Ein Sauger – sehr dünn und flexibel – ist nach Expertenmeinungen aus medizinischer Sicht für Babys zu bevorzugen. Dieser Einschätzung liegt zugrunde, dass Sauger auf die Zahnentwicklung Einfluss nehmen. MAM, einer der weltweit führenden Anbieter von Babyartikeln, hat einen Sauger entwickelt, der aufgrund seines dünnen Halsteiles und seiner Flexibilität den schädlichen Druck auf den Kiefer des Kindes deutlich vermindert und damit negative Einflüsse auf die Zahnentwicklung reduziert. Eine wesentliche Herausforderung für den Babyartikel-Hersteller war, einen Partner zu finden, der den besonderen Anforderungen bedingt durch das Produkt gewachsen war. Das Marchtrenker Unternehmen Starlim Sterner produziert nun den Saugteil des Perfect Schnullers und entwickelte dafür ein neues Herstellungskonzept, da vorhandene Technologien für die Fertigung des Saugerhalses noch nicht ausreichten. Nach zahlreichen Materialtests, bei denen die Normen Bissfestigkeit, Weiterreißfestigkeit und hohe Bioverträglichkeit eingehalten werden mussten, entwickelte der österreichische Verarbeiter neue Arbeitsschritte und technologische Verfahren. Zudem wurden neue Maschinen und Werkzeuge notwendig, um die Produktionsprozesse wie gewünscht zu ermöglichen.
In enger Zusammenarbeit mit dem Auftraggeber fertigten die Entwickler aus Marchtrenk auf Mini-Spritzgussmaschinen erste Teile, die dem Kunden zu Testzwecken zur Verfügung gestellt wurden. Bei diesem Verfahren, dem Rapid-Prototyping, wird das gleiche Material wie in der späteren Serienfertigung verwendet, was dem Kunden den erheblichen Vorteil bietet, bereits im Vorfeld mit Prüfungen und Funktionstests an Echt-Teilen starten zu können. Nach der Feinabstimmung der Prototypen-Werkzeuge und 24 Monaten Entwicklungszeit ging das Produkt in Serie. Neue Herausforderungen brachten zwei weitere Schnullergrößen. Zur Absicherung kritischer Bereiche wurde mit Hilfe von Simulations-Systemen beobachtet, wie sich das Produkt im Fertigungsprozess verhält. Die Entwicklungsdauer der weiteren Schnullergrößen konnte so erheblich reduziert und die Produktion vergleichsweise rasch gestartet werden. Der intensive Entwicklungsprozess hat sich nach Einschätzung des Herstellers ausgezahlt. Der Schnuller zeichnet sich durch sehr weiches, robustes und flexibles Material aus. „Mit dem neuen Produkt konnten wir wesentliche Nachteile eliminieren. Das schafft unserem Kunden einen enormen Wettbewerbsvorteil. Der Saugerhals ist signifikant dünner und dreimal weicher und anpassungsfähiger als bei anderen Schnullern“, erläutert Karl Großalber, Sales Manager der Starlim Sterner Gruppe die weiteren Neuerungen.

Erhöhte Marktchancen
Gemeinsame Entwicklung

Auch vermeintlich einfache Produkte bedingen eine aufwändige Produktentwicklung. Besonders dann, wenn es um hochsensible Produkte geht, deren Verwendung Einfluss auf die Gesundheit hat. Ein erfolgreicher Entwicklungsprozess – wie im
Beispiel Babyschnuller – zeichnet sich durch eine intensive, disziplin- und auch unternehmensübergreifende Zusammenarbeit des Projektteams aus. Im Ergebnis stehen nicht nur verbesserte Materialien, sondern auch neue Technologien, die häufig für weitere Produkte genutzt werden können.

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Weitere Beiträge zum Silikonspritzguss

Über das Spritzgießen von Elastomeren haben wir im Plastverarbeiter in der Vergangenheit schon mehrfach berichtet. Links hierzu sind auf www.plastverarbeiter.de unter Stichwortsuche PV1110Baby zu finden.
Spritzgießen von LSR-Komponenten im Tandem-Werkzeug (Plastverarbeiter Ausgabe 08/2008)
Flüssigsilikon-Fertigungszelle für medizintechnische Spritzgießteile (Medplast Ausgabe 01/2010)
Fit für eine neue Liga – Festsilikon wirtschaftlich verarbeiten (Plastverarbeiter Ausgabe 11/2010)
Kleiner Ring mit großer Wirkung – Medizintechnische Spritzgießfertigung für den Aids-Schutz (Medplast Ausgabe 1/2011)

 

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Sonja Kirner