Das Recyda-Team Anna Zießow, Christian Knobloch, Vivian Loftin (v. l.) beim Besuch einer Sortieranlage für Leichtverpackungen. (Bild: Recyda)

Das Recyda-Team Anna Zießow, Christian Knobloch, Vivian Loftin (v. l.) beim Besuch einer Sortieranlage für Leichtverpackungen. (Bild: Recyda)

Ziele für die Rezyklierbarkeit von Verpackungen finden zunehmend Eingang in von Unternehmen gesteckte Nachhaltigkeitsagendas. Teilweise werden diese sogar öffentlichkeitswirksam in Form von Commitments gesetzt. Der Druck auf Verpackungsmittelhersteller, ihre Produkte recyclingfähiger zu gestalten, steigt von allen Seiten: nationale sowie EU Gesetze, finanzielle Incentivierungen sowie die Nachfrage des Konsumenten. An Engagement und Bewusstsein hierüber scheint es den Unternehmen auch nicht zu mangeln. Dennoch bleibt die Frage, wie diese ambitionierten Ziele erreicht werden können.

Um diese Frage zu beantworten, ist zunächst essentiell der Status quo einzuschätzen: Welcher Anteil unserer Verpackungen ist derzeit recyclingfähig? Verpackungsproduzenten, Markenartikelhersteller sowie der Handel begegnen beim Beantworten dieser Frage häufig einem kostspieligen Prozess.

Was gilt wo?

Auf der einen Seite steht die Herausforderung der Datenverfügbarkeit. Spezifische Daten zur Komposition der Materialien sind oft nur dezentral für die einzelnen Parteien der Wertschöpfungskette verfügbar. Auf der anderen Seite fehlt meist das nötige Know-how bezüglich der Rezyklierbarkeit bestimmter Verpackungen. Zur Orientierung gibt es Standards und Empfehlungen der Industrie in Form von Design-for-Recycling-Guidelines. Doch selbst wenn eine Verpackung all diese Vorgaben erfüllt, bleibt die Frage der Praxis dahinter bestehen. Jedes Land hat eine andere Infrastruktur, andere Gesetze, andere Vorgaben. Hier den Überblick zu erhalten und auch zu behalten ist sehr komplex. Dennoch bedingt die Definition der Recyclingfähigkeit das Vorherrschen einer ausreichenden Infrastruktur zum tatsächlichen Verwerten der Materialien. Daher ist länderspezifisches Wissen über die jeweiligen Zielmärkte eine weitere essentielle sowie herausfordernde Komponente der Rezyklierbarkeit.

An diesem Punkt setzt das Start-up Recyda, Freiburg, an, indem eine umfassende Software entwickelt wurde, welche eben diese relevanten und länderspezifischen Daten der Recyclingfähigkeit von Verpackungen zur Verfügung stellt, prüft und laufend aktualisiert. Nationale sowie internationale Standards und Wissen zu Infrastruktur in den einzelnen Ländern (gegliedert in Sammlung, Sortierung, Recycling) machen die Software flexibel an Kundenbedürfnisse anpassbar. Das bereitgestellte Wissen bringt Transparenz in das komplexe Thema, sodass Verpackungsmittelhersteller einfach erkennen können, welche Kriterien ihr Produkt erfüllen muss, um tatsächlich recyclingfähig in den jeweiligen Zielländern zu sein.

Mit Daten und Software zur Recyclingfähigkeit

Das Software-Tool liefert eine länderspezifische Einschätzung der Recyclingfähigkeit von Verpackungen. (Bild: Recyda)

Das Software-Tool liefert eine länderspezifische Einschätzung der Recyclingfähigkeit von Verpackungen. (Bild: Recyda)

Die Softwarelösung ist auf zwei zentralen Säulen aufgebaut. Die länderspezifischen Daten bilden die erste Säule. Die Daten umfassen die nationale Gesetzgebung und lokale Abfallinfrastrukturen und bilden somit die Grundlage des Datenpools. Ein spezifisch entwickelter Rechercheprozess mit einem internationalen, mehrsprachigen Rechercheteam ermöglicht den Zugang zu internationalem Expertenwissen. Die Verlässlichkeit sowie Aktualität der Daten werden durch Zugang zu Experten in den jeweiligen Ländern sichergestellt. Der Rechercheprozess ist eine unabhängige Instanz und entzieht lediglich Informationen aus verifizierten Quellen ohne diese zu bewerten. Das Ziel ist es, dem Softwarenutzer transparent aufzuzeigen, welche Vorgaben und Bedingungen in einem Land vorherrschen.

Die zweite Säule bildet das Softwaretool, welche all diese Daten einfach verfügbar macht. Je nach Verpackung überträgt die Software relevante Daten, die für die Recyclingfähigkeit des Verbundes sind. Um dies zu ermöglichen, wird zu Beginn die Komposition des Produktes im Tool zusammengestellt. Das zu untersuchende Material wird entsprechend digital repräsentiert und kann im fortlaufenden Prozess angepasst werden. Der Nutzer kann nun nationale und internationale Standards und Richtlinien auswählen, die zur Einschätzung herangezogen werden sollen. Ebenso kann nach Zielländern gefiltert werden, welche für das jeweilige Produkt bedeutend sind. Anschließend wird nun auf die Standards geprüft und eine Einschätzung ausgegeben.

Hierbei wird das Ergebnis unterteilt in die technische Recyclingfähigkeit (Gesetze, Guidelines) und die auf Basis der Infrastruktur (Sammlung, Sortierung, Recycling, Endmärkte). Diese Unterteilung ermöglicht es dem Nutzer nachzuvollziehen, wieso eine spezifische Verpackung als rezyklierbar eingestuft wird oder nicht. Dabei unterstützt eine farbliche Markierung, um einen schnellen Eindruck zu erhalten. Darüber hinaus werden tiefgehende Informationen in Form von Hinweisen zu den zu erfüllenden Kriterien sowie dynamischen Länderreports bereitgestellt, sodass Hersteller ihr Produkt optimieren können.

Um ein umfassendes Management von Verpackungen zu ermöglichen, werden relevante Daten zentral, unabhängig und transparent an den Softwarenutzer vermittelt. Die Software ermöglicht nicht nur die Betrachtung einzelner Produkte, sondern auch die Analyse und das Management gesamter Sortimente.

Transparenz ist Ziel

Durch die Kombination aus Software und Daten soll das komplexe Thema der Recyclingfähigkeit auf einem internationalen Level transparenter gemacht werden. Damit soll es Unternehmen ermöglicht werden, Ziele im Bereich der Kreislaufwirtschaft zu erreichen und Verpackungen auf den Markt zu bringen, die in den jeweiligen Zielländern auch tatsächlich rezykliert werden können.

Über den Autor

Vivian Loftin

ist Co-Gründerin von Recyda in Freiburg.