Das Lightweight Technologies Forum 2019 findet im Rahmen der Composites Europe vom 10. bis 12 September in Stuttgart statt. (Bildquelle: Composites Europe)

Das Lightweight Technologies Forum 2019 findet im Rahmen der Composites Europe vom 10. bis 12 September in Stuttgart statt. (Bildquelle: Composites Europe)

Von der Idee bis zum Bauteil – das ist der Weg, den das Lightweight Technologies Forum (LTF) aufzeigen und begleiten will. Dazu bringt das Forum in Stuttgart aktuelle Leichtbauprojekte zusammen, unter anderem aus dem Automobilbau, der Luft- und Raumfahrt und dem Maschinenbau – jenen Branchen, die durch ihre hohen Anforderungen an Materialien, Sicherheit und Zuverlässigkeit als Impulsgeber für viele Branchen gelten.

Die Gemeinsamkeit der vorgestellten Projekte: Eine durchgängig digitale Prozesskette trägt entscheidend zum Umsetzen der Innovationen bei. Ein weiterer Schwerpunkt sind Verbindungs- und Fügetechniken im Multimaterialleichtbau.

„Das Lightweight Technologies Forum versteht sich auch als branchen- und materialübergreifende Ideenschmiede, in der die Beteiligten über neue Konzepte nachdenken. Dazu holen wir erfolgreiche Vorzeigeprojekte nach Stuttgart“, sagt Olaf Freier, der beim Veranstalter Reed Exhibitions das Programm des Forums verantwortet.

Übergreifendes, systemisches Denken erforderlich

Die Gestaltung des Forums wird unterstützt von der Automotive Management Consulting (AMC). Der Schwerpunkt des Beratungshauses liegt auf Leichtbaustrategien, Prozesse und Strukturen in der Automobilindustrie. „Leichtbau erfordert ein übergreifendes, systemisches Denken“, sagt Rainer Kurek, Geschäftsführer der AMC. „Vor allem aber ist die Digitalisierung der Prozesskette ein entscheidender Faktor. Nur durch eine virtuell- und simulationsgetriebene Gestaltungsarbeit entstehen konkurrenzfähige Leichtbauprodukte, weil sie schneller auf den Markt kommen, die Prozesssicherheit garantieren und in der Entwicklung wesentlich kostengünstiger sind“, so Kurek weiter.

Marktstudie Ultralight in Space

Vorreiter in Sachen Ultraleichtbau ist seit jeher die Raumfahrt, die als Innovationsmotor viele Disziplinen zu neuen Höchstleistungen treibt. Die neuesten technischen Trends werden derzeit mittels einer Marktstudie untersucht, die AMC gemeinsam mit dem luxemburgischen Raumfahrtzulieferer Gradel realisiert. Die Ergebnisse werden am 10. September erstmals im LTF in Stuttgart vorgestellt.

„Auch wenn die Raumfahrt eine Nischenbranche ist: Technische Lösungen, die hier den hohen Materialansprüchen genügen, beeinflussen auch andere Industrien zukunftsweisend. Darum ist es wichtig, die Kundenbedürfnisse, die Leichtbaustrategien, Prozesse, Strukturen und Werkstoffentscheidung dieses Marktes zu kennen“, ist sich Rainer Kurek sicher.

Wie wichtig die Raumfahrt für die Entwicklung neuer Technologien ist, unterstreicht auch Claude Maack, Geschäftsführer von Gradel: „Sämtliche Bauteile sind extremen Bedingungen ausgesetzt. Bereits beim Raketenstart müssen sie enormen Beschleunigungskräften standhalten. Im Weltall müssen die Materialien über viele Jahre der Strahlenbelastung widerstehen. Dazu kommen die hohen Temperaturunterschiede zwischen minus 185 und plus 200 °C – alle paar Stunden im Wechsel von einem zum anderen Extrem.“

Composites besitzen größtes Wachstumspotential

Den größten Marktanteil unter den Leichtbauwerkstoffen haben derzeit Metalle – das größte Wachstumspotenzial wird aber den Faserverbundwerkstoffen zugeschrieben. Sie spielen ihre Stärken im Leichtbau immer öfter aus. Im Ausstellungsbereich zeigt das LTF, wie Glasfaserverstärkte (GFK) und Carbonfaserverstärkte Kunststoffe (CFK) im Materialmix mit anderen Werkstoffen ihre Stärken in hybriden Strukturbauteilen zur Geltung bringen.

Zu sehen ist unter anderem ein ein Ultraleichtbausitz der Automotive Management Consulting (AMC), Alba tooling & engineering sowie der CSI Entwicklungstechnik, der 2018 als Machbarkeitsstudie, basierend auf der Leichtbauinnovation xFK in 3D, im LTF als virtueller Prototyp vorgestellt wurde. Der innovative, nur 10 kg wiegende Ultraleichtbausitz wurde mit einem besonderen Wickelverfahren für Faserverbundbauteile hergestellt. Der xFK in 3D-Prozess nutzt eine mit Harz imprägnierte Endlosfaser, aus dem Bauteile belastungsgerecht gewickelt und abfallfrei hergestellt werden. Infrage kommt das Sitzkonzept für so genannte Hypercars, Sportwagen oder künftige Lufttaxis. Vor wenigen Wochen wurde der Prototyp der Öffentlichkeit präsentiert und bereits kurz darauf mit dem German Innovation Award ausgezeichnet.

In der benachbarten Lightweight Area präsentieren Aussteller weitere Leichtbaulösungen, darunter Strukturbauteile, Halbzeuge, technische Textilien, Klebstoffe und Kunstharze für den Automobilbau und die Luftfahrt- und Raumfahrt.

Insgesamt treffen die Besucher des Lightweight Technologies Forum und der Composites Europe auf 300 Aussteller aus 30 Nationen, die in Stuttgart die gesamte Prozesskette faserverstärkter Kunststoffe zeigen. Einen besonderen Fokus richtet die Messe neben neuen Produkten auf die Fortschritte der Prozesstechnologien für die Serienfertigung. (sf)