Pünktlich zu den Technologietagen 2014 hat Arburg seinen Ausstellungsraum umgebaut, der die Firmenhistorie anhand zahlreicher Spritzgießmaschinen und Kunststoff-Produkte aufzeigt. Auf rund 770 m² sehen die Besucher die Evolution, so der Name des Raumes, des 90 Jahre alten Unternehmens – von der ersten Arburg-Maschine mit Hebel für manuelles Bedienen bis zum vollelektrischen Allrounder Alldrive. Mit dem Abschluss der Bauarbeiten steht das nächste Projekt in den Startlöchern: Ein zweistöckiger Gebäude­abschnitt am Firmengelände in Loßburg mit 18.600 m² Nutzfläche erweitert die Montagefläche für Allrounder bis 5.000 kN Schließkraft. Im Herbst 2015 soll die Produktion beginnen.

Auch in den USA arbeiten Bau­maschinen für den Spritzgießmaschinen-Hersteller. Die US-Zentrale in Connecticut wird um 2.500 m² vergrößert. Dieser Neubau ist Spiegelbild für den rasant wachsenden Umsatz mit Übersee. „Amerika hat sich in den vergangen Jahren zum wichtigsten Auslandsmarkt entwickelt“, erklärt Helmut Heinson, Vertriebs-Geschäftsführer von Arburg. 2010/11 verkaufte das ­Unternehmen dort rund 1.200 Maschinen. Im Jahr 2013 waren es mit 3.600 Stück dreimal so viele. Heinson sieht dieses Wachstum als Zeichen eines anhaltenden Trends. „Die Produktion kehrt in die USA zurück“, erklärt er, und fügt hinzu: „Den gleichen Effekt sehen wir auch in England.“ Aber auch das Engagement in Asien lohnt sich. Das Unternehmen verspricht sich viel von dem im letzten Jahr eingeweihten Lager in Shanghai. „In Asien sind wir angesichts der Marktanteile ein kleines Licht. Das stimmt mich positiv. Denn wir haben damit großes Potenzial.“

Geschäftsjahr 2013

Apropos Potenzial: Der Umsatz lag im Jahr 2013 laut vorläufigen Zahlen bei etwa 470 Millionen Euro und damit 3,7 Prozent unter dem Vorjahreswert. Es gäbe also noch Luft nach oben. Heinson widerspricht dieser Sichtweise entschieden, da diese Umsatzentwicklung ein Ergebnis von größeren Projekten aus dem Jahr 2013 sei, die erst in der Bilanz des Jahres 2014 auftauchen. Leicht verschobene Zahlen also – und ein stabiles Geschäft.

Dafür spricht auch der Auftragseingang: Die wertmäßigen Auftragseingänge stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent. Den größten Zuwachs verzeichnete das Unternehmen bei den großen Spritzgießmaschinen. Plus 37 Prozent für das Modell Allrounder bis 5.000 kN Schließkraft. Damit nimmt der Anteil der großen Maschinen am Produktmix um zwei Prozentpunkte auf 19 Prozent zu. Damit es dem Unternehmen auch in Zukunft gut geht, investiert Arburg 13,2 Millionen Euro in verschiedene Projekte. 5 Prozent mehr als 2012. Ebenfalls gestiegen ist die Mitarbeiterzahl. Mit 2.256 Beschäftigten weltweit wuchs der Mitarbeiterstamm um 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. „Wir gehen davon aus, dass wir ein sehr gutes und stabiles Jahr 2014 erleben werden“, fasst Heinson zusammen.

Überdies hab es in der obersten Führungsetage Zuwachs. Wie auf der K 2013 angekündigt, ersetzt Heinz Gaub ab April Herbert Kraibühler in der Position als technischer Geschäftsführer. Kraibühler geht nach 50 Jahren bei Arburg in den Ruhestand.

Vielschichtige Fertigung

Beide, Noch-Technik-Geschäftsführer Kraibühler und Nachfolger Gaub, nutzten die Gelegenheit der Technologie­tage, um einen Rundgang durch die Ausstellung zu begleiten und die Anwesenden über die technischen Details aufzuklären. Zu sehen gab es beispielsweise zum Thema Schnellläufer die Herstellung von 64 Flat Drippern aus Polyethylen für die Tröpfchenbewässerung mit einer Taktzeit von 1,8 s auf einem elektrischen Allrounder 470 A. Damit produziert die Maschine 128.000 Teile in der Stunde. Neben der Zykluszeit waren die komplexe Geometrie inklusive scharfer Kanten und feiner Bohrungen problematisch. Durch die exakte Abstimmung der gleichzeitigen Bewegungen, die hochsensible Werkzeugsicherung und das fliegende Einspritzen sorgen aber für einen reibungslosen Prozess.
Eine 25 mm dicke Linse aus Polycarbonat in mehreren Schritten fertigt Arburg mit dem elektrischen Zwei-Komponenten-Allrounder 520 A mit 1.500 kN Schließkraft.

Die Maschine arbeitet mit einem Multitakt-Drehwerkzeug der Firma Weber, das über drei Spritz-, vier Kühl- und eine Entnahmestation verfügt. Getaktet wird über eine elektrische Dreheinheit in 45°-Schritten. Das Besondere an dieser Anwendung ist, dass die Zykluszeit für dieses Bauteil bei konventioneller Fertigung rund 180 s betragen müsste. Denn die Kühlzeit nimmt im Quadrat zur Wandstärke des Spritzteils zu. Indem die Maschine die Linse im Mehrkomponenten-Spritzgießen in drei Schichten fertigt, in vier Schritten kühlt und alle Einzelprozesse gleichzeitig im Werkzeug ablaufen, verringert sich die Zykluszeit auf rund 55 s.

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Über den Autor

David Löh ist Redakteur des Plastverarbeiter. david.loeh@huethig.de