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Kunststoffe im Automobilbau wird das Thema des im März 2013 in Mannheim stattfindenden Internationalen Kongresses des VDI sein. Der Anteil an Kunststoffen im Auto steigt und dies bedeutet nicht nur Gewichtsreduzierung und damit Kraftstoffeinsparung, sondern häufig auch geringere Produktionskosten im Vergleich zu Metallen. Im vergangenen Jahr kamen rund 1.300 Teilnehmer und 90 Aussteller nach Mannheim. Besonders diskutiert wurde der Leichtbau als ein wesentlicher Baustein, um die ressourcenschonende Mobilität der Zukunft gestalten zu können. Auch in diesem Jahr wird dies wieder ein Schwerpunkt sein.

Da kommt mir ganz spontan ein Relikt aus vergangenen DDR-Tagen in den Sinn. Der Trabant oder auch liebevoll Trabbi genannt. Die Besonderheit des Trabant gegenüber den meisten anderen Pkw fand sich bereits bei seinem Vorläufer, dem AWZ P70, nämlich die Beplankung der ansonsten selbsttragenden Karosserie aus teilweise baumwollverstärktem Phenoplast. Einer der ersten im großen Maßstab produzierten Phenoplaste ist das 1907 von Leo Hendrik Baekeland erfundene Bakelit.

Phenoplaste bestehen aus Phenolharz, einem Kunstharz, das man durch die Synthese von Phenolen mit Aldehyden erhält. Bereits damals nutzte man Schichtpressstoffe für die Karosseriefertigung. Gewebe in mehreren Bahnen wurden übereinandergelegt, mit dünnflüssigem Phenolharz getränkt, gepresst und bei hoher Temperatur ausgehärtet. Jedoch stellte die lange Aufheiz- und Abkühlungsphase von zehn Minuten einen gravierenden Nachteil dar. Die Stückzahlen waren bei dieser Fertigungsmethode durch die Zeit oder die Anzahl der Pressen begrenzt. Obwohl der VEB Sachsenring 71 Pressen aufgestellt hatte, blieb die Aufheiz- und Abkühlungsphase der Engpass in der Produktion.

Vielleicht hat ja ein Relikt aus 1958 bereits Geschichte in der ressourcenschonenden Mobilität geschrieben.

 

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Harald Wollstadt