Extrusion auf der Fakuma 2014

Die Verlängerungseinheiten ermöglichen eine variable Verfahrenslänge des Extruders, verschiedene Seitenaggregate bringen zudem Flexibilität für individuelle Verfahrensaufgaben. (Bildquelle: Feddem)

Kosten, Rohstoffe, Energie – Neuentwicklungen bei der Rohr- und Profilextrusion, beim Compoundieren und bei der Folienextrusion müssen den Verarbeiter dabei unterstützen, wettbewerbsfähig zu bleiben. Doch nicht nur mit großen Maßnahmen, auch mit kleinen Verbesserungen lassen sich Kosten sparen oder Sinnvolles für die Produktionseffizienz des eigenen Unternehmens tun. Und so waren auf der Fakuma 2014 die Neuigkeiten eher im Kleineren zu suchen, denn die großen technischen Entwicklungen hatte man bereits im Jahr zuvor in Düsseldorf gezeigt.

Kleinere Maschinen im Blick

Kleine Maschinen waren in diesem Jahr nicht nur bei den Herstellern der Spritzgießmaschinen zu sehen. Auch der Extruderhersteller Noris Plastic, Altdorf bei Nürnberg, präsentierte zwei kleinere Maschinentypen. Der Mini ESE 16 Extruder ist für Aufgaben in der Wareneingangs- und ausgangskontrolle, als Prüfextruder oder auch als Coextruder gedacht. Als kleiner Einschneckenextruder eignet er sich für den Einstieg in die Extrusion. Auch endlose Einzelfasern, die zunehmend in Verbindung mit 3D-Druckern eingesetzt werden, können mit seiner Hilfe hergestellt werden. Premiere feierte der weiterentwickelte Zweischneckenextruder der Baureihe ZSC 25. Der Kleincompounder eignet sich für das Labor zur Verfahrens- oder Rezepturentwicklung und unterstützt das Aufbereiten technischer Kunststoffe. Mit 25 mm Schneckendurchmesser ist er für einen Durchsatz von 10 bis 120 kg/h ausgelegt und spart durch schnelles Umrüsten und einfaches Reinigen wertvolle Prozesszeit. Auch die Boyke Tec Gruppe, Heilsbronn, zeigte neben Hochleistungsextrudern auch eine kleine Variante: den „Mµcro-Extruder“ mit einem Schneckendurchmesser von 12 mm, der sich für Kleinstprofile und Laboranwendungen eignet.

Feddem, Sinzig,  hatte die Baugröße 52 der MTS-Baureihe nach Friedrichshafen mitgenommen. Für die verschiedene Aufgaben stehen diese Extruder in den Verfahrenslängen von 32, 42 und 52 L/D zur Verfügung. Sie eignen sich zum Compoundieren kleiner bis mittlerer Chargengrößen. Dabei kann sowohl eine Strang- als auch eine Unterwassergranulierung eingesetzt werden. MAS, Pucking, Österreich, präsentierte auf der Fakuma sein Maschinenprogramm für Recycling und Compoundieren. Dazu zählt unter anderem ein gleichlaufender, konischer Doppelschnecken-­Extruder sowie der kontinuierliche Schmelzefilter mit rotierendem Lochscheiben-System (CDF-Baureihe). Dank einer kompletten Baureihe kann das Unternehmen nun individuell abgestimmte Systeme für Durchsätze zwischen 300 und 2.000 kg/h anbieten. Eine Fertigungseinheit von Friul Filiere, Buia, Italien, war am Messestand von Rolf Schlicht, Hamburg, zu sehen. Sie stellte im ersten Schritt co-extrudierte Mikrorohre her. Im zweiten Schritt wurden bis zu sieben Einzelrohre zu einem Sechseck-Bündel zusammengefasst und mit einer Schutzhülle umgeben. Maxtrusion, Frankfurt, hatte in der Halle eine Siebenschicht-Blasfolienanlage im Labor- beziehungsweise Technikumsmaßstab in Betrieb. Sie produzierte Folien bis zu einer Breite von 700 mm in einer Dicke von 0,03 bis 0,15 mm. Doch nicht nur neue Verfahren oder Extruder konnten am Bodensee in Augenschein genommen werden.

Extrusion auf der Fakuma 2014

Die Seitenbeschickung kompaktiert gleichzeitig das Material. (Bildquelle: Leistritz)

Detaillösungen für geringere Produktionskosten

Neue oder weiterentwicklte Zusatz-aggregate oder Komponenten einer Extrusionsanlage zeigte beispielsweise Leistritz, Nürnberg, mit der Seitenbeschickung LSB 52 XX, die sich auch für Materialien mit niedrigen Schüttdichten eignet. Das Produkt in der Seitenbeschickung wird dank segmentierter Schnecken vorkompaktiert. Bellaform, Gau-Algesheim, stellte in den Mittelpunkt seine Messepräsentation die Bellex-Steuerung für Extrusionsanlagen, die um ein Prozessdaten-Sammelmodul und ein separates -Analysetool erweitert wurde.

Witte, Tornesch, zeigte die aktuelle Extru-Pumpenbaureihe, die für Viskositäten bis 40.000 Pas eingesetzt werden können. Dabei sind Fördervolumina bis 12.000 cm3 pro Umdrehung möglich. Die Pumpenbaureihe soll den Durchsatz der Extrusionslinie erhöhen. Zwei neue Größen der Vakuumpumpen-Baureihe Mink MV hatte Busch, Maulburg mitgebracht. Sie leisten 250 und 400 m3/h im Saugbetrieb, wobei sie jetzt leiser sind und weniger Platz an der Anlage benötigen. Die Energieeffizienz der Extruder will AGK Hochleistungswerkstoffe, Dortmund, mit den Isolierpapieren K-Therm KF555 verbessern. Mit ihrer Hilfe ist eine raumsparende Isolierung am Extruder möglich, denn der microporöse Dämmstoff weist eine geringe Wärmeleitzahl auf.

Christine Koblmiller

Über den Autor

Christine Koblmiller

ist Redakteurin des Plastverarbeiter.

christine.koblmiller@huethig.de