Die Schwamm- und Lamellenmolche aus Polyurethan durchfahren die zu reinigenden Rohre mithilfe von Wasserdruck. (Bildquelle: Uniror)

Die Schwamm- und Lamellenmolche aus Polyurethan durchfahren die zu reinigenden Rohre mithilfe von Wasserdruck. (Bildquelle: Uniror)

„Kein Rohr ist wie das andere“, erklärt die Geschäftsführerin Jeannette Jentsch von Uniror aus Forst an der Lausitz, die Herausforderungen dieser speziellen Reinigungstechnik. „Stahl-, Beton- oder Kunststoffrohre transportieren Trink- oder Brauchwasser, Öl, Gas, Beton, Schlamm oder flüssige und pastöse Lebensmittel. Unsere Molche sind für alle Rohrarten und Medien geeignet.“ Die Molche durchfahren mithilfe von Wasserdruck das Rohr. Sie werden speziell für den jeweiligen Einsatzzweck angefertigt und können so groß wie ein Zäpfchen sein oder, wie der größte bisher hergestellte Molch, die Form eines Zylinders mit 3,2 m Durchmesser und 4 m Länge haben. Der Kern des Molchs besteht aus Polyurethan-Schaum. Die Außenwand wird mit einem weiteren PUR-Material beschichtet, um den Molch abriebfest zu machen. Die Außenwand lässt sich zudem mit verschiedenen kleinen Werkzeugen ausrüsten, um damit Verkrustungen im Rohr abzulösen. Denn bei anhaftenden Verkrustungen bearbeitet der Molch die Rohrwände im Direktkontakt. Bei losen Verunreinigungen ist der Molch etwas kleiner als der Rohrdurchmesser und verursacht zwischen Molch-Außenwand und Rohr-Innenwand eine Erhöhung der Strömungsgeschwindigkeit und wirbelt damit das Räumgut auf und treibt es vor sich her, ohne Druckstöße zu verursachen. Bei innenbeschichteten Rohrleitungen werden die Molchsysteme so hergestellt, dass diese nicht beschädigt werden.

Für die Molch-Produktion hat Hennecke, St. Augustin, die Standard-Topline-Dosiermaschine angepasst. So ermöglicht es ein spezieller Impfblock am Mischkopf, auch Kleinstmengen an Treibgas reproduzierbar zu dosieren. (Bildquelle: Uniror)

Für die Molch-Produktion hat Hennecke, St. Augustin, die Standard-Topline-HK-Dosiermaschine angepasst. So ermöglicht es ein spezieller Impfblock am Mischkopf, auch Kleinstmengen an Treibmittel reproduzierbar zu dosieren. (Bildquelle: Uniror)

„Kein Rohr ist wie das andere“

Wichtig für eine optimale Reinigung ist die passende Festigkeit für den jeweiligen Einsatz des Molches. Gibt es Engstellen, beispielsweise durch Schieber, muss der Molch sehr flexibel sein, damit er nach der Engstelle wieder seine ursprüngliche Form annimmt. Bei festen Ablagerungen ist der Molch hart und fest. Die Molche stellen die Lausitzer in Handarbeit her.

„Vor acht Jahren sind wir mit einem Forschungs- und Entwicklungsprojekt zur Verbesserung der Herstellungs- und Anwendungstechnologie von Kunststoffmolchen gestartet – gefördert durch das Land Brandenburg und unter Mitarbeit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus sowie Vattenfall, BASF und LMBV“, erläutert Jentsch. „Die Niederdruckanlage, die wir damals für die Kern-Herstellung aufgebaut hatten, war nach einiger Zeit ausgereizt und entsprach nicht mehr dem Stand der heutigen Technik. Der Material- und Energieverbrauch war einfach nicht mehr zeitgemäß. Auch dauerte das Schäumen des Kerns viel zu lange.“

Individuelle Dosiermaschine für individuelle Produkte

Jentsch und ihr Team sahen sich bei den Herstellern von PUR-Dosiermaschinen nach einer neuen Anlage um. Dazu Jentsch: „Die Möglichkeit, die Dosiermaschine im Hennecke-Techcenter mit unseren Formen und Rohstoffkomponenten ausgiebig über mehrere Tage zu testen und kennenzulernen, hat uns sofort überzeugt. Wir mussten ja unsere Fertigungsweise von Niederdruck auf die für uns bis dahin unbekannte Hochdruck-Vermischung umstellen. Hierbei haben uns die Anwendungs-Techniker mit ihrer Erfahrung sehr geholfen. Was uns sofort auffiel, war die deutliche Qualitätsverbesserung der Molche. Mit der alten Anlage war es sehr schwierig, die Kleinstmengen an Treibmittel, die wir für unsere Rezepturen benötigen, so genau zu dosieren. Mit der neuen Anlage ist das überhaupt kein Problem mehr. Auch die Fertigungszeiten sind deutlich gesunken. Außerdem sind die Materialverluste viel geringer, da das Spülen der Leitungen durch die Hochdrucktechnologie entfällt.“

Für die speziellen Anforderungen der Molch-Produktion hat Hennecke, St. Augustin, die Standard-Topline-HK-Dosiermaschine angepasst. Der Hersteller von Maschinen für die PUR-Verarbeitung hat einen speziellen Impfblock an den Mischkopf montiert, um die Kleinstmengen an Treibmittel reproduzierbar zu dosieren. Zudem lässt sich der Ausleger des Mischkopfs in der Höhe verstellen, um die unterschiedlichen Formengrößen füllen zu können.

Für einen Großauftrag hat Uniror Ende letzten Jahres 120 große Molche innerhalb von vier Wochen mit der Topline-HK-Dosiermaschine hergestellt. „Das hätten wir mit der alten Anlage niemals geschafft“, meint Jentsch. „Mit der neuen Dosiermaschine lief das wie am Schnürchen. Ich bin sicher, wir können auch noch mehr schaffen.“

Über den Autor

Engin Cavlan

ist Sales Manager Metering Machines bei Hennecke in Sankt Augustin.