Gerhard Luftensteiner, CEO KEBA, informierte über das zurückliegende Geschäftsjahr und über die geplanten Entwicklungen im Unternehmen. (Bildquelle: KEBA, Apa-Fotoservice Hartl)

Gerhard Luftensteiner, CEO KEBA, informierte über das zurückliegende Geschäftsjahr und über die geplanten Entwicklungen im Unternehmen. (Bildquelle: KEBA, Apa-Fotoservice Hartl)

Für ein Technologieunternehmen wie KEBA hat Forschung und Entwicklung eine zentrale Bedeutung und ist die Basis für den zukünftigen Unternehmenserfolg sowie für die technologische Position am Markt. Dementsprechend investiert die Gruppe jährlich einen maßgeblichen Anteil ihres Umsatzes in die Forschung und Entwicklung (F&E). Der Aufwand für F&E stieg im letzten Jahr von knapp 50 Mio. EUR auf 62 Mio. EUR.

Die letzten Wochen unter volatilen Rahmenbedingungen

Als unmittelbare Reaktion auf die sich zuspitzende Situation in China installierte KEBA bereits im Jänner eine Corona Task Force mit dem Ziel, die Mitarbeiter bestmöglich zu schützen sowie die Produktion und den Kundensupport aufrechtzuerhalten. Dank umfassender und frühzeitiger Maßnahmen sowie des großen Engagements der Mitarbeiter ist es gelungen, während des Shut Downs an allen Produktionsstandorten durchgängig zu produzieren und zu liefern. Nur in China war der Betrieb aufgrund der Anordnung durch die lokale Regierung für drei Wochen unterbrochen.

In der aktuellen Situation ohne internationale Reisetätigkeit profitiert die Gruppe von ihren weltweiten Niederlassungen. Zusätzlich nutzt das Unternehmen eine Reihe an digitalen Möglichkeiten, um mit Anwendern und Partnern im Dialog zu bleiben. Alle Geschäftsfelder bieten Online-Seminare an, die gut gebucht sind. Zusätzlich wurde am Hauptstandort in Linz für den Bereich Industrieautomation ein echter Messestand aufgebaut. Via Live-Video kommen die KEBA Mitarbeiter sozusagen direkt zum Interessenten – egal, wo sich dieser befindet.

Die Supply Chain entsprechend aufrecht zu erhalten war über mehrere Wochen aufgrund der in vielen Ländern verhängten Transport- und Bewegungsbeschränkungen sowie so mancher Werksschließung im Zulieferbereich eine große Herausforderung und bedurfte einiges an Anstrengungen. Trotzdem ist es KEBA gelungen, allen Verpflichtungen nachzukommen und kontinuierlich liefern.

Alleine in Österreich waren über 500 Mitarbeiter über mehrere Wochen im Homeoffice. Zu Gute kam dem Unternehmen hier, dass mobiles und eigenverantwortliches Arbeiten in der Unternehmenskultur gut verankert sind und durch eine flache, hierachiearme Organisation unterstützt wird. Aktuell befindet sich seit Mai rund ein Drittel der Belegschaft in Österreich in Corona-Kurzarbeit.

Gruppierung der Geschäftsfelder

Infolge der Akquisition des deutschen Antriebstechnikunternehmens LTI Motion, das nun unter KEBA Industrial Automation Germany agiert, ist die Gruppe in eine neue Dimension gewachsen. Auch die Geschäftsfelder Banking und Logistik haben mittlerweile eine gemeinsame Vision. Es lag also nahe, diese neuen Entwicklungen auch strukturell abzubilden. Diese drei Geschäftsfelder sind:

  • Industrial Automation
  • Handover Automation
  • Energy Automation

Industrial Automation

In diesem Geschäftsfeld entwickelt und produziert KEBA Automatisierungslösungen aus Hard- und Software für Maschinen und Roboter. Die Lösungen reichen von der Bedienung über die Steuerung und Sicherheitstechnik bis hin zur Antriebstechnik. Zum Einsatz kommen diese Lösungen in vielen spezialisierten Märkten des Maschinenbaus und der Robotik.

Handover Automation

Im Kern geht es in diesem Geschäftsfeld um die Vision, die Übergabe zwischen der physischen und digitalen Welt durch intelligente Automationslösungen zu organisieren. Dies sind zum Beispiel Geld- und Serviceautomaten, die im Bereich der Banken zum Einsatz kommen.

Die Antwort auf das boomende Onlinegeschäft sind die Paketautomaten der KEBA, die von Post- und Logistikunternehmen eingesetzt werden. Ob Schlüsselverwaltung, Fuhrparksteuerung, Werkzeuglogistik oder auch Wäschemanagement – hier kommen die Übergabelösungen der Tochterfirma KEMAS, mit Sitz in Deutschland, zum Einsatz. Diese Übergabesysteme verwahren die Gegenstände sicher und automatisieren die Disposition und die Übergabe.

Energy Automation

Seit mehr als 10 Jahren ist die Elektromobilität im Leistungsspektrum verankert. KEBA zählt zu den Anbietern auf dem Sektor intelligenter Ladelösungen für Elektroautos. Mit der Ladelösung – auch Wallbox genannt – werden Elektroautos nicht nur sicher und zuverlässig geladen, sondern dank vielfältiger Schnittstellen wird das Auto auch mit verschiedenen Systemen vernetzt.

Der zweite Schwerpunkt in diesem Geschäftsfeld liegt im Bereich Heizungssteuerungen für Wärmepumpen oder Biomasseheizungen.

Ausblick

Aus heutiger Sicht ist es schwierig, einen generellen Ausblick zu geben. Vieles ist davon abhängig, wie die Märkte nach dem Shut Down wieder in Schwung kommen. Wichtig ist, dass der Konsum wieder anspringt und in Folge die Investitionsfreudigkeit in der Industrie wieder steigt. Als Unsicherheitsfaktor schwingt mit, dass keiner genau weiß, wie sich in Europa bzw. weltweit das Thema Corona entwickelt und welche Auswirkungen dies wiederum haben wird.

Die seit jeher angelegte Breite und Diversität in den Geschäftsfeldern kommt der Gruppe in der aktuellen weltwirtschaftlichen Lage zu Gute. Außerdem setzt KEBA mit Industrie 4.0 und Artificial Intelligence, innovativen Übergabelösungen und E-Mobilität auf richtungsweisende Zukunftsthemen. Auch die seit 20 Jahren forcierte Internationalisierung des Unternehmens ist ein wichtiger Faktor. Dank ihr ist man in den Märkten mit eigenen Niederlassungen vertreten und damit lokal handlungsfähig. (sf)