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Portugals Werkzeug- und Formenbau-Industrie umfasst mehr als 250 Unternehmen und ist weltweit ein anerkannter Lieferant von technisch hochentwickelten Werkzeugen für das Spritzgießen sowie für Druckguss- und Blasformverfahren. Einer der wichtigsten Abnehmer ist nach wie vor die Automobilindustrie. Da gerade aus Billig-Lohnländern wie China oder Tschechien starke Konkurrenz erwachsen ist, gestaltet sich dieser Markt mittlerweile schwierig. Eine Voraussetzung, um in diesem Spannungsfeld bestehen zu können, ist das fortwährende Verbessern der Produktivität. Immer mit dem Ziel, eine bessere Positionierung in Bezug auf den internationalen Wettbewerb zu erreichen. Wie man aus der allgemeinen Stimmung heraus hören kann, glaubt man nicht, mit den in Billiglohnländern üblichen Fertigungskosten konkurrieren zu können. Doch durch die breitere Angebotspalette, in der bekannten Qualität der Formen sowie ein besseres Dienstleistungsangebot, sieht Portugal seine durchaus konkurrenzfähigen Stärken.
Da die Automobilindustrie hohe Anforderungen an seine Zulieferer hinsichtlich Kosten und Qualität stellt, brachte dies den Portugiesen viel Erfahrung ein. Die unerschöpfliche Kapazität im Management von Projekten, mit einem Netz an Formenherstellern ermöglicht es der Branche, alle Anforderungen zu erfüllen, sowohl in der Formengröße wie auch in der Komplexität, auch mit Technologien wie 2K und GID. Zudem kann man die Tradition im Werkzeug- und Formenbau in die Waagschale werfen.

Die Messe zielgerichtet nutzen und
Kontakte generieren

Auf der Fakuma stellte unter anderem PMM Projektor, Moldes, Manufactura, Lda. sein Leistungsportfolio vor. Das Unternehmen wurde 1987 gegründet und widmet sich seitdem der Konstruktion, der technischen Entwicklung und dem Formenbau für die Kunststoff-, Gummi- und Spritzguss-Industrie. Als Mitgründer und Mitglied des Technologischen Zentrums für den Formenbau in Portugal (CENTIMFE), wirkt das Unternehmen in vielen Absatzmärkten mit – ein gewisser Schwerpunkt auf der Automobilindustrie. Der umfangreiche Maschinenpark mit Maschinen für Elektro-Chemisches-Polieren (einzig in Europa), sieben CNC Bearbeitungszentren, drei Erodier- sowie Schleifmaschinen und konventionellen Fräsmaschinen ist die Basis für Qualitätsprodukte, die es an die europäische Automobilindustrie liefert. Bereits seit 1959 ist die Lismolde Group, ein Spezialist für Spritzgieß- und Presswerkzeuge, tätig. Gerade in der Kunststoffwarenfertigung, aber auch in der Fahrzeugbau-, Luft- und Raumfahrt hat man sich einen Namen gemacht. Die Kernkompetenz der Gruppe liegt im Formenbau für Kunststoff-Spritzgussteile bis 15 Tonnen sowie in der Serienfertigung und im Prototypenbau.
Für das portugiesische Unternehmen Moliporex S.A. in Marinha Grande machten die Lieferungen an die Autoindustrie 80 Prozent des Umsatzvolumens aus. Man bietet dem Markt integrierte und komplementäre Dienstleistungen an, was sich als vorteilhaft erweist. Ein Differenzierungsfaktor ist die Zusammenarbeit mit den Kunden bei der Produktoptimierung. Daher achtet man sehr darauf, immer selbstkritisch zu sein, wenn man dem Abnehmer funktionellere Alternativen eines Produktes vorstellt. Mit wenigen Worten zusammenfassend heißt das: Ein Klima des Vertrauens ist ausschlaggebend. SETsa, S.A. ebenfalls aus Marinha Grande, gehört zur 1975 gegründeten Iberomoldes und ist heute eine der größten Unternehmensgruppen für die Projektierung und Fertigung von Präzisions-Werkzeugen in Druckguss und Leichtmetall-Legierungen. Innovation und Berufsausbildung sind seit der Gründung ein wichtiges Anliegen der Unternehmensgruppe, einerseits um Wachstum zu generieren, andererseits um den hohen Qualitätsstandard zu sichern. Aber auch Forschung und Entwicklung stehen im Mittelpunkt. In Zusammenarbeit mit einigen der besten Firmen, Universitäten und technologischen Zentren hat man ein umfangreiches Entwicklungsnetz geschaffen. Neben der Automobilindustrie bedient die Gruppe die Haushaltsgeräte-, die Elektronik- und Verpackungsbranche, aber auch die Hersteller von medizinischem Zubehör.
LN Moldes Lda. beschäftigt sich seit 1987 mit dem Herstellen von Hochpräzisions-Formen für die Kunststoffindustrie. Spezialgebiet ist die Herstellung von mechanischen Komplexformen, wie Multi-Kavitäten-Werkzeugen und Werkzeugen für das Dünnwand-Spritzgießen. Der Spezialist für Qualitäts- und Präzisionswerkzeuge fertigt Werkzeuge mit einem maximalen Gewicht bis drei Tonnen. Zudem bietet man den Abnehmern von der Konstruktion über Prototypen- und Serienwerkzeuge bis zur Serienproduktion inklusive Lackierung und Montage alles aus einer Hand an. Ziel des Unternehmens ist es, neben einer raschen Fertigung auch ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis zu bieten.

Eine gute Partnerschaft
schafft die Basis

Übereinstimmend gaben die Unternehmen an, dass für den Erfolg eines Projektes eine gute Partnerschaft zwischen Kunde und Lieferant die Basis ist. Stimmt diese, werden die Werkzeug- und Formenbauer so früh wie möglich in die Projekte eingebunden. Das führe zu Kosten- und Zeitersparnis und die technischen Kompetenzen auf beiden Seiten vervielfachen sich dadurch. Rein ökonomische Erwägungen rücken dadurch Stückweise in den Hintergrund.
Dabei hilft auch der internationalisierte Verbund Pool-Net mit seinen Aktivitäten rund um die Marke „Engineering and Tooling from Portugal“. Der Verband der portugiesischen Werkzeug- und Formenbau-Industrie Cefamol vertritt die Branche darüber hinaus bei Verhandlungen mit der Regierung und anderen offiziellen Stellen und macht die Kongresse der Branche bekannt.

Hintergrund
Wirtschaftsdaten Portugals

  • Wachstum der Industrieproduktion (%, real) 2009: Chemieprodukte -12,3; verarbeitende Ind. -8,0; Konsumgüter -4,7
  • Einfuhrgüter (% der Gesamteinfuhr) 2010: Maschinen und Ausrüstungen 16,3; Kunststoffprodukte 5,1
  • Ausfuhrgüter (% der Gesamtausfuhr) 2010: Maschinen und Ausrüstungen 14,9; Metalle 8,0; Kunststoffe 6,9
  • Wichtige Handelspartner (Lieferanten): Spanien 31,1; Deutschland 13,9
  • Wichtige Handelspartner (Abnehmer): Spanien 26,6; Deutschland 13,0

 

 

Autor

Über den Autor

Harald Wollstadt