Zur Eröffnung der Fakuma waren nicht nur die Techniktrends ein wichtiges Thema, sondern auch das Image von Kunststoff in der Gesellschaft. (Bildquelle: Dr. Etwina Gandert/Redaktion Plastverarbeiter)

Zur Eröffnung der Fakuma 2018 waren nicht nur die Techniktrends ein wichtiges Thema, sondern auch das Image von Kunststoff in der Gesellschaft. (Bildquelle: Dr. Etwina Gandert/Redaktion Plastverarbeiter)

Die 26. Fakuma ist eröffnet. Als internationale Leitmesse der Kunststofftechnik präsentieren 1.933 Austeller ihre Innovationen und Trends für die Kunststoffverarbeitung. Der Veranstalter P.E. Schall erwartet über 48.000 Besucher in Friedrichshafen. Bettina Schall, Geschäftsführerin von P. E. Schall, betonte bei der Eröffnungspressekonferenz die Praxisnähe der Messe, sie biete Raum für gute Gespräche und Geschäfte. Bettina Schall sieht in der zunehmend emotional geführten Diskussion um Kunststoff sowie Kunststoffabfälle im Meer ein Problem, dem sich die Branche stellen müsse und für das auf der Fakuma Lösungen angeboten werden.

Fakuma 2018 bietet praxisnahe Lösungen

Auch für Sandra Füllsack, Sprecherin des Fakuma Ausstellerbeirats und Geschäftsführerin der Motan Holding, ist das zunehmend schlechte Image von Kunststoff eine erstzunehmende Herausforderung. Dabei betonte sie, dass Ressourcenschonung und Recycling seit langem erklärte Ziele der Kunststoffhersteller und –verarbeiter sind. „Aber die Kette endet nicht beim Verbraucher, Recycling ist ebenso ein Thema wie Aufklärung über einen verantwortungsbewussten Umgang mit Kunststoffen“, so Füllsack. Unternehmen seien ebenso gefordert wie Politiker und Verbraucher. „Kunststoff ist einer der wertvollsten Rohstoffe, wenn es um Energieeffizienz geht, aber ebenso gefährlich, wenn er unkontrolliert in die Umwelt gelangt.“

Reputation von Kunststoff leidet

Der Geschäftsführer der Pöppelmann Holding, Torsten Ratzmann, ist der Überzeugung, das Kunststoff eines der nachhaltigsten Materialoien der Welt ist. (Bildquelle: Dr. Etwina Gandert/Redaktion Plastverarbeiter)

Der Geschäftsführer der Pöppelmann Holding, Torsten Ratzmann, ist der Überzeugung, das Kunststoff eines der nachhaltigsten Materialien der Welt ist. (Bildquelle: Dr. Etwina Gandert/Redaktion Plastverarbeiter)

Und gerade den verantwortungsvollen Umgang mit den Wertstoffen nach Gebrauch kann der Kunststoffverarbeiter nur wenig beeinflussen, schloss sich der Vorsitzende der Geschäftsleitung der Pöppelmann Holding, Torsten Ratzmann, in der Pressekonferenz an. Er sieht in den aktuellen politischen Maßnahmen eher eine populistische Hauruck-Aktion. „Wir haben ein Reputationsproblem“, betonte er. Diese habe mittlerweile sogar Einfluss auf die Berufswahl, denn junge Manschen stellten die Frage, wie zukunftsfähig ist eine Ausbildung in der Kunststoffbranche?

Prall gefüllte Auftragsbücher der Maschinenbauer

Doch einen wichtigen Beitrag kann die Kunststoffbranche aus sich heraus leisten, um diesem Trend entgegenzuwirken. Geschlossen Materialkreisläufe sind ein Weg, um die Ressourceneffizienz weiter zu steigern. Und obwohl die Diskussionen um den sinnvollen Einsatz von Kunststoff derzeit heiß geführt werden, sind die Auftragsbücher der Kunststoff- und Gummimaschinenbauer prall gefüllt. Gerade die Verpackungsindustrie hat hier einen großen Anteil an der Nachfrage. Füllsack erläuterte, dass der Umsatz hinter dem Auftragsbestand deutlich hinterher hinke. Das durchschnittliche Wachstum im Maschinenbau bezogen auf die letzten acht Jahre liege bei 6 Prozent. Der Auftragseingang 2017 war mit 17 % Zuwachs besonders erfolgreich, während der Umsatz nur um 5 Prozent gestiegen war. „Produktionsbehindernd wirkte laut VDMA nicht der Mangel an Aufträgen, sondern ein Mangel am Arbeitskräften und Material“, so die Sprecherin. Die größten Probleme bereiteten der Branche momentan die langen Lieferzeiten der Zulieferer und der Maschinen. Und Füllsack erläuterte weiter, dass die Prognosen nach wie vor im Plus liegen, sich allerdings eine Konsolidierung des Marktes andeute.

Eine Rolle bei den Turbulenzen derzeit spielt die politischen Entscheidungen, die in Zöllen und Handelsbarrieren resultieren. Doch Globalisierung, Digitalisierung und Ressourceneffizienz bieten nach Meinung der Sprecherin der Aussteller mehr Chancen als Risiken.

[ega]