Sparprogramm und massiver Stellenabbau bei Lanxess im Gespräch

Die Firmenzentrale von Lanxess befindet sich in Köln. (Bildquelle: Lanxess)

Als Gründe für das kräftig gewachsene bereinigte EBITDA auf 885 Mio. EUR (2014: 808 Mio. EUR) nennt Lanxess Einsparungen aus der Neuausrichtung des Konzerns sowie positive Währungseffekte und höhere Absatzmengen. Diese Umstände (abgesehen von den Einsparungen) stabilisierten auch den Umsatz des Konzerns, der mit 7,9 Mrd. EUR das Vorjahresniveau fast hält. Andernfalls hätten die niedrigeren Verkaufspreise den Umsatz deutlich stärker sinken lassen.

„Wir haben unsere Neuausrichtung schneller als geplant umgesetzt und gleichzeitig unsere Finanz- und Ertragslage deutlich verbessert. Damit haben wir ein stabiles Fundament für unseren Wachstumskurs gelegt“, sagte Matthias Zachert, Vorstandsvorsitzender von Lanxess.

Schulden verringert, Investitionen sanken ebenfalls

Aufgrund eines verbesserten operativen Ergebnisses in Verbindung mit niedrigeren Investitionsausgaben und dem weiteren Abbau des Umlaufvermögens sanken die Nettofinanzverbindlichkeiten am Ende des abgelaufenen Geschäftsjahres um 125 Mio. Euro auf rund 1,2 Mrd. EUR. Innerhalb von zwei Jahren senkte der Konzern damit die Nettofinanzverbindlichkeiten um rund 30 Prozent.

Die Auszahlungen für Investitionen lagen im Jahr 2015 mit 434 Mio. EUR um rund ein Drittel unter dem Vorjahreswert von 614 Mio. EUR. Für 2016 plant der Konzern Investitionen von rund 450 Mio. EUR.

Aus Performance Polymers werden Arlanxeo und High Performance Materials

Das Joint-Venture Arlanxeo, das ab 1. April 2016 synthetischen Kautschuk für Lanxess und Saudi Aramco produziert, wirkt sich ab dem zweiten Quartal 2016 auf die Berichtsstruktur von Lanxss aus. An die Stelle des Segments Performance Polymers treten Arlanxeo (mit den Geschäftsbereichen Tire & Specialty Rubbers und High Performance Elastomers) und der Geschäftsbereich High Performance Materials als eigenständige Segmente. Die Segmente Advanced Intermediates und Performance Chemicals mit ihren Geschäftseinheiten bleiben unverändert.

Wachstumskurs, Investitionen und Schuldenabbau

Das Unternehmen will sich grundsätzlich auf mittelgroße Märkte und die Regionen Nordamerika, China und Südostasien konzentrieren. In den kommenden Jahren will der Konzern rund 400 Mio. EUR aus dem erwarteten Erlös der Kautschuk-Transaktion in Höhe von 1,2 Mrd. EUR in organisches Wachstum investieren. „Voraussetzung ist, dass wir wertschaffende Investitionsmöglichkeiten identifizieren. Dabei liegen in den einzelnen Segmenten die Investitionsbudgets in Größenordnungen zwischen 50 und 150 Mio. EUR“, erläuterte Zachert. Außerdem ist geplant, ca. 200 Mio EUR für Aktienrückkäufe zu verwenden sowie rund 400 Mio. EUR, um Finanzverbindlichkeiten zu verringern.

Darüber hinaus ist das Unternehmen für weitere Zukäufe bereit. „Wir wollen zum einen Konsolidierungsoptionen in Geschäftsfeldern wahrnehmen, in denen Lanxess bereits aktiv ist. Zum anderen prüfen wir auch Möglichkeiten, unser Portfolio auf angrenzende Geschäftsfelder mit passender Aufstellung auszudehnen. Hierbei betrachten wir sowohl integrierte chemische Wertschöpfungsketten als auch passende anwendungsorientierte Geschäfte“, erläuterte Zachert.

Dreistufiges Sparprogramm stützt Ergebnis

Lanxess legte sich im Jahr 2014 ein dreistufiges Sparprogramm auf, das dem Konzern bereits im Geschäfsjahr 2014 Kosten sparte und ab 2016 vollständig wirksam werden soll. Die erste Stufe betrifft die Geschäfts- und Verwaltungsstruktur, wo Personalkürzungen im Umfang von 1.000 Stellen (die Häfte davon in Deutschland) ab dem Jahr 2016 100 bis 150 Mio. EUR jährlich einsparen sollen. Die zweite Stufe begann im November 2014 und beinhaltet die Optimierung von Vertrieb und Lieferketten sowie von Produktionsprozessen und -anlagen. Im Vordergrund der dritten Stufe stehen horizontale und vertikale Kooperationen im Kautschukbereich. Damit steht das Portfolio auf dem Prüfstand. Entsprechend beendet der Konzern die Produkton von EPDM an seinem Standort in Marl im ersten Quartal 2016. Eine zweite Maßnahme in dieser Richtung ist das Joint-Venture mit Saudi Aramco: Am 1.April geht Arlanxeo an den Start und produziert für die beiden Chemiekonzerne synthetischen Kautschuk.

Entwicklung der Segmente

Im Segment Performance Polymers sanken die Umsätze im Geschäftsjahr 2015 gegenüber dem Vorjahr um 4,5 Prozent auf rund 3,9 Mrd. EUR. Das EBITDA vor Sondereinflüssen stieg um 28,1 Prozent und lag mit 502 Mio. EUR über dem Wert des Vorjahres von 392 Mio. EUR. Ergebnisverbessernd wirkten vorteilhafte Wechselkurse, Einsparungen aus der Neuausrichtung und höhere Absatzmengen. Die EBITDA-Marge vor Sondereinflüssen des Segments stieg entsprechend auf 12,7 Prozent von zuvor 9,5 Prozent.

Die Umsätze des Segments Advanced Intermediates lagen im Geschäftsjahr 2015 mit rund 1,8 Mrd. EUR leicht unter Vorjahr. Das EBITDA vor Sondereinflüssen stieg um 10,1 Prozent auf 339 Mio. EUR nach 308 Mio. EUR im Vorjahr. Der starke US-Dollar, die weiterhin gute Nachfrage nach Agrochemikalien sowie in den weiteren Absatzmärkten und Einsparungen aus der Neuausrichtung unterstützten das Ergebnis. Die EBITDA-Marge vor Sondereinflüssen lag mit 18,6 Prozent nach 16,7 Prozent deutlich über dem Vorjahreswert.

Im Segment Performance Chemicals stiegen die Umsätze im Geschäftsjahr 2015 um 4,8 Prozent auf rund 2,1 Mrd. EUR. Das EBITDA vor Sondereinflüssen lag mit 326 Mio. EUR um 21,2 Prozent über dem Vorjahreswert von 269 Mio. EUR. Die in allen Geschäftsbereichen vorteilhafte Entwicklung der Wechselkurse, Einsparungen aus der Neuausrichtung sowie geringere Einstandspreise für Rohstoffe führten zu einer Ergebnisverbesserung. Die EBITDA-Marge vor Sondereinflüssen stieg entsprechend auf 15,6 Prozent nach 13,5 Prozent im Vorjahr.

(dl)