrale oder rezyklierte Kunststoffe ein.

Die Sachanlageinvestitionen der Röchling-Gruppe lagen im Jahr 2019 mit 121,1 Mio. EUR unter dem Wert des Vorjahres von 151,6 Mio. EUR. Dies war auf Reduzierungen in allen Unternehmensbereichen zurückzuführen. Der größte Anteil des investierten Betrages entfiel mit 59,4 Mio. EUR auf den Bereich Automotive. Im Bereich Industrial wurden Investitionen in Höhe von 39,1 Mio. EUR und im Bereich Medical in Höhe von 20,7 Mio. EUR getätigt.

(Bildquelle: Röchling)

Um 23 Prozent steigerte Röchling die Anzahl seiner Auszubildenden im vergangenen Jahr. (Bildquelle: Röchling)

Zum Ende des vergangenen Jahres lag die Anzahl der Auszubildenden bei der Röchling-Gruppe bei 358 – ein Plus von 23 Prozent. Das Spektrum reicht von der kaufmännischen oder technischen Ausbildung bis zum Studium an der Dualen Hochschule. In Deutschland beschäftigt die Röchling-Gruppe insgesamt 4.581 Personen. Die Gruppe ist weltweit an 90 Standorten in 25 Ländern vertreten, 57 davon liegen in Europa, 18 in Asien und 15 in Amerika. Das Unternehmen übernahm zum 1. Januar 2019 den Kunststoffverarbeiter Schwartz Technische Kunststoffe und firmiert heute als Röchling Industrial Xanten. Die Unternehmensgruppe stärkte mit dieser Investition seine Position als Anbieter von Formgussteilen aus Polyamid-Guss für die Schwerlastindustrie. Dagegen verkaufte die Sparte Automotive im Mai ihr Werk in Wolfsburg-Hattorf an den japanischen Automobilzulieferer und Komponentenhersteller Kasai Kogyo. „Mit dem Verkauf des Werks, das Tür- und Seitenverkleidungen für Automobile herstellt, konzentrieren wir uns auf unser Kerngeschäft“, betonte Knaebel.

37,6 Prozent des Gesamtumsatzes erwirtschaftete die Röchling-Gruppe im vergangenen Jahr in Deutschland, 33,6 Prozent im übrigen Europa. Für Amerika beziffert sich der Anteil auf 18,3 Prozent, für Asien auf 10,4 Prozent. Damit haben sich die prozentualen Anteile der Regionen am Gruppenumsatz im Vergleich zum Vorjahr nur unwesentlich verändert. Das Ergebnis vor Ertragssteuern (EBT) sank um 24 Mio. EUR auf 81,9 Mio. EUR. Dieser Rückgang ist vor allem auf die Herausforderungen im Automotive-Bereich zurückzuführen, worauf die Sparte mit dem Restrukturierungsprogramm „Driving Future“ reagiert hat.

Erstes Quartal 2020: Gekennzeichnet durch Coronapandemie

Das erste Quartal 2020 war gekennzeichnet durch erste Auswirkungen der Coronapandemie. Die drei Unternehmensbereiche erzielten von Januar bis März Umsatzerlöse in Höhe von 560,4 Mio. EUR – ein Minus zum Vorjahreszeitraum von 54,2 Mio. EUR. Der Großteil dieses Umsatzrückgangs entfiel mit 51 Mio. EUR auf den Bereich Automotive. Die Sparte hatte unter den rückläufigen Produktionszahlen der Automobilproduzenten zu leiden. Der Unternehmensbereich Industrial steigerte trotz bereits einsetzender rückläufiger Umsätze von 6,6 Mio. EUR im Vergleich zum Vorjahrsquartal seine Profitabilität. Der Bereich Medical erzielte ein Plus von 3,2 Mio. EUR.

Röchling Management Board, Prof. Dr. Hanns-Peter Knaebel, Evelyn ,Franz Lübbers, Kunsthalle Mannheim, 18.11.19, (Bildquelle: Tim Wegner)

CFO Evelyn Thome stellt Konsteneinsparungen in den Fokus. (Bildquelle: Tim Wegner)

Der Auftragseingang in den drei Unternehmensbereichen entwickelte sich vergleichbar und ging im ersten Quartal 2020 um 6,3 Prozent auf 581,8 Mio. EUR zurück von 620,7 Mio. EUR im Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis vor Steuern sank entsprechend um 12,6 Mio. EUR auf 16 Mio. EUR. „Aufgrund der aktuellen Entwicklung müssen wir die eingeleiteten Kostensenkungsmaßnahmen umsetzen und uns auf den Erhalt der stabilen Cash-Situation konzentrieren“, betonte CFO Evelyn Thome.

Die aktuelle wirtschaftliche Entwicklung hat auch Auswirkungen auf die Anzahl der Beschäftigten: Sie nahm bis zum 31. März 2020 auf 11.015 Mitarbeiter ab. Dieser Rückgang ist auf den Bereich Automotive zurückzuführen und neben Personalanpassungen im Zuge der Coronapandemie auch ein Ergebnis des Restrukturierungsprozesses.

Industrial: Umsatzwachstum trotz teilweise sinkende Nachfrage

(Bildquelle: Röchling)

Trotz Schwächen in einigen Bereichen verzeichnet der Unternehmensbereich  Industrie  eine positive Entwicklung.(Bildquelle: Röchling)

Vor allem im zweiten Halbjahr 2019 sah sich der Unternehmensbereich Industrial mit einer deutlichen Schwäche in den Bereichen Halbleiterindustrie in Asien, Windenergie in Europa sowie in der Transformatorenindustrie konfrontiert. Dennoch verzeichnet der Unternehmensbereich im Geschäftsjahr 2019 erneut eine positive Entwicklung. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr um 7,3 Prozent auf 846,7 Mio. EUR. Der Umsatzanteil des Anfang Januar erworbenen Unternehmens Röchling Industrial Xanten lag für das Geschäftsjahr 2019 bei 38,1 Mio. EUR. Der Auftragseingang wurde im Berichtsjahr auf 837,7 Mio. EUR (Vorjahr: 795,3 Mio. EUR) gesteigert.

Die Investitionstätigkeit im Unternehmensbereich Industrial lag unter dem Niveau des Vorjahres. Für das Jahr 2019 beziffern sich die Investitionen in Sachanlagen auf ein Volumen von 39,1 Mio. EUR. Bei den Investitionen handelte es sich unter anderem um Produktionsanlagen für mehrere Standorte.

Automotive: Unabhängig von externen Einflüssen

Unternehmensbereich Automotive: „Driving Future“ soll profitables Wachstum sichern. Im Unternehmensbereich Automotive lagen die Umsatzerlöse zum Geschäftsjahresende 2019 bei 1.336,1 Mio. EUR – ein Plus von 8,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Auftragseingang erreichte einen Wert von 1.336,1 Mio. EUR. Im Vorjahr lag dieser bei 1.232,1 Mio. EUR. Trotz der Umsatzsteigerung im Vergleich zum Vorjahr spürte der Unternehmensbereich Automotive die gedämpfte Branchenentwicklung in der Automobilindustrie deutlich.

„Durch fehlende Serienumsätze aufgrund geringerer Abrufzahlen oder der Verschiebung von Lieferabrufen seitens der Automobilhersteller, vor allem in Europa und Nordamerika, haben wir unsere Planzahlen verfehlt“, berichtete Knaebel, der den Unternehmensbereich seit Sommer des vergangenen Jahres im Vorstand vertritt. In Asien war die Umsatzentwicklung insgesamt nach wie vor positiv. Auch wenn sich der Rückgang des chinesischen Automobilmarktes in der Umsatzentwicklung einzelner Werke bemerkbar machte.

Um dem Transformationsprozess im Automobilmarkt und der aktuellen Ergebnissituation entsprechend zu begegnen, wurde für den Unternehmensbereich Automotive das Strukturprogramm „Driving Future“ initiiert. „Das Ziel der damit verbundenen Neustrukturierung ist, das Unternehmen in seiner Profitabilität und wirtschaftlichen Selbstständigkeit unabhängiger von externen Einflüssen zu machen und die Fokussierung noch deutlicher auf die eigenen Stärken zu legen“, sagte Knaebel. Ebenso wurden Maßnahmen zur Kostensenkung auf den Weg gebracht.

Medical: Umsatzsteigerung von 40,4 Prozent

Röchling medical Produkte  (Bildquelle: Michael Reichel / arifoto.de)

Röchling steigerte seinen Umsatz im Bereich seiner Medizinprodukte deutlich.  (Bildquelle: Michael Reichel / arifoto.de)

Der Unternehmensbereich Medical erzielte im Geschäftsjahr 2019 eine deutliche Umsatzsteigerung in Höhe von 40,4 Prozent auf 171,5 Mio. EUR. Die Umsatzerlöse wurden durch die beiden Akquisitionen des Vorjahres – Röchling Medical Waldachtal sowie Röchling Medical Lancaster in den USA – positiv beeinflusst. Deren Umsatzanteil belief sich auf 65,9 Mio. EUR, im Vorjahr auf 30,6 Mio. EUR. Davon entfielen 35,8 Mio. EUR auf Röchling Medical Waldachtal. Darüber hinaus wurde sowohl in Europa, als auch in Amerika ein Umsatzwachstum erzielt. Das Dialysegeschäft blieb nach wie vor hinter den Erwartungen zurück. „Ebenso hemmten neue Validierungsanforderungen teilweise den Anlauf neuer Aufträge erheblich“, berichtete Dr. Boris Fröhlich, seit Anfang des Jahres neuer CEO von Röchling Medical. Der Auftragseingang lag für das Gesamtjahr 2019 bei 179,7 Mio. EUR, im Vorjahr bei 131,3 Mio. EUR. Die Investitionen in Sachanlagen lagen im Unternehmensbereich Medical im Geschäftsjahr 2019 bei insgesamt 20,7 Mio. EUR.

Ausblick 2020: Merklicher Umsatzrückgang

Aufgrund der Pandemie rechnet der Internationale Währungsfonds (IWF) mit einem Schrumpfen der globalen Wirtschaftsleistung um rund drei Prozent. Für Deutschland rechnet der IWF mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um rund sieben Prozent. Das Ifo Institut geht von einem Rückgang des Bruttoinlandsprodukts von 6,2 Prozent aus. Mit ersten Aufholeffekten rechnet der IWF frühestens zum Ende des laufenden Jahres. Vor diesem Hintergrund hat der Vorstand der Röchling-Gruppe bereits seine Erwartungen an das laufende Wirtschaftsjahr gegenüber der Planung angepasst: „Wir gehen für 2020 unter der Annahme einer länger anhaltenden Pandemie von einem merklichen Umsatzrückgang und damit einhergehenden Ertragseinbußen aus. Aufgrund der rasanten Entwicklung und dem damit verbundenen hohen Grad an Unsicherheit bewerten wir die finanziellen Auswirkungen in Form von Szenarien, für die wir die erforderlichen Vorkehrungen getroffen haben“, sagte Knaebel. (jhn)