Wo geht es für die kunststoffverarbeitende Industrie hin? Kann sich der Aufschwung aus dem Sommer halten?

Quo Vadis kunststoffverarbeitende Industrie? Nach deutlichen Produktionseinbußen zu Anfang der Corona-Pandemie, erreichte das Produktionsniveau wieder die Schwelle zum Vorkrisenniveau aus dem Jahre 2019. (Bild: Photo-K - Fotolia.com)

Die Kunststoffindustrie leidet, wie viele andere Industriebereiche auch, unter dem weiter anhaltenden Mangel an Rohstoffen und Vorprodukten. Die volatile Lieferkettensituation und weiterhin steigende Rohstoffpreise kommen erschwerend hinzu. Ein Blick in die Statistiken zeigt: Der Motor des kunststoffverarbeitenden Gewerbes lief bis in den Sommer 2021 hinein schon mit deutlich erhöhter Drehzahl. Doch wie sieht es für den Rest des Jahres 2021 aus?

Wie ist die kunststoffverarbeitende Industrie bislang durch die Corona-Pandemie gekommen?

Bis zum Juli 2021 konnte die Kunststoffverarbeitung den Blick nach vorn richten. Das Produktionsniveau erreichte in etwa den Stand der ersten sieben Monate des Jahres 2019. (Den Rest des Jahres 2019 sank die Produktion hier kontinuierlich). Nach dem Absturz im Lockdown im Frühjahr 2020 und den Nachwehen im anschließenden Sommer hatte sich die Produktion in der Kunststoffverarbeitung schnell gefangen und wieder zu Wachstum aufgeschwungen. Im Frühjahr 2021 hat sie dann dreimal in Folge zweistellig aufgeholt und konnte zuletzt im Juli 2021 um 8,4 % wachsen. Das Wachstum hat sich dann im August mit 2,9 % deutlich verlangsamt, und reichte nicht aus, den Rückgang des Vorjahresmonats (- 6,9 %) auszugleichen.

Und für die restlichen Monate des Jahres 2021? Daten des Ifo Instituts für September zeigen, dass sich die Stimmung in der deutschen Wirtschaft zuletzt deutlich abgeschwächt hat. Demnach waren die Unternehmen weniger zufrieden mit ihrer derzeitigen Geschäftslage und blicken eher skeptisch auf die kommenden Monate. Das hat auch mit der weiterhin angespannten Rohstoffsituation an den Weltmärkten und den damit verbundenen Preiserhöhungen zu tun. Wie sich die Preise im Detail entwickelt haben, haben wir für Sie einmal interaktiv zusammengefasst. Und dennoch: Die Produktionserwartungen in der verarbeitenden Industrie sind weiterhin hoch und haben sich sogar, wie eine aktuelle Umfrage des Ifo Instituts untermauert, sogar noch verbessert. Das gilt insbesondere in zentralen Branchen, wie der Elektroindustrie, dem Maschinenbau, der Automobilbranche und in der Chemischen Industrie.

Produktionsniveau auf die Jahresmonate betrachtet: von 2018 bis Juli 2021.
Daten zur Kunsstoffverarbeitung bis Juli 2021: Das Produktionsniveau hat etwa wieder den Stand der ersten sieben Monate des Jahres 2019 erreicht. (Bild: Destatis)

Aufschwungtrend bei der Kunststoffverarbeitung?

Ende 2020 war die Kunststoffverarbeitung nach neun Quartalen Rezession in die Wachstumszone zurückgekehrt und ging im Juli 2021 ins vierte Aufschwungquartal in Folge. Waren im August und September 2020 pandemiebedingt kräftige Produktionsrückgänge zu verzeichnen, betrug im Zweimonatszeitraum Juni/Juli 2021 das Plus knapp 11 %. Für August/September sind es deutlich über 5 %.

Das Produktionsniveau der Kunststoffverarbeitenden Industrie ist Ende 2020 zum Wachstum zurückgekehrt. Nach 11 % für Juni/Juli 2021 waren es für August/September über 5 %.
Das Produktionsniveau der Kunststoffverarbeitenden Industrie ist Ende 2020 zum Wachstum zurückgekehrt. Nach 11 % für Juni/Juli 2021 waren es für August/September über 5 %. (Bild: Destatis)

Produktion in der Kunststoffverarbeitung holt weiter auf und erreicht fast Vorkrisenniveau

Als der Lockdown im März 2020 angeordnet wurde, waren die wirtschaftlichen Auswirkungen noch nicht absehbar. Anfangs war der Absturz stark, wurde aber schnell abgebremst. Nach der Finanzkrise 2008/2009 hatte es mehr als ein Jahr bedurft, den Einbruch wieder wettzumachen. Zwar war 2020 ähnlich wie 2009 die Rezession schon zuvor im Gange, aber der Lockdown war nicht so fundamental. In weniger als einem Jahr gelang es nun, die Schreckgespenster zu verjagen und sich nach vorn zu orientieren.

Das wird auch anhand der unten dargestellten Grafik deutlich: Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum konnte die Kunststoffverarbeitung 2021 bis einschließlich Juli die Produktion deutlich hochfahren. 2020 war diese um 9,8 % gesunken. Durch Nachholeffekte war die Produktion in den Monaten September bis Dezember 2020 sehr stark gestiegen. Wird das Gesamtniveau in den letzten Monaten des Jahres 2021 gehalten, könnte sich das Produktionsniveau 2021 knapp unterhalb der Vergleichsmarke 2019 einpendeln. Dies aber nicht als Folge der Pandemie, sondern aufgrund anderer Faktoren, die das Wachstum bremsen beziehungsweise zu Produktionsausfällen führen.

Im Zeitraum Januar bis August 2021 betrug das Produktionswachstum in der Kunststoffverarbeitung 10 %. Im gleichen Vorjahreszeitraum waren es 9,8 %.
Im Zeitraum Januar bis August 2021 betrug das Produktionswachstum in der Kunststoffverarbeitung 10 %. Damit wurde der Ausgleich der Lockdown-Rückgänge geringfügig verfehlt. Denn im gleichen Vorjahreszeitraum war die Produktion um 9,8 % gesunken. Stand August 2021 liegt man damit knapp einen Prozentpunkt unter dem Niveau der ersten acht Monate 2019. (Bild: Destatis)

Mehr Exporte ins Ausland – der Inlandmarkt kommt eher schleppend in fahrt

Mit Blick auf die Umsatzentwicklung in den ersten acht Monaten zeigt sich: Insbesondere das Auslandsgeschäft hat profitiert. So verzeichnen Exporte in Länder außerhalb der Eurozone Zuwächse von knapp 19 %. Das Inland legt mit 8,2 % weniger als halb so schnell zu, die Umsätze in der Eurozone noch langsamer. Hier sind es knapp unter 8 %. Man könnte auch sagen: Europa lahmt, nur Übersee treibt die Nachfrage. Die Eurozone erholt sich nur sehr schleppend von der Pandemie, womöglich haben wir es mit einer neuen Eurosklerose zu tun. Schon in der Finanzkrise 2009 wurden viele europäische Länder dauerhaft geschwächt und die Industrieproduktion konnte sich dort kaum erholen. Stattdessen haben deutsche Firmen die Lücken gefüllt und die Märkte besetzt. Inzwischen scheint auch der deutsche Markt nicht so richtig ins Schwung zu kommen, denn ein Großteil des heimischen Absatzes von Kunststoffwaren ist letztlich für den Export in und außerhalb der Eurozone bestimmt, wie zum Beispiel Zulieferteile für Autos, die dann ihrerseits exportiert werden.

Starke Zuwächse im Ausland (Nicht-Eurozone). Hier sind es knapp 19 %. Weniger stark im Inland (8,2 %).
Zuwachs beim Export in Länder außerhalb der EU von Januar bis August 2021: hier sind es knapp 19 % gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Die Inlandsnachfrage zog hingegen nur mit 8,2 % an. (Bild: Destatis)

Umsatzentwicklung in der Kunststoffverarbeitung schwächt sich im dritten Quartal deutlich ab

Kurzfristig zeigt sich bei der Umsatzentwicklung eine bedenkliche Entwicklung bei den Exporten in die Eurozone. Im Juli/August 2021 gingen diese sogar signifikant zurück. Vorboten einer frisch einsetzenden Stagflation, die über kurz oder lang auch auf den heimischen Markt durchschlagen könnte? Aber auch im Export außerhalb der Eurozone scheint sich der Boom deutlich abzukühlen. Das Wachstum hat sich im Vergleich zum vorherigen zweiten Quartal 2021 beinahe halbiert (knapp unter 17 %). Die Umsätze im EU-Ausland sind leicht rückläufig (< -1 %). Die Ergebnisse für das Inland beziffern sich auf 6 %. Insgesamt sei die eher langsame Erholung hauptsächlich auf Technische Teile zurückzuführen, weil in vielen Abnehmerindustrien Produktionen zurückgefahren oder gar vorübergehend ausgesetzt werden mussten – auch weil etwa Chips aufgrund der Halbleiterkrise fehlen. Andere Sektoren der Kunststoffverarbeitung sind bisher noch weniger betroffen.

Weniger Umsatz im dritten Quartal 2021 als noch im Quartal zuvor: Insbesondere das Auslandsgeschäft leidet unter der aktuellen Entwicklung. Hier schlagen unter anderem die Halbleiterkrise (Automobilbranche) und die allgemeine Rohstoffkrise/Preisentwicklung mitein.
Weniger Umsatz im dritten Quartal 2021 als noch im Quartal zuvor: Insbesondere das Auslandsgeschäft leidet unter der aktuellen Entwicklung. Hier schlagen unter anderem die Halbleiterkrise (Automobilbranche) und die allgemeine Rohstoffkrise/Preisentwicklung mitein. (Bild: Destatis)

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