frisch spritzgegossene schwarze Blätter von Schneeschaufeln auf einem Förderband

Die Blätter der Schaufeln mit einem Schussgewicht von 1.000 g werden auf einer Macropower 850 Spritzgießmaschine produziert. (Bild: Wittmann Technology)

Bei Akroh wird gefeiert. Anlass ist die Installation einer Macropower 2000 von Wittmann mit 2.000 t Schließkraft – die mit Abstand größte jemals bei Akroh in Betrieb genommene Spritzgießmaschine. Das Familienunternehmen schlägt mit dieser Investition ein neues Kapitel auf: Nach der Erweiterung des Maschinenparks soll nun der Geschäftsbereich Lohnspritzgießen, der heute rund 20 % des Umsatzes generiert, wachsen. „Wir bauen das Angebot für unsere Kunden sukzessive aus“, erklärt Arend-Jan Horst, Inhaber und Geschäftsführer von Akroh Industries. Mit inzwischen 27 Spritzgießmaschinen in einem breiten Schließkraftspektrum ist der Maschinenpark seit dem Umzug in das neue Gebäude vor drei Jahren fast auf das Doppelte angewachsen. „Wir sind jetzt eine moderne Fabrik“, kommentiert Horst nicht ohne Stolz, denn die gesamte Familie leistet einen Beitrag zum Geschäftserfolg: Ehefrau Olga und Sohn Jorn sind unter anderem für die Buchhaltung zuständig. Jorns Bruder Robbert ist als Operator für die Spritzgießmaschinen im Werk verantwortlich.

Reproduzierbarkeit für robuste Produkte

Seit der Gründung 1956 hat sich das Produktprogramm mehrfach gewandelt und diversifiziert. Ein starker Fokus der eigenen Produkte sind heute Anwendungen in der Landwirtschaft. Ausrüstung für die Viehhaltung und Milchwirtschaft sowie Traktorkomponenten haben die Marke Akroh vor allem in Europa bekannt gemacht. Über den Agrarhandel liefert das Unternehmen inzwischen in weltweit 60 Länder mehr als 7.000 unterschiedliche Produkte und Produktvarianten. Mehr als 600 Spritzgießwerkzeuge sind aktiv im Einsatz. So produziert beispielsweise eine Macropower 850 Spritzgießmaschine große schwarze Schaufelblätter. Montiert an einen Holzstiel und versehen mit einem Griff, der ebenfalls aus Kunststoff spritzgegossen wird, kommen sie später als Futterschaufeln in den Handel. Die großen Bauteile mit einem Schussgewicht von 1.000 Gramm werden in einem Einkavitätenwerkzeug mit einer Zykluszeit von 30 s produziert. Sie bestehen aus Polypropylen in High-Impact-Ausführung, denn im rauen Alltag im Stall und auf dem Feld müssen sie einiges aushalten. Zwischen Sommer und Winter können die Umgebungstemperaturen von -10 bis 40 °C schwanken, ohne dass die Stabilität der Schaufeln leiden darf. „Bei der Macropower können wir uns darauf verlassen, eine konstant hohe Qualität zu produzieren“, betont Horst und präsentiert eine weitere Macropower Maschine, die im Kundenauftrag große Pflanzgefäße spritzt. „Hier sind die Anforderungen noch höher“, erklärt er. „Die Wanddicke beträgt nur 1,5 mm und dennoch erzielen wir eine sehr hohe Maßhaltigkeit.“ Dies sei bei der Spritzgießmaschine eines chinesischen Fabrikats, die Akroh vor einigen Jahren testweise kaufte, nicht gegeben. Gerade bei dünnwandigen Bauteilen, die hohe Einspritzdrücke erfordern, stoße die Sensorik der chinesischen Maschine schnell an ihre Grenzen. Als zusätzlicher Pluspunkt spricht für die Macropower im direkten Maschinenvergleich ihr geringer Stellflächenbedarf. Aufgrund der Zwei-Platten-Technik baut die MacroPower sichtbar kürzer. Die Stellfläche der Produktionszellen ist generell ein großes Thema: Auch bei der Automatisierung achtet Akroh auf eine kompakte Anordnung. So wurde bewusst entschieden, die neue 2.000-t-Maschine mit einem Linearroboter auszurüsten. Im Gegensatz zu einem Sechsachsroboter, der neben der Maschine zusätzliche Stellfläche beanspruchen würde, ist der WX173 Linearroboter von Wittmann oberhalb der Schließeinheit direkt auf der Maschine montiert. Für Flexibilität bei der Teileentnahme integrierte Wittmann für seinen Kunden zwei zusätzliche Servodrehachsen. Durch die Servo-C-Achse kann je nach Werkzeug flexibel zwischen der Entnahme auf der bewegten und auf der feststehenden Werkzeugaufspannplatte gewechselt werden.

2 Männer stehen mit Schneeschaufeln in einem Showroom
Die Futterschaufeln mit Spritzgießteilen aus High-Impact-PP sind für den rauen Einsatz im Stall und auf dem Feld gerüstet. (Bild: Wittmann Technology)

Assistenzsysteme für die Rezyklatverarbeitung

Einen weiteren Beitrag für eine durchgehend hohen Qualität der Spritzgießteile leisten die Plastifiziereinheiten in den Wittmann-Maschinen: „Wir haben alle jüngst gelieferten Maschinen mit Meltpro Barriereschnecken ausgestattet und inzwischen auch die bestehenden Maschinen nachgerüstet“, berichtet Michel van der Motten, Geschäftsführer von Wittmann Battenfeld Benelux. Akroh hat sich damit für die Zukunft gut aufgestellt, denn der Anteil an Rezyklat im verarbeiteten Materialspektrum steigt an. Bei hohen Rezyklatanteilen musste der Anwender beim Einsatz einer Maschine mit einer Standard-3-Zonen-Schnecke die Plastifizierzeit verlängern, um eine ausreichend hohe Homogenität der Schmelze zu erreichen. „Bei einigen Produkten wären wir damit nicht mehr wirtschaftlich“, betont Horst. Zusätzlich unterstützen die intelligenten Assistenzsysteme aus der HIQ-Produktreihe der Wittmann Gruppe bei der Rezyklatverarbeitung. Die Software HIQ Flow ermittelt in der Einspritzphase eines jeden Zyklus die Viskosität der Kunststoffschmelze. Kommt es zu einer Abweichung vom vordefinierten Sollwert, kompensiert die Maschine automatisch und noch im selben Schuss das Einspritzvolumen. Das Ergebnis sind zu 100 % Gutteile. Gerade bei recycelten Kunststoffmaterialien schwankt der MFI von Charge zu Charge mitunter stark. „Mit unseren Wittmann Maschinen können wir trotzdem hohe Rezyklatanteile streifenfrei verarbeiten“, erklärt Horst. „Seit der Umstellung auf Meltpro Schnecken und HIQ Flow haben wir keinen produktionsbedingten Ausschuss mehr.“ Einige Pflanzgefäße werden bereits vollständig aus Recyclingmaterial hergestellt. Bei den Futterschaufeln werden aktuell 10 % Rezyklat beigemischt. Dabei handelt es sich um Mahlgut, das im eigenen Haus aus Angüssen und Anfahrausschussteilen gewonnen wird. „Produktionsabfälle im Kreislauf zu halten, ist für uns inzwischen wesentlich, damit wir mit unseren Preisen wettbewerbsfähig sind“, betont Horst. „Bei den Agrarprodukten haben wir starke Mitbewerber in China, Indien und Pakistan – da geht es immer um die Stückkosten.“

Kunststoffrecycling: Der große Überblick

Mann mit Kreislaufsymbol auf dem T-Shirt
(Bild: Bits and Splits - stock.adobe.com)

Sie wollen alles zum Thema Kunststoffrecycling wissen? Klar ist, Nachhaltigkeit hört nicht beim eigentlichen Produkt auf: Es gilt Produkte entsprechend ihrer Materialausprägung wiederzuverwerten und Kreisläufe zu schließen. Doch welche Verfahren beim Recycling von Kunststoffen sind überhaupt im Einsatz? Gibt es Grenzen bei der Wiederverwertung? Und was ist eigentlich Down- und Upcycling? Alles was man dazu wissen sollte, erfahren Sie hier.

Digitalisierung ermöglicht hohe Produktivzeit

„Unsere Kunden kaufen bei uns, weil wir eine sehr hohe Qualität liefern und flexibel auf Kundenwünsche eingehen“, erklärt der Manager. „Der Preis, den wir dafür zahlen, ist ein ewiger Prozessoptimierungs-Flow.“ Eine durchgehend hohe Zuverlässigkeit und Stabilität der Maschinen reichen dafür nicht aus. Auch werden die Verfügbarkeit und Flexibilität der Produktionssysteme bei jeder Investitionsentscheidung von der Akroh Geschäftsführung unter die Lupe genommen. „Wenn wir heute einen Auftrag bekommen, können wir morgen liefern,“ beschreibt Horst den extremsten Fall, der gar nicht so selten vorkommt. Zwei bis drei Mal am Tag werden Werkzeuge gewechselt – und das muss schnell gehen, um die Produktivzeit der Maschinen auf höchstem Niveau zu halten. Zum einen ermöglicht das „Freifahren“ der Holme den leichten Einbau großer Werkzeuge von der Seite aus, zum anderen macht sich hier bereits die fortschreitende Digitalisierung der Produktionsprozesse positiv bemerkbar: „Die Maschine erkennt das Werkzeug, indem sie den Werkzeugdatensatz ausliest, und stellt automatisch die richtigen Prozessparameter ein“, erklärt Horst.

Die Energieverbräuche im Blick

Eine Grundvoraussetzung, die Prozesse kontinuierlich zu optimieren, ist Transparenz. In Bezug auf die Energieeffizienz startet Akroh gerade ein entsprechendes Projekt: „Wir haben uns vorgenommen, mehr zu messen. Wir sehen uns die Energieverbräuche an, nicht nur die der Maschinen. Vielleicht ist es ja möglich, bei dem einen oder anderen Prozess zum Beispiel die Temperatur des Kühlwassers um zwei Grad höherzudrehen. Die Energiepreise sind im letzten Jahr so stark gestiegen, da haben auch auf den ersten Blick kleine Veränderungen eine große Wirkung. Für mich persönlich ist es wichtig, dass wir trotz der hohen Lohn- und Energiekosten weiterhin hier in unserem Heimatland produzieren können – dafür schöpfen wir alle Chancen aus, die sich uns eröffnen.“

Quelle: Wittmann Technology

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