Die Akro-Plastic, ein Spezialist für Kunststoffcompounds, ist bereits seit 2005 mit einer eigenen Produktionsstätte erfolgreich auf dem chinesischen Markt vertreten. Aufgrund der großen Nachfrage und hoher Wachstumsraten der chinesischen Kunststoffindustrie plante der Compoundierer dort nun ein neues Werk. Da am bisherigen Standort zwischen Shanghai und Suzhou keine ausreichenden Möglichkeiten zur Erweiterung der Produktionsanlagen bestanden, entschloss sich das Unternehmen, in der zum selben Verwaltungsbezirk gehörenden Stadt Wujiang ein neues Fertigungswerk zu beziehen. Um hier, ebenso wie im deutschen Stammwerk, Compounds mit hoher Produktqualität produzieren zu können, setzte man bei dem Unternehmen auf die bewährte Zusammenarbeit mit dem zur selben Firmengruppe gehörenden Extrusions- und Compoundieranlagenbauer Feddem.

Baugleich mit deutschen Anlagen

Der Anlagenbauer rüstet auch den Stammsitz des Compoundierers in Niederzissen aus und übernimmt dort den technischen Service. Nicht nur die Extrusionstechnik, sondern die Gesamtanlage, von der Rohstoffaufgabe bis zur Verpackung des fertigen Compounds, konnte somit baugleich mit der deutschen Anlagen realisiert werden. Da die Rezepturentwicklung für die chinesische Tochter ebenfalls in Niederzissen stattfindet, kann der Compoundierer somit nur ein Datenblatt für seine Produkte verwenden, unabhängig davon, ob die Compoundierung in Deutschland oder China erfolgt.

Eine weitere Voraussetzung für die vergleichbare Produktqualität der Compounds ist natürlich die Qualität der verwendeten Rohstoffe. „Alle in der chinesischen Produktion eingesetzten Rohstoffe werden zuvor in Niederzissen von derF & E frei gegeben und dann im hauseigenen modernen Labor in China vor der Verarbeitung nochmals auf Qualität geprüft“, erklärt Dr. Thomas Wehrmeister, Bereichsleitung Forschung & Entwicklung beim Compoundierer.
Neben dem Extruder selbst werden die zum Einsatz kommenden Peripheriegeräte ausschließlich von namhaften Unternehmen zugekauft und in einer speziellen Ausstattung des Anlagenbauers an die Kunden geliefert. „Zwischen Auftragserteilung der schlüsselfertigen Gesamtanlage und der Inbetriebnahme und Übergabe an den Kunden lagen lediglich acht Monate“, so Jürgen Welter, Projektleiter beim Anlagenbauer. „Eine durchaus übliche Größe für die Lieferung einer vergleichbaren Anlage innerhalb Europas, jedoch für die Lieferung nach China sehr sportlich, wenn man die Verschiffung der Anlage sowie deren Aufbau vor Ort berücksichtigt.“
Hier zahlte sich dann auch wieder die Zugehörigkeit zur Unternehmensgruppe aus. Die langjährige Erfahrung im Bereich Logistik und weltweitem Export von Produkten aller Art half bei der Überwindung so mancher bürokratischer Hürde und führte dazu, dass am Ende alles gemäß Zeitplan fertig gestellt werden konnte.
Vor Ort in China musste Akro-Engineering-Plastics dann nur noch für die Errichtung der Produktionshalle nach typischer chinesischer Standardbauweise sorgen. Die Betonbodenplatte der Halle wurde nach Fundamentplanung des Anlagenbauers durch ein chinesisches Bauunternehmen erstellt. Hierzu gehörten sowohl die Sonderfundamente zur Lastaufnahme der Stahlbauten, die benötigten Kanalschächte zum Einbringen der elektrischen Hauptzuleitungen sowie die Kühlwasserverrohrungen, die gemeinsam mit den Abwasserschächten und Rinnen an die richtigen Positionen verbracht wurden.

Multitaskingfähiger Compounder

Der im chinesischen Wujiang in Betrieb genommene Compounder FED 72 MTS ist, wie in seinem Namen (MT) schon angedeutet, multitaskingfähig. Der Kunde kann damit ein breites Portfolio an technischen Kunststoffen compoundieren: PA6, PA6.6, PPA, PBT, PET und PP. Die Materialien können wahlweise natur oder eingefärbt, unverstärkt oder mineral- (<40 %) und/oder glasfaserverstärkt mit einem Anteil von bis zu 60 Gewichtsprozent und darüber hinaus mit Additiven wie beispielsweise Flammschutz ausgerüstet werden.

Mit einer vergleichsweise kurzen Verfahrenslänge von 32 L/D und nur einer Schneckenkonfiguration können diese Compounds verarbeitet werden. Hierfür ist lediglich eine Seitenbeschickung notwendig. Durch den bewussten Verzicht auf Knetblöcke bei der Schneckenkonfiguration werden vor allem glasfasergefüllte Compounds mit sehr guten technischen Eigenschaften erzielt.
Auch eine Verarbeitung von mineralgefüllten Compounds mit einem Gewichtsanteil von mehr als 40 Prozent lassen sich ohne viel Aufwand mit dersteckerfertigen Verfahrensverlängerung von 10 L/D an die Grundmaschine adaptieren. In Verbindung mit einem separaten, für diese Produkte konfigurierten 42-L/D-Schneckenpaar und unter Verwendung einer zweiten Seitenbeschickung, werden Füllungen von mehr als 70 Gewichtsprozenten möglich.

Im dritten Quartal 2010 nahm das neue Werk in Wujiang in der Provinz Jiangsu den Betrieb auf. Bereits das erste Granulatkorn aus der Anlage war verkaufbar und somit keine Prozessoptimierungsschleifen zur Erreichung der gewünschten Produktqualität erforderlich. Mit zunächst zwei Compoundierlinien wurde die jährliche Produktionskapazität in China auf 7.000 Tonnen ausgeweitet. Weitere Linien werden sukzessive hinzukommen.

Kosteneffizienz
Schonende Verarbeitung

Eine hohe Produktqualität des Compounds kann nur erreicht werden, wenn die Schneckenelemente die für ihre Verfahrensaufgabe notwendige Energie einleiten, ohne das Produkt partiell zu überhitzen. Die FED-MT-Baureihe erreicht dieses Ziel durch die besondere Schneckengeometrie ihrer Aufschmelz- und Einmischelemente, in denen das Produkt genügend lange verweilen kann, um die notwendige Energie ohne Temperaturspitzen aufzunehmen. Da das Aufschmelzen ebenso wie das Einmischen von Füllstoffen mit Schneckenelementen gleicher Geometrie durchgeführt werden kann, ist eine reduzierte Lagerhaltung an Ersatzteilen möglich.

 

Autor

Über den Autor

Sandra Dierks, Leitung Marktkommunikation, K. D. Feddersen, Hamburg, sandra.dierks@kdfeddersen.com