Menschen in einem Technikum

Zum Ausstellungsbereich der Technologie-Tage 2024 zählten über 40 Maschinenexponate sowie viele weitere Themen rund um die Kunststoffverarbeitung. (Bild: Redaktion)

Die Vergangenheit würdigend, richtet das Unternehmen den Blick auf die Zukunft. „Im Dezember mussten wir leider Abschied von meinem Vater Eugen Hehl nehmen“, so Michael Hehl, geschäftsführender Gesellschafter und Sprecher der Geschäftsleitung während der Pressekonferenz anlässlich der Technologie-Tage. „Ganz in seinem Sinne schauen wir jetzt nicht zurück, sondern nach vorne in Richtung Zukunft!“ Mit der Gründung des Beirats bestehend aus Angehörigen der Gesellschafterfamilien und externen Mitgliedern, sichert der Maschinenbauer auch künftig seine Unabhängigkeit als Familienunternehmen. Michael Hehl, geschäftsführender Gesellschafter, betonte die Bedeutung dieser Maßnahme für die nachhaltige Aufstellung des Unternehmens. Dem Beirat, der kürzlich zum ersten Mal tagte, gehören neben Renate Keinath Isabel Diaz Rohr, Prof. Dr.-Ing. Thomas Bauernhansl sowie Dr. Armin Schmiedeberg, der den Beiratsvorsitz inne hat, an.

3 Männer im Anzug sitzen an einem Tisch
Michael Hehl, geschäftsführender Gesellschafter und Sprecher der Geschäftsleitung, Gerhard Böhm, Geschäftsführer Vertrieb, After Sales, und Guido Frohnhaus, Geschäftsführer Technik, (von links) während der Pressekonferenz. (Bild: Arburg)

Deshalb stärkt die Internationalisierung den Standort Loßburg

In Bezug auf die Internationalisierung erwägt Arburg die Möglichkeit, Wertschöpfungsstufen zu internationalisieren. Das Unternehmen hat in der Vergangenheit in Tschechien, China und den USA sogenannte Technology Factories installiert und kooperiert mit lokalen Partnern, um die Nähe zu den Kunststoffverarbeitern zu stärken. Aufgrund der veränderten Welt- und Marktlage überlege das Unternehmen diesen dynamischen Anforderungen mit „Local-to-local“-Aktivitäten zu begegnen. Michael Hehl ergänzt: „Die einstmals „durchglobalisierte“ Welt entwickelt sich immer mehr wieder zu Hegemonialräumen Asien, Amerika und Europa.“

Trotz einer herausfordernden wirtschaftlichen Lage mit einem Rückgang der Auftragseingänge investiert Arburg weiterhin strategisch in die Zukunft. Im Jahr 2023 wurden stolze 26,9 Mio. Euro in den Standort Loßburg investiert, was eine Investitionsdeckungsquote von 120 % ergibt. Der konsolidierte Umsatz für das Jahr 2023 belief sich auf rund 780 Mio. Euro (Prognose waren 750 Mio. €), was einem Rückgang von 11 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Angesichts dieser Herausforderungen setzt das Unternehmen auf Innovation und Investitionen, um zukünftiges Wachstum zu sichern. Hehl führt weiter aus, dass die Situation bei den Auftragseingängen nach wie vor schwach sei und deshalb seit Januar 2024 das Mittel der Kurzarbeit genutzt werde.

Im Bereich des After-Sales-Geschäfts verzeichnet das Unternehmen eine solide Auslastung und eine verstärkte Nachfrage nach Retrofit-Lösungen. „Daraus erkennen wir bei unseren Kunden eine Auslastung auf ordentlichem Niveau und darüber hinaus, dass die Zeit für die Ertüchtigung der Maschinenparkst genutzt wird“, berichtet Gerhard Böhm, Geschäftsführer Vertrieb, After Sales. Die einzelnen Branchen zeigen unterschiedliche Entwicklungen, der Sektor „Mobility“ leicht erholt, die Medizintechnik leicht positiv und die Packaging-Branche ist stärker geworden.

Die Arburgadditive, einschließlich Innovatiq, behauptet sich gut in diesen herausfordernden Zeiten und konzentriert sich mit Partnern auf Projekte in den Bereichen Medizintechnik, Konsumgüter und Multi-Material-Bauteile. Im ersten Halbjahr 2024 finden die Chinaplas und die NPE statt, von denen laut Böhm wichtige Impulse erwartet werden.

Den Blick auf nachhaltige Produktion gerichtet

Arburg präsentierte auf den Technologie-Tagen 2024 eine Reihe von Spritzgieß-Highlights, wie die Herstellung von LSR-Dichtungen mit einem 256-fach-Werkzeug oder das Verarbeiten von Post-Consumer-Rezyklat zu dünnwandigen Blumentöpfen. Gezeigt wurde auch das neue Leichtbauverfahren „Mantara", das zusammen mit den Partnern GK Concept und Plastic Concept entwickelt worden war. Das Verfahren kombiniert physikalisches Schäumen mit Spritzprägen und Expansionshub. „Dadurch ist der Einspritzdruck sehr gering und die Schließkraft reduziert sich – bauteilabhängig bis zur und 60 %“, berichtet Guido Frohnhaus, Geschäftsführer Technik. Bei dem produzierten Demobauteil ist das Gewicht rund 30 % geringer, weiterhin sind Energiebedarf, CO2-Fußabdruck sowie Werkzeugverschleiß und Bauteilverzug erheblich reduziert.

„Unsere technischen Innovationen, wie der energieoptimierte Allrounder 420 C Golden Edition ASH mit Arburg Servohydraulik, zeigen unser Engagement für Energieeffizienz“, führt Frohnhaus aus. Alle Allrounder Golden Edition in den Größen 420 bis 570 verfügen ab sofort optional über Zwei-Kreis-Pumpen-Technik mit Arburg Servohydaulik (ASH). Die Baugrößen 270 und 320 folgen ab Ende 2024. Bei den Maschinen mit ASH sind die zwei wassergekühlten drehzahlgeregelten Servomotoren leistungsstark und energetisch optimiert, denn der Energiepreis ist ein wichtiger Standortfaktor. Die Motoren lassen sich stufenlos auf den tatsächlichen Leistungsbedarf anpassen, was Leerlaufverluste minimiert. „Auf der Energieeinsparung lag der Fokus bei der Entwicklung der Antriebstechnik“, berichtet Werner Faulhaber, Bereichsleiter Entwicklung. „Der spezifische Energiebedarf lässt sich prozessabhängig bis zu 50 % reduzieren.“

Mann im Anzug und Mikrofon in der Hand vor einer grünen Spritzgießmaschine
Werner Faulhaber erläuterte die Energieeinsparmöglichkeiten beim Allrounder Golden Edition ASH durch die servohydraulische Antriebstechnik. (Bild: Redaktion)

Grund zum Feiern: 30 Jahre Automation und Turnkey

Ergänzend zur Maschinentechnik bietet das Unternehmen seit genau 30 Jahren eigene Automation und Turnkey-Lösungen. Ausgestellt waren zahlreiche aktuelle Kundenprojekte. Etwa ein elektrischer Allrounder 370 A mit einem innerhalb des Maschinenschutzes montierten verkürzten linearen Robotsystems, das die Stellfläche nicht verbreitert. Ein elektrischer Zwei-Komponenten-Allrounder 520 A mit Reinluftmodul über der Schließeinheit war mit einem horizontal eingreifenden Yaskawa Sechs-Achs-Roboter automatisiert, der sich platzsparend zwischen den beiden Spritzeinheiten in L-Stellung befand. Besonders innovativ war auch die vollautomatisierte Fertigung von Kartuschen mit IML-Label aus Monomaterial auf einem hybriden Allrounder 820 H.

Viele leere Silikonkartuschen liegen in einem großen Karton wild durcheinander
Mit der Turnkey-Anlage werden pro Schuss 8 Kartuschen gefertigt. Das Projekt hat Arburg mit vier Partnern realsisiert. (Bild: Redaktion)

Warum digitale Produkte und Services wichtig sind

Das Unternehmen setzt weiterhin auf digitale Produkte und Services, um Effizienz und Wirtschaftlichkeit zu steigern. Die neue Version des Leitrechnersystems ALS 8.0, die seit den Technologie-Tagen verfügbar ist, unterstützt die papierlose Fertigung und bietet Funktionen wie den Planungsassistenten für eine optimierte Maschinenauswahl im Maschinenpark des Kunststoffverarbeiters. Die Arburg-X-World wurde um die Premium-Apps „Ask Arburg“ und „Programs“ ergänzt. Ask-Arburg bietet jahrzehntelange Arburg-Erfahrung gepaart mit Künstlicher Intelligenz (KI) und wird kontinuierlich erweitert. Die App, die wie das bekannte Large Language Modell Chat GTP funktioniert, wird kontinuierlich mit neuen Inhalten befüllt und beantwortet künftig alle Fragen rund um das Produkt- und Dienstleistungsspektrum des Unternehmens, das Spritzgießen, additive Fertigung, Automation, digitale Produkte sowie Schulungen und Service umfasst.

Neu vorgestellt wurde auch der Arburg Visual Remote Support. An diese 24/7-Hotline können sich die Kunststoffverarbeiter bei Störungen wenden. Die Verbindung wird über einen Einmalcode, der via E-Mail oder SMS versendet wird, aufgebaut. Mit AR-Brille, Tablet oder Handy geht der Servicetechniker mit dem Mitarbeiter vor Ort die Störung durch und weiß so genau, welche Ersatzteile benötigt werden. Durch diesen Support werden die Ersatzteillieferungen vereinfacht, die Maschinenverfügbarkeit erhöht sowie die Kosten für Wartung und Instandhaltung beim Verarbeiter gesenkt.

In der Arburg Solutionworld erfuhren die Besucher, welche Stellhebel sich finden lassen, um in der eigenen Spritzgießproduktion die Effizienz zu steigern und Kosten zu senken. An sechs Stationen rund um eine plakative LED-Säule konnte sich Interessierte individuell beraten lassen und erfuhr beispielsweise mehr über den „Action Plan: Energy“, das Leitrechnersystem ALS, das damit vernetzbare Kundenportal Arburg-X-World sowie die Gestica-Steuerung mit ihren intelligenten Assistenz- und Pilotfunktionen.

2 Männer halten eine Präsentation
Gerhard Böhm (links) und Guido Frohnhaus gingen in ihrer Keynote unter anderem darauf ein, dass die Veränderungsgeschwindigkeit derzeit sehr hoch sei und dass es nicht die eine Lösung gibt, um die Transformation zu meistern. (Bild: Redaktion)

Erstmals gab es bei den Technologien-Tagen einen Impulsvortrag der beiden Geschäftsführer Gerhard Böhm und Guido Frohnhaus. Sie referierten zum Thema „Enabling your future – smarte und systemorientierte Lösungen“ und diskutierten anschließend mit den Zuhörern.

Zu den internationalen Technologie-Tage kamen seit ihrer Gründung über 100.000 Gäste aus mehr als 50 Ländern nach Loßburg. „Wir sind mit den Technologie-Tagen 2024 sehr zufrieden“, resümiert Dr. Christoph Schumacher, Bereichsleiter Global Marketing bei Arburg. „Trotz des weltweit insgesamt schwierigen wirtschaftlichen Umfelds und der bevorstehenden Großmessen NPE und Chinaplas in Nordamerika und Asien kamen Kunden aus über 40 Nationen nach Loßburg – mit dem Wissen, dass wir sie bei all ihren Fragen unterstützen und Neuheiten zeigen, die ihnen echte Mehrwerte bringen.“

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