Mit seiner erfolgreichen Digitalisierungsstrategie hat Christian Werner, Geschäftsführer von Peiler & Klein (Mitte), die Reklamationsquote bereits auf 0,39 Prozent gesenkt. (Bildquelle: Peiler & Klein)

Mit seiner erfolgreichen Digitalisierungsstrategie hat Christian Werner, Geschäftsführer von Peiler & Klein (Mitte), die Reklamationsquote bereits auf 0,39 Prozent gesenkt. (Bildquelle: Peiler & Klein)

Christian Werner, Geschäftsführer von Peiler & Klein, hat geschafft, was vielen Mittelständlern der Kunststoffbranche nach wie vor Probleme bereitet: Sein Unternehmen erfolgreich zu digitalisieren. Die Zahlen belegen dies: Bis heute hat er die Reklamationsquote bereits auf 0,39 Prozent gesenkt und das Ziel Null Fehler ist in Sichtweite. Beim Umsatz kann das Unternehmen sogar eine Steigerung von 11 Prozent bei gleicher Maschinenanzahl vorweisen.

Erfolgreich durch modulare Lösungen

Unterstützt wurde der Kunststoffverarbeiter von Jörg Wolter aus Nürnberg, Geschäftsführer des Systemhauses Data Ahead. „Kleine Schritte haben bei der Digitalisierung enorme Vorteile,“ so Werner, „denn auch wenn sie mal in die falsche Richtung gelaufen sind, können sie schnell korrigieren. Und die Korrektur ist nicht so schmerzhaft, schon rein finanziell. Ganz wichtig ist auch, dass die Mitarbeiter nicht überfordert werden. Jeder Mensch und jedes Unternehmen hat seine eigene Geschwindigkeit, die muss man berücksichtigen.“

Im Gegensatz zu großen, vollintegrierten Lösungen, die meist eine aufwendige und zeitintensive Systemeinführung erfordern, sieht Wolter einen klaren Vorteil in gezielten, modularen Lösungen, die das Risiko einer etwaigen Fehlinvestition erheblich schmälern. „Die Erfolge werden bei der Digitalisierung in kleinen Schritten schneller sichtbar. Das wirkt sich fast immer positiv auf die weitere Investitionsbereitschaft der Geschäftsleitung aus.“

Informationen sichtbar machen

Bei Peiler & Klein begann der Weg zur Industrie 4.0 im Jahr 2009. Das Unternehmen musste sich zu diesem Zeitpunkt eingestehen, dass es wichtige Fragen in Bezug auf Einsatzfähigkeit von Werkzeugen, Materialbestand, Maschinenverbrauch nicht direkt und konkret beantwortet werden konnten. Die Liste ließe sich endlos fortführen, das Problem war stets dasselbe: Fertigungsaufträge, Materialanforderungsscheine, Werkzeugbegleitkarten und Zeichnungen – alles auf Papier. Werner erkannte, dass essentielle Informationen des Tagesgeschäftes, oft fehlerhaft, nicht auf dem aktuellen Stand oder schlicht gar nicht vorhanden waren. Selbst wenn diese digital vorlagen, waren sie auf mehrere Systeme verteilt.

Transparenz, Rückverfolgbarkeit und belastbare Daten

Die Antworten auf die typischen Fragen in eines Spritzgussunternehmens sind beim Kunststoffverarbeiter auf Knopfdruck verfügbar. Jedes Werkzeug und jede Maschine besitzen einen digitalen Zwilling in der Managementsoftware. (Bildquelle: Peiler & Klein)

Die Antworten auf die typischen Fragen in einem Spritzgussunternehmen sind beim Kunststoffverarbeiter auf Knopfdruck verfügbar. Jedes Werkzeug und jede Maschine besitzen einen digitalen Zwilling in der Managementsoftware. (Bildquelle: Peiler & Klein)

Es kristallisierten sich drei Ziele heraus, die mit der Digitalisierung erreicht werden sollten: Volle Transparenz im Unternehmen, lückenlose Rückverfolgbarkeit für die Klärung von Beanstandungen, belastbare Daten für Audits – ohne Rechercheaufwand. Auf dem Markt gab es jedoch zu dieser Zeit schlicht keine passende Lösung, die auf die spezielle Problematik seines Unternehmens zugeschnitten war.  In seiner Not startete ein Projekt, das er im Nachhinein als „jugendlichen Leichtsinn“ bezeichnet: Ein Mitarbeiter sollte mithilfe seiner Programmiererfahrung, Werkzeug und kleinen Arduino-PCs von den Spritzgussmaschinen relevante Produktionsdaten erfassen. Das Ergebnis reichte aus, dass kurz danach die ersten Monitore in der Produktionshalle installiert wurden und die gewonnen Daten angezeigt werden konnten.

Industrieumfeld braucht Industriehardware

Schritt für Schritt digitalisierte das Höchstädter Unternehmen seine Produktion weiter. „Trial and Error war das Gebot der Stunde,“ erinnert sich Werner. Mithilfe der Expertise von Data Ahead ging es ab 2012 für Peiler & Klein deutlich schneller voran: Industrietaugliche Hardware ersetzte die anfänglichen Lösungen, das Netzwerk wurde mit Glasfaser auf Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit ausgebaut und die alte, aus der Not geborene Software wurde von den Nürnberger Datenspezialisten komplett neu programmiert.

Mitarbeiter einbinden, Fachwissen sichern

Für Werner, der dank der neuen Software Maschinen- und Auftragsstatus auch bequem am Handy überprüfen kann, sind neben aller modernen Technik die Mitarbeiter besonders wichtig: „Sie sind die Experten, ihr Wissen müssen wir nutzen und bewahren“. Seiner Meinung nach liegt es vor allem an der richtigen Geschwindigkeit, weshalb die Mitarbeiter die Digitalisierung bei uns so positiv aufgenommen haben. „Anstatt sie zu überfordern, führten unsere kleinen aber stetigen Schritte dazu, dass alle ihre wertvollen Erfahrungen einbrachten,“ meint der Geschäftsführer. Auch dabei hilft ihm die Software. Über ein Ticketsystem fließen Wünsche für Änderungen und neue Funktionen direkt ins System ein.

Inzwischen kann das Unternehmen seine Aufträge direkt auf Maschinen und Anlagen planen und jederzeit umorganisieren, die Kosten kontrollieren und hat zudem den Überblick über den firmeneigenen Werkzeugbau sowie die Wartung und Instandhaltung.

Über den Autor

Stefan Heindl

ist Marketingleiter bei Data Ahead in Nürnberg.