Aufgeblasener Probekörper

Aufgeblasener Probekörper ohne schwarz-weiß Muster, Anlegen des Kreisrings mit dem Durchmesser Ø 50 mm. Das Lineal dient zur visuellen Kontrolle der Blasenhöhe während des Tests. (Bild: Fraunhofer LBF)

Das Modellieren auf Basis eines Zugversuchs ist einfach, für reale Elastomere aber nicht ausreichend. Ziel ist es daher, wertvolle Informationen über das mechanische Verhalten von Elastomeren unter mehrachsigen Belastungen bereitzustellen. Der Aufblasversuch ist die einfachste Möglichkeit, biaxiale Zugbelastungen an Elastomerplatten zu
realisieren. Die im Fraunhofer LBF entwickelte neue Methode liefert Daten für eine zuverlässige Modellierung von Bauteilen. So können Elastomerkomponenten für Automobile, Komponenten im Flugzeugbau oder Produkte für Sport, Medizin und Haushalt zuverlässig und kostengünstig ausgelegt werden.

Geometrieänderungen der Blase im Post-Processing auswerten

Die Prüfvorrichtung besteht aus einem Kreisring, einer Elastomerplatte sowie einer Grundplatte. Die Elastomerplatte wird in die Prüfvorrichtung eingespannt und mit Wasser beaufschlagt, wodurch sie sich als Blase ausdehnt. In der Mitte der Blase tritt eine gleichmäßige biaxiale Zugspannung auf. Spannungskonzentrationen im Einspannbereich werden durch ein spezielles Design des Kreisrings vermieden. Um eine optimale Fixierung der Platte zu gewährleisten, wird der Kreisring auf der Grundplatte zentriert und sorgfältig verschraubt. Das Auswerten der Geometrieänderung der Blase
unter der Belastung erfolgt im Post-Processing über die 3D-Software GOM Aramis. Die Versuchsergebnisse können bis zu einer Höhe der Blase von 45 mm ausgewertet werden. Dabei wird die maximale Höhe durch Anpassung des Durchmessers des Kreisrings eingestellt. Der Innendurchmesser des Kreisrings von 40 bis 50 mm wird für Elastomerplatten empfohlen, um zuverlässige Ergebnisse bei der Auswertung zu erhalten. Eine elliptische Bohrung kann ebenfalls verwendet werden, um zusätzliche Spannungszustände in der Blase für eine vertiefte Materialanalyse zu erhalten. Als Druckmedium werden Wasser oder alternative Fluide eingesetzt. Die Untersuchungen werden nach Kundenspezifikationen oder Normen durchgeführt.

Dreidimensionalen Deformationen durch digitale Bildkorrelation auswerten

Optimale Ergebnisse werden bei Probekörpern mit einem Außendurchmesser von 110 mm erzielt. Die Dicke der Materialien wird vor der Untersuchung gemessen. Diese Messung basiert auf einem im Fraunhofer LBF entwickelten Verfahren, das die Entstehung der Spannungskonzentrationen im Messbereich verhindert. Die Probe wird mit einem statistisch verteilten schwarz-weiß Muster gesprenkelt und anschließend direkt geprüft, um eine optimale Haftung zwischen der Platte und dem Muster zu gewährleisten. Dies ermöglicht die Auswertung der Dehnungen auf der
Probenoberfläche durch digitale Bildkorrelation. Zusätzlich erlaubt der Aufbau, Ergebnisse zum potentiellen Spannungswhitening in einem isochoren Deformationsmodus zu erhalten. Dies geschieht durch die Betrachtung eines
unlackierten Flecks im vierten Quadranten der Probe. Um Daten über eine mögliche Anisotropie des Materials zu erhalten, werden alle Probekörper unter Berücksichtigung ihrer Orientierung in die Prüfvorrichtung eingebaut. Der Aufbau ermöglicht es, die Probekörper ohne Luftblasen auf der Grundplatte zu platzieren, wodurch sichergestellt wird, dass die Inkompressibilitätsannahme für die druckbeaufschlagenden Medien erfüllt ist. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler analysieren die individuellen Herausforderungen bei der Modellierung von Elastomeren und bieten Expertise auf allen Ebenen des Konstruktionsprozesses.

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