Zwei Männer mit kurzen braunen Haaren. Die beiden Gründer von Crcl Lars Conzendorf (links) und Lauritz Schmidt (rechts), bringen mit ihrem Compound Apatura Altkleider zurück in den    Kreislauf.

Die beiden Gründer von Crcl Lars Conzendorf (links) und Lauritz Schmidt (rechts), bringen mit ihrem Compound Apatura Altkleider zurück in den Kreislauf. (Bild: Johannes Sill, Crcl)

Jedes Jahr werden in Deutschland 1,3 Mio. t Altkleider gesammelt, 156.000 t davon werden verbrannt. Das Start-up Crcl, ausgesprochen wird dies wie das englische Wort circle, hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine Lösung dafür zu finden. Vor einem Jahr sind die beiden Gründer Lars Conzendorf und Lauritz Schmidt auf den heutigen Partner Brabender zugegangen, um das recyclingfähige Compound aus Alttextilien und Kunststoffabfällen weiterzuentwickeln. „Wir sind der Überzeugung, dass lineare Wirtschaftsformen keine tragbaren Geschäftsmodelle mehr sind. Deshalb entwickeln wir mit Crcl ein ressourcenschonendes und zirkuläres Granulat aus bisher nicht recycelbaren Altkleidern und Kunststoffabfällen auch für hochwertige Anwendungen in der Möbelbranche“, sagt Crcl-Gründer Lars Conzendorf. Denn von weltweit jährlich 92 Mio. t Alttextilien werden 87 % thermisch entsorgt oder deponiert (Europäisches Parlament, 2020). Allein das Alttextilaufkommen in Deutschland betrug 1,3 Mio. t. Davon wurden 520.000 t ins Ausland exportiert und 156.000 t unter Aufwand von hohen Kosten verbrannt (Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung      e. V., 2020). Diese Ressourcenverschwendung ist eine Belastung für das globale Klima, da nur durch Produktion und Gebrauch von Textilien bis zu 25 t CO2 verursacht wird (Environmental Justice Foundation, 2020). Auch die Produktion von Kunststoff-Neuware wird sich bis 2050 vervierfachen, während jede Tonne Neuware allein 4,7 t CO2 produziert (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung e. V., 2021).

Vom Keller in die Hochschule

Die beiden Gründer Lars Conzendorf und Lauritz Schmidt haben zunächst im eigenen Keller experimentiert. „Na ja, das war schon ganz schön aufregend am Anfang, aber das gehört auch irgendwie dazu“, meint Conzendorf. Nach weiteren Entwicklungen und Testungen an verschiedenen Hochschulen und Universitäten ist das Duo im Sommer 2022 auf die Firma Brabender in Duisburg zugegangen, um die Kompetenzen zu erweitern. „Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von Brabender haben uns von Minute eins an hervorragend unterstützt. Unsere Materialentwicklung hat schnell sehr gute Fortschritte gemacht“, erklärt Lauritz Schmidt. Laut Crcl entsteht das Potenzial nicht nur durch die Verwertung von Kunststoffabfällen, sondern insbesondere durch die Wertschöpfung von bisher nicht recycelbarem Alt-    kleidermüll.

Mülldeponie aus Altkleidern. Eine der größten Herausforderungen in der Modeindustrie sind Textilien aus Mischfasern und deren Verwertung.
Eine der größten Herausforderungen in der Modeindustrie sind Textilien aus Mischfasern und deren Verwertung. (Bild: Swapan – stock.adobe.com)

Deshalb wurde das Verfahren zum Patent angemeldet

Die technische Innovation liege nicht nur im Prozess, sondern auch in der Komposition des Compounds. Das Start-up fokussiert sich aktuell ausschließlich auf Altkleider aus Textilien (blends) zur Herstellung des ressourcenschonenden Materials. Diese bezieht Crcl auch direkt vom Entsorger oder arbeitet mit Dienstleistern zusammen. Daneben sind Mahlgüter und Rezyklate ein weiterer Hauptbestandteil des Compounds. Mithilfe des zum Patent angemeldeten Verfahrens und Werkstoffverbunds wird die Substitution von Kunststoffneuware und das Verbrennen von Altkleidern gestoppt. Die sehr gute Verarbeitbarkeit des Materials im Spritzgießen wurde bereits nachgewiesen. Nun sollen weitere Prototypen und Entwicklungsprojekte erfolgen. „Uns ist wichtig, dass beim Verwenden unseres Compounds kein oder kaum Aufwand für Umstellungen in den standardisierten Verarbeitungsprozessen wie im Spritzguss oder der Extrusion betrieben werden muss“, meint Schmidt dazu.

In diese Branchen soll skaliert werden

Während auf der einen Seite die Ressourcen verbrannt werden, haben viele Branchen mit Lieferengpässen sowie knappen und immer teurer werdenden Rohstoffen zu kämpfen. Da sind recycelte, ressourcenschonende und kreislauffähige Materialien von großem ökologischem und ökonomischem Mehrwert. „Wir wollen mit unserem Material zunächst Pilotprojekte in der Möbelbranche starten und dort expandieren. Es ist aber schon das erklärte Ziel, auch in der Bau- und Automobilindustrie Fuß zu fassen, da wir schnell skalieren wollen“, merkt Conzendorf an. Die Altkleider in der für den Prozess angepassten Form substituieren teure Kunststoffprodukte. Zudem verbessert das Fasermaterial einige mechanischen Eigenschaften und hat im Vergleich zum reinen Matrixmaterial ein signifikantes Erhöhen der Steifigkeit zur Folge. Denn die Zusammensetzung und der prozentuale Anteil der textilen Mischfasern hat auch eine verstärkende Wirkung auf das Material. „Wir verfolgen einen ähnlichen Prozess, der branchenüblich für faserverstärkte Kunststoffe verwendet wird. Den USP können wir hier und jetzt natürlich nicht verraten“, schmunzelt Schmidt dazu. Mit dem Compound von Crcl werden sowohl gleichwertige als auch hochwertige Kunststoffprodukte im Vergleich zu bisherigen Downcycling-Anwendungen entstehen. Daher achtet das junge Unternehmen in der Entwicklung auf die Langlebigkeit und die Recyclingfähigkeit des Materials. „Wir haben bereits zum aktuellen Zeitpunkt im Technikumsmaßstab bewiesen, dass eine erneute Verwendung des Materials möglich ist“, berichtet Schmidt.

Zwei Männer beugen sich über ein Laufband in einer Maschinenhalle. Die technische Herausforderung liegt in der Verarbeitung der Altkleider, während aber der Extrusionsprozess eine kontinuierliche und effiziente Verarbeitung ermöglicht.
Die technische Herausforderung liegt in der Verarbeitung der Altkleider, während aber der Extrusionsprozess eine kontinuierliche und effiziente Verarbeitung ermöglicht. (Bild: Brabender)
Zitat

Das Compound kann rezykliert  werden.

Brabender unterstützt bei der Entwicklung des Materials

Auch Projektleiter bei Brabender Michael Stanko ist positiv gestimmt: „Es sind schon einige technische Hürden genommen worden in den letzten Monaten. Die Ergebnisse sind sehr gut, das hätten wir so anfangs auch nicht gedacht. Das Potenzial für industrielle Anwendungen und technische Bauteile ist definitiv vorhanden.“ Den vermeintlichen Nachteil, dass sie nicht aus der Branche sind, hat das Team in einen Vorteil umgekehrt. „Wir gehen zielstrebig unseren Weg und entwickeln unser Produkt so erfolgreich weiter“, sagt Conzendorf. Das Start-up spricht und kooperiert auch mit möglichen Pilotpartnern, die selbst Rücknahmesysteme, Leih- und Abomodelle anbieten, sodass das Material auch intern wiederverwendet werden kann. „Natürlich ist uns bewusst, dass auch ein Teil unseres Materials im großen Kreislauf landen wird, allerdings ist auch dort eine Rückführung möglich. Wir freuen uns darauf, das Entwicklungspotenzial voll auszuschöpfen, den Prozess künftig mit unserem strategischen Partner weiter auszubauen und noch besser zu werden“, ergänzt Schmidt. Wie so viele Unternehmen haben auch die Krefelder aktuell noch bekannte Herausforderungen zu bewältigen, wie die Geruchsbildung aufgrund des PC-Regranulates. Hieran arbeiten die Jungunternehmer in engem Austausch mit der Firma Brabender, um eine geeignete Materiallösung zu finden. „Ich schaue positiv und relativ gelassen in die Zukunft, und ohne Herausforderungen wäre es ja auch nicht so spannend“, meint Schmidt.

Wissenswert in diesem Zusammenhang

In Deutschland werden jährlich 1,3 Mio. t Altkleider gesammelt, von denen 156.000 t, also 12 % verbrannt werden, da sie bislang nicht anders entsorgt werden konnten. Diese Ressourcen will das Start-up Crcl nun besser nutzen. Das Unternehmen hat eine Technologie entwickelt, mit der aus Altkleidern und Kunststoffabfällen ein Granulat entsteht, das im Spritzgussverfahren verarbeitet werden kann. Das Material soll Branchen wie der Automobil- oder Möbelindustrie ermöglichen, ihre Produkte umweltschonender herzustellen. Die jungen Gründer Lars Conzendorf und Lauritz Schmidt arbeiten eng mit Partnern zusammen, um den Einsatz des Materials voranzutreiben. Einer davon ist Brabender. Der Hersteller von mess- und verfahrenstechnischen Lösungen für die Prüfung der Qualität verschiedener Rohmaterialien unterstützt Crcl seit einem Jahr. Die Entwicklung des Materials ist noch nicht abgeschlossen, aber die Unternehmer und ihre Entwicklungspartner sehen sich auf einem guten Weg, einen nachhaltigen Einfluss auf die Kreislaufwirtschaft zu nehmen.

Deshalb ist die Entwicklung am Material noch nicht abgeschlossen

Kurzfristig liegt der Fokus von Crcl noch auf der Forschung und Entwicklung, um weitere Optimierungsschritte am Verfahren und Produkt vorzunehmen. Mittel- und langfristig ist das Ziel, einen bleibenden Fußabdruck in der Kreislaufwirtschaft zu hinterlassen, der einen nachhaltigen Einfluss auf die Nutzung vorhandener Ressourcen und die Klimaerwärmung hat. Bisher wurden die beiden Gründer durch das NRW-Gründerstipendium und die Impact Factory von Haniel gefördert. „Aktuell wollen wir mit unserem MVP den Markteintritt gestalten. Jetzt brauchen wir weitere Power und Unterstützung aus der Industrie, denn wir glauben, dass kreislauffähige Produkte aus Abfallströmen zukünftig einen enormen Mehrwert zur Reduktion von CO2-Emissionen haben“, so Conzendorf. Die nächsten Schritte des noch jungen Unternehmens sind also vorgezeichnet.

Quelle: Crcl

Kunststoffrecycling: Der große Überblick

Mann mit Kreislaufsymbol auf dem T-Shirt
(Bild: Bits and Splits - stock.adobe.com)

Sie wollen alles zum Thema Kunststoffrecycling wissen? Klar ist, Nachhaltigkeit hört nicht beim eigentlichen Produkt auf: Es gilt Produkte entsprechend ihrer Materialausprägung wiederzuverwerten und Kreisläufe zu schließen. Doch welche Verfahren beim Recycling von Kunststoffen sind überhaupt im Einsatz? Gibt es Grenzen bei der Wiederverwertung? Und was ist eigentlich Down- und Upcycling? Alles was man dazu wissen sollte, erfahren Sie hier.

Sie möchten gerne weiterlesen?