Outdoor-Jacken

Zwei Varianten: Blau oder grün? Die Außenschicht der der neuen Jacke links enthält Polyester aus PET-Flaschen. Die grüne Farbe zeigt, dass Material aus dem Recyclingprozess verarbeitet ist. (Bild: Schoeller Textil AG)

Das Verbrennen von Textilien belastet die Umwelt und stößt Schadstoffe aus. Künftig soll das anders werden – hin zu kreislauf-wirtschaftlichen Prinzipien mit Recycling. Am Beispiel einer Outdoor-Jacke haben Forscher der Empa nun untersucht, ob das Produkt tatsächlich hält, was die Idee verspricht.

"Grün" im Sinne der Kreislaufwirtschaft

Eine normale Regenjacke: Drei Schichten Polyester, innen ein Futter, darüber eine wasserdampf-durchlässige Membran und außen wasserabweisendes Gewebe, mit einer Kapuze. Doch etwas ist anders. Statt in Kragenhöhe zu enden, zieht sich der Reißverschluss hoch bis über die Stirn. Was auf den ersten Blick kurios anmutet, hat System. Denn der Reißverschluss soll optisch auffallen, er dient aber vor allem dem Recycling: Festgenäht mit einem Garn, das sich in kochendem Wasser auflöst, lässt er sich leichter entfernen als zwei Verschlüsse. Die hellgrüne Farbe entsteht ebenfalls durch Recycling: das Rohmaterial, ein Granulat aus einem Gemisch unterschiedlicher, aber sortenreiner Textilien, ist dunkelgrün – und das Aufschmelzen und Ausspinnen des Materials für neue Garne hellt es auf.

Jacke folgt dem Design-2-Recycle-Ansatz

Magnetknöpfe, Nähte, Säume: Jedes Detail der Jacke folgt dem Design-2-Recycle-Ansatz, nach dem die Industriepartnerschaft Wear2Wear agiert. Dazu haben sich sechs Unternehmen aus Europas Textilbranche vereint, um die Kreislaufwirtschaft zu fördern. Schließlich enden mehr als 70 % aller weltweit produzierten Textilien auf einer Deponie oder in der Müllverbrennung, ohne rezykliert zu werden.

Ein Team der Empa-Abteilung „Technologie und Gesellschaft“ hat die Jacke und ihre Umweltwirkungen genauer untersucht. Mit Hilfe einer Lebenszyklus-Analyse über eine Gebrauchsdauer von vier Jahren, dreimaliges Waschen eingerechnet. Die Kandidaten: eine ohne kreislaufwirtschaftliche Methoden produzierte Variante, die „Startversion“ der seit 2019 erhältlichen Jacke in blauer Farbe – mit einer Außenschicht aus Polyester, das aus dem Material gebrauchter PET-Flaschen stammt – und die grüne Version aus dem nachfolgenden Recycling-Prozess, in der unvermeidliche Materialverluste durch neues Polyester ersetzt sind.

Recyclingprodukte besser als Neuware

Die Analysen zeigen, dass die Recyclingprodukte besser abschneiden – in elf untersuchten Umweltrisiko-Kategorien, darunter Erderwärmung, Toxizität für Ökosysteme und Wasserknappheit. Auffällig Große Vorteile zeigen sich etwa bei der Luftverschmutzung, weil ohne Verbrennung weniger Schadstoffe freigesetzt werden. Und bei der Wasserknappheit, vor allem bei der grünen Jacke nach der ersten Recycling-Schleife, für die keine PET-Flaschen mehr verwendet werden.

Beim Treibhauseffekt liegt der maximale Umweltnutzen bei gut 30 %. Die Verwendung von PET-Flaschen bringt für die Bilanz hingegen keine großen Vorteile. Entscheidend ist dagegen die Zahl der Rezyklierdurchgänge zu immer neuen Jacken: Die Bilanz verbessert sich von Jacke zu Jacke – vorausgesetzt, die Qualität des Polyesters bleibt hoch genug.

Herkunft des Rohmaterials mitentscheident

Laut Annette Mark vom Textilhersteller BTK Europe, die an dem Produkt mitgewirkt hat, unterscheidet sich das Rohmaterial je nach Herkunft teils deutlich. Wurden die Fasern mit bestimmten Hilfsstoffen beschichtet, können die Düsen der Spinnmaschinen verstopfen. Und allgemein sinkt die Qualität mit der Anzahl der Rezyklierungen: unregelmäßigere Strukturen des Garns und geringere Festigkeit.

Ob die Jacke ein Markterfolg wird? „Die Textilbranche ist im Umbruch. Es findet ein Umdenken statt, das wir nicht verpassen sollten“, sagt Mark. Doch Großkonzerne, die bereits ähnliche Produkte entwickeln, „haben ganz andere Möglichkeiten“. Immerhin sind Gespräche mit einem Hersteller von Sportbekleidung im Gange – für eine Fleece-Jacke, bei der auch die Erkenntnisse der Empa helfen könnten.

Quelle: Empa

Mikroplastikfasern aus Textilien

Textilien aus Polyester sind wegen der Freisetzung von Mikroplastikfasern – etwa beim Waschen – in den Schlagzeilen, was zuweilen als Gefahr für Mensch und Umwelt dargestellt wird. Die Empa hat Entstehung und Freisetzung von Mikroplastikfasern untersucht. So werden Fasern vor allem an Stoffrändern freigesetzt. Ihre Entstehung und Freisetzung hängt unter anderem von der Art der Faser ab, von Oberflächenbehandlung und der Art des Schneidens. Aus lasergeschnittenen Textilien werden gegenüber anderen beim Waschen deutlich weniger Fasern freigesetzt. Gemeinsam mit Industriepartnern arbeitet man daran, die Entstehung dieser Fasern bei der Herstellung weiter zu reduzieren. In Schweizer Kläranlagen werden Mikrofasern allerdings zumeist aus dem Abwasser entfernt und mit dem Klärschlamm verbrannt.

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