VDI Wissensforum: Jahrestagung Spritzgießen

Der europäische Dachverband der Kunststoff- und Gummimaschinenhersteller Euromap entwickelt für die Branche entsprechende Standards mit Datenmodellen auf Basis von OPC UA.
(Bildquelle: Euromap)

„Transparenz ist uns an dieser Stelle sehr wichtig, um eine breite Akzeptanz unter den Maschinenbauern den Software-Anbietern und letztendlich den Anwendern zu erreichen“, sagt Dr. Harald Weber, VDMA, der die technischen Euromap-Arbeitskreise leitet.

An der Entwicklung der Euromap-77-Schnittstelle waren alle großen Spritzgießmaschinenhersteller im europäischen Dachverband Euromap beteiligt: Neben Arburg auch Engel, Ferromatik Milacron, Krauss Maffei, Netstal, Negri Bossi, Sumitomo (SHI) Demag und Wittmann Battenfeld. „Als Hersteller von Spritzgießmaschinen ist es für uns wichtig, gemeinsam mit weiteren Anbietern einen neuen technologischen Standard zu definieren. Damit ist zum einen sichergestellt, dass nicht jeder Hersteller zeit- und kostenaufwendige kundenspezifische Schnittstellenlösungen entwickeln muss. Zum anderen liegt der große Vorteil für den Kunden darin, dass die Produkte verschiedener Anbieter die gleiche Sprache sprechen“, sagt Peters.

„Für MES-Hersteller bietet Euromap 77 den großen Nutzen, dass eine Maschine, die diesen Standard unterstützt, praktisch plug & play angeschlossen werden kann und ein verlässliches Grundset an Informationen liefert, mit dem die wesentlichen MES-Funktionen abgebildet werden können“, sagt Alexander Koblinger, technischer Leiter beim MES-Anbieter T.I.G.

Industrie 4.0 erfordert mehr als Produktinnovationen

Im Zentrum der Industrie 4.0 steht die Vernetzung. Diese schließt Maschinen und Anlagen ebenso ein wie Software-Systeme und Messdaten. (Bildquelle: Mystock – Fotolia.com)

Schnittstellen für Roboter, Extruder und Peripheriegeräte in Arbeit

Die Euromap 77 ist erst der Anfang. An der Entwicklung einer weiteren Schnittstelle, der Euromap 79 wird bereits gearbeitet. Sie soll die sichere Verbindung zwischen Spritzgießmaschinen und Robotern herstellen. Die größte Herausforderung ist hier, dass einige Signale in Echtzeit verfügbar sein müssen, damit es nicht zu Kollisionen zwischen Maschine und dem sich bewegenden Roboter kommt. Da OPC UA an sich nicht echtzeitfähig ist, kommt hier Time Sensitive Networks (TSN) zum Einsatz. Aber auch bei Euromap 79 wird es nicht bleiben. „Die Nachfrage an standardisierten Schnittstellen ist sowohl bei Maschinenherstellern als auch bei den Kunststoffverarbeitern groß“, sagt Dr. Weber. Geplant sind schon Schnittstellen für die Anbindung von Peripheriegeräten, zur Materialflusskontrolle und für Extrusionsanlagen. Deshalb verfolgt auch der Recyclingmaschinen-Hersteller Erema die Entwicklung der Euromap 77. „Euromap 77 betrifft uns zwar nicht direkt. Aber es werden hier Schnittstellen definiert, die uns dann im Bereich der Extrusionsmaschinen, bei der Euromap 84, in der Umsetzung helfen, um dort auch in der ersten Reihe mitzuwirken“, sagt Stefan Heitzinger, CTO von Erema.

Die zunehmende Zahl von Schnittstellen erfordert schlussendlich eine einheitliche, übergeordnete Struktur. Auch daran wird bereits gearbeitet, damit die Schnittstellen für verschiedene Kunststoff- und Gummimaschinen am Ende einem einheitlichen Schema folgen.

Spritzgießmaschinenhersteller sind Vorreiter der Vernetzung

Als eine der ersten Industrien haben sich die europäischen Spritzgießmaschinenbauer unter Federführung des VDMA zusammengesetzt und eine international einheitliche Schnittstelle für den Datenaustausch zwischen Spritzgießmaschinen und Leitrechnern oder MES erarbeitet: die Euromap 77. Vorgestellt wurde sie im vorigen Herbst auf der K in Düsseldorf. Ein Demonstrator zeigte dort , wie Maschinen, die in unterschiedlichen Messehallen aufgestellt waren, Daten miteinander austauschten. Euromap 77 basiert auf dem Kommunikationsstandard OPC Unified Architecture (OPC UA), der von der nicht-kommerziellen OPC Foundation erstellt wurde und in vielen Industrien als Kommunikationsgrundlage zwischen Maschinen unterschiedlicher Hersteller benutzt wird. Die OPC Foundation war auch beratend an der Entwicklung von Euromap 77 beteiligt. „Der große Vorteil von OPC UA ist, dass man herstellerunabhängig ist. Auch die Wettbewerber untereinander. OPC UA ist eine Technologie, die für jeden verfügbar ist und nicht von einem Steuerungshersteller abhängt. Dies ist ein wesentlicher Grund, warum sich OPC UA immer mehr als Standard von Industrie 4.0 abzeichnet“, sagt Jürgen Peters, Abteilungsleiter Softwareentwicklung bei Arburg.