Bunte geschlossene Gliederkette aus Kunststoff.

Kunststoffhersteller und Verarbeiter sind zunehmend auf verlässliche Informationen über Ursprung und Nachhaltigkeit eingesetzter Rezyklate angewiesen, um Wertstoffketten zu Kreisläufen schließen zu können. (Bild: Handmadefont – stock.adobe.com)

Stoffgemische erschweren nicht nur das Kunststoffrecycling selbst. Sie machen es auch schwieriger, den Ursprung der einzelnen Bestandteile nachzuvollziehen und zurückzuverfolgen. Jedoch können insbesondere in der Aufbauphase nachhaltigerer und zirkulärer Wertschöpfungsketten erneuerbare oder recycelte Materialien zusammen mit fossilen Materialien verarbeitet werden. In der Chemie- oder Polymerindustrie fällt es nach einer Serie von Verarbeitungsschritten in unterschiedlichen Prozessen und Unternehmen dann schwer, Endprodukte mit einem beispielsweise geringeren CO2-Fußabdruck und die erneuerbaren oder recycelten Materialien, aus denen sie hergestellt wurden, nachweisbar miteinander zu verknüpfen.

Akteure wie das niederländische Unternehmen Circularise wollen es den Herstellern ermöglichen, nachprüfbare Aussagen über solche Produkte zu machen. Das Unternehmen nutzt unter anderem Blockchain-Technologie, um einen digitalen Zwilling eines physischen Materials zu erstellen, etwa eines Rezyklatbatches. Dieser Zwilling enthält gespeicherte Informationen über die verwendeten Materialien in der gesamten Wertschöpfungskette, sodass alle Beteiligten entlang der Kette das Material verfolgen können. So lässt sich nicht nur überprüfen, woher die Materialien stammen, sondern auch wie und wo sie verarbeitet wurden. Der digitale Zwilling kann darüber hinaus weitere Daten zu verschiedenen Nachhaltigkeitskriterien liefern, beispielsweise über den ökologischen Fußabdruck der Materialien oder der aus ihnen hergestellten Produkte oder auch Faktoren wie Biodiversität und Menschenrechte.

Warum es wichtig ist, Nachhaltigkeit transparent offenzulegen

„Es ist in der Regel sehr einfach, Nachhaltigkeit zu behaupten, aber oft ist es gar nicht so einfach, diese Behauptungen zu belegen“, erklärt Isabella Tonaco, Vice President Strategy Execution & Marketing bei Neste Renewable Polymers and Chemicals. Der auf erneuerbare Quellen spezialisierte Ölkonzern Neste gehört zu den prominenten Partnerunternehmen von Circularise. Weitere Partner sind unter anderem die Kunststoffhersteller und Verarbeiter Borealis, Covestro und Domo.

Tonaco erklärt die Motivation hinter der Zusammenarbeit mit Circularise: „Vertrauen und Glaubwürdigkeit sind jedoch entscheidende Faktoren, wenn es um Nachhaltigkeit geht. Wenn wir in der Lage sind, alle Materialien, die in ein Produkt eingehen, zu verfolgen und zurückzuverfolgen, schaffen wir eine solide Grundlage, um dieses Vertrauen und diese Glaubwürdigkeit zu gewinnen.“ Die entwickelten Lösungen für mehr Rückverfolgbarkeit sollen der Polymer- und Chemieindustrie die notwendige Transparenz ihrer Wertschöpfungsketten bringen.

Eine Herausforderung dabei ist, gleichzeitig geistiges Eigentum der beteiligten Unternehmen zu schützen und bei aller Transparenz den notwendigen Datenschutz sicherzustellen. Zu diesem Zweck setzt Circularise auf eine öffentliche Blockchain-Infrastruktur und seine eigene Smart-Questioning-Technologie. Der vertrauliche Umgang im Austausch von Daten soll einen wichtigen Beitrag zum Vertrauen in die Zusammenarbeit sowie in die bereitgestellten Informationen liefern. Mesbah Sabur, Gründer von Circularise, fasst den Ansatz zusammen: „Wir wollen die Kommunikationsbarrieren durchbrechen, die die Rückverfolgbarkeit in der Lieferkette einschränken.“

Nebeneinander drei Smartpohne-Screenshots u.a. mit einem Auto.
Das Unternehmen Circularise zielt darauf ab, digitale Passports für Kunststoffe und Produkte zu erstellen. (Bild: Circularise)

Wie Daten dabei helfen, den CO₂-Fußabdruck zu reduzieren

Den steigenden Bedarf nach verlässlichen Informationen von Betreibern und Herstellern zum Thema Nachhaltigkeit beobachtet und adressiert auch der Chemie-Preisinformationsdienst ICIS. Dieser hatte als Reaktion auf die steigende Nachfrage an hochwertigen Rezyklaten bereits Ende 2021 sein Angebot um Preisinformationen für gemischte Kunststoffabfälle erweitert. Das knappe Angebot an Monomaterial-Kunststoffabfällen für das mechanische Recycling hat zu einem sprunghaften Anstieg der Preise geführt. Dies hat die Bedeutung von gemischten Abfallballen erhöht, die zuvor aufgrund von Sortierkosten und Ausbeuteverlusten nicht wirtschaftlich umzusetzen waren. Außerdem bietet der Informationsdienst mit dem ICIS Recycling Supply Tracker Daten zu Kapazitäten, genutzten Rohstoffen und Prozessen von Recyclingunternehmen und Projekten.

Die globale Datenbank ist mittlerweile sowohl für mechanisches als auch chemisches Recycling zugänglich und soll mit den enthaltenen Informationen Transparenz schaffen und den Übergang zur Kreislaufwirtschaft unterstützen. Jüngste Bestrebungen des Informationsdienstes zielen ebenfalls darauf ab, Nachhaltigkeitsfaktoren in die bereitgestellten Daten miteinzubeziehen. In Zusammenarbeit mit Carbon Minds, einem Spezialisten für die Modellierung der Umweltauswirkungen von Chemikalien und Kunststoffen, hat ICIS die Plattform Supplier Carbon Footprints entwickelt. In der Vergangenheit war es aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit und Konsistenz von Primärdaten oder detaillierten Sekundärquellen schwierig, CO2-Emissionen zu bewerten. Die neue Plattform soll darum die Emissionen entlang der gesamten Lieferkette für 71 Chemikalien und Kunststoffe offenlegen und Unternehmen damit unterstützen, ihren CO2-Fußabdruck zu reduzieren.

Ziel ist es, Emissionen zu minimieren

„Obwohl der Schwerpunkt auf Investitionen in neue Technologien zur Emissionsreduzierung liegt, was für die Zukunft sehr wichtig ist, bietet dieses Tool eine unmittelbare Möglichkeit, Emissionen zu melden und Schwerpunktbereiche genauer zu identifizieren“, erklärt Alison Jones, Strategy Director bei ICIS. „Die Emissionen variieren von Lieferant zu Lieferant, von Region zu Region und von Anlage zu Anlage erheblich, was in alternativen Lösungen auf dem Markt, die Emissionen auf regionaler oder Länderbasis berechnen, nicht vollständig berücksichtigt wird. Mit Supplier Carbon Footprints können Unternehmen die Auswirkungen ihrer Lieferketten auf das Klima klar erkennen und den Fußabdruck ihrer Lieferanten genau messen und vergleichen.“

Quelle: Circularise

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