Deutschland im Kontext der NKWS der Bundesregierung

Die NKWS soll den Weg zu einer zirkulären Wirtschaft in Deutschland aufzeigen und darstellen, wie die Bundesregierung im Schulterschluss mit Wirtschaft und Gesellschaft die Rahmenbedingungen für diese Entwicklung verbessern kann. (Bild: Dalle 3 / OpenAI)

Derzeit erarbeitet die Bundesregierung eine Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS), die Ziele und Maßnahmen zum zirkulären Wirtschaften und zur Ressourcenschonung aus sämtlichen relevanten Strategien bündelt. Insbesondere der primäre Rohstoffverbrauch soll hierbei gesenkt werden und geschlossene Stoffkreisläufe angestrebt werden.

Was sind die zentralen Ziele der NKWS?

  • Ressourceneffizienz erhöhen: Durch die Optimierung von Produktionsprozessen und die Förderung der Wiederverwendung von Materialien soll der Verbrauch von Primärrohstoffen reduziert werden.

  • Umwelt- und Klimaschutz: Indem der Einsatz von neuen Rohstoffen verringert wird, sollen die Umweltbelastungen und CO2-Emissionen gesenkt werden.

  • Wettbewerbsfähigkeit stärken: Durch innovative Geschäftsmodelle und eine stabilere Rohstoffversorgung soll die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gesteigert werden.

  • Versorgungssicherheit: Die Abhängigkeit von Rohstoffimporten, insbesondere aus instabilen Ländern, soll verringert werden.

  • Nachhaltiger Konsum: Verbraucherinnen und Verbraucher sollen ermutigt werden, auf nachhaltige Produkte und Dienstleistungen zu setzen, die umweltfreundlicher und langlebiger sind.

Welche Maßnahmen umfasst die NKWS?

  • Förderung von Forschung und Innovation im Bereich Kreislaufwirtschaft.
  • Schaffung von Anreizen für Unternehmen, ressourceneffiziente und recyclingfähige Produkte zu entwickeln.
  • Verbesserung der gesetzlichen Rahmenbedingungen für Recycling und Abfallvermeidung.
  • Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Vorteile und Möglichkeiten der Kreislaufwirtschaft.

Insgesamt zielt die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie darauf ab, einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung in Deutschland zu leisten und die Wirtschaft auf zukunftsfähige Weise zu transformieren.

Wie arbeitet die Bundesregierung bei der NKWS zusammen?

Die Kreislaufwirtschaft ist ein bereichsübergreifendes Thema, das viele Fachdisziplinen und Interessengruppen einbindet. Für die Entwicklung der Strategie wurden zahlreiche Experten und Stakeholder konsultiert, um eine ausgewogene, umsetzbare und dennoch ambitionierte Strategie für Deutschland zu formulieren. Eine bedeutende Veränderung der Stoffströme und Wertschöpfungsketten erfordert die Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene.

Daher koordinieren sich die betroffenen Ministerien innerhalb der Bundesregierung regelmäßig. Im Rahmen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie, die vom Bundeskanzleramt verantwortet wird, wurde ein ressortübergreifendes Transformationsteam für die Kreislaufwirtschaft eingerichtet, das auch die Erstellung der NKWS unterstützt. (Quelle: Dialog-NKWS)

Was passiert nach der Verabschiedung der NKWS?

Die Ressortabstimmung findet derzeit  innerhalb der Bundesregierung statt. Auf Basis des Entwurfs werden die die Stakeholder erneut einbezogen. Der öffentliche Konsultationsprozess zum Entwurf der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) endet am 9. Juli 2024. Ein Kabinettsbeschluss ist für Herbst 2024 geplant.

Um die Ziele der NKWS bis 2045 zu erreichen, müssen die in der Strategie verankerten Maßnahmen und Instrumente nach der Verabschiedung zügig und konsequent umgesetzt werden. Der Austausch mit den Stakeholdern soll kontinuierlich fortgesetzt werden. Außerdem ist geplant, die Vorhaben und Zeitpläne in einer Roadmap 2030 weiter zu konkretisieren. Ein begleitendes Monitoring- und Evaluationssystem wird darüber hinaus den Fortschritt der Umsetzung überwachen. (Quelle: BMUV)

So blickt die Gummi- und Kautschukindustrie auf die NKWS

Ein Kreislaufsymbol eingebettet in Farben und Pflanzen
(Bild: Dalle 3 / Open AI)

Azur begrüßt den Entwurf der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) für Deutschland, fordert aber die adäquate Berücksichtigung der nachhaltigen Reifen-Kreislaufwirtschaft. Diese stehe im Einklang mit den Leitbildern der NKWS zur Transformation in eine ressourcenschonende Wirtschaft. Einige Ziele werden von der Reifen-/Recyclingindustrie bereits vorbildlich erfüllt. Derzeit werden in Deutschland bereits über 70 % der Altreifen durch Reparatur, Runderneuerung, stoffliches und chemisches Recycling im Kreislauf gehalten.

Zertifizierte Altreifenentsorger (ZARE) verhindern die illegale Deponierung von Altreifen in der Natur und führt gebrauchte Reifen nach Prüfung der optimalen Weiterverwertung zu. Die Runderneuerung trägt zur Sicherung der Rohstoffversorgung und zur Dekarbonisierung der Industrie bei. Das stoffliche Recycling von Altreifen hält wertvolle Rohstoffe (v.a. Kautschuk) im Kreislauf. Und im chemischen Recycling werden aus Altreifen wertvolle Sekundärrohstoffe gewonnen – zum Beispiel recovered Carbon Black (rCB) für die Neureifenherstellung.

Um diese  Verfahren und Technologien im Einklang mit der NKWS in Deutschland weiter auszubauen und die Reifen-Kreislaufwirtschaft zu stärken, bittet Azur um ihre angemessene Berücksichtigung in Absatz 4.4 der prioritären Handlungsfelder für die Transformation: Fahrzeuge, Batterien und Mobilität.

Folgende Maßnahmen sollten daher in die Absätze 4.4.3 (Visionen, Ziele und Indikatoren) und 4.4.4 (Konkrete Maßnahmen und Instrumente) aufgenommen werden:

  • Neureifen müssen über ein Kennzeichnungssystem (RFID-Chip) elektronisch lesbar sein. Durch die Erkenntnisse aus der Datenerfassung wird der gesamte Recyclingprozess von Reifen nachhaltig optimiert.
  • Altreifen dürfen nur über zertifizierte Entsorger (ZARE) eingesammelt und nach Verwendungszweck vorsortiert werden. So wird sichergestellt, dass die Karkassen per Reparatur oder Runderneuerung weiterverwendet oder als Rohstoffquelle dem umweltgerechten stofflichen oder chemischen Recycling zugeführt werden können.
  • Karkassen von Reifen (die mit enormer Einsparung an Rohstoffen, Energie, CO2-Emissionen und Abfall runderneuert werden können) müssen als Handelsware gelten, als Wertstoff klassifiziert (Ende der Klassifizierung als Abfall) und der Runderneuerung zugeführt werden.
  • Runderneuerte Reifen müssen endlich in den Anwendungsbereich der aktuellen Reifenkennzeichnungs-Verordnung (EU) 2020/740 aufgenommen werden, um gemäß der EU-Kriterien für die umweltorientierte öffentliche Beschaffung rechtssicher auf allen Fahrzeugen der öffentlichen Hand eingesetzt werden zu können.
  • Nicht (mehr) runderneuerbare Altreifen müssen zu 90 % der umweltgerechten stofflichen Verwertung zu nachhaltigem Gummigranulat und Gummimehl in Europa zugeführt werden. Der Altreifen-Export in Nicht-EU-Staaten muss verboten werden.
  • Innovative, ressourcenschonende Devulkanisationsverfahren und Pyrolyseverfahren müssen gefördert und ökologisch wie ökonomisch weiter optimiert werden. (Quelle: Azur)

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Initiative New Life rückt Altreifenrecycling in den Fokus

Auch diese Initiative begrüßt den Entwurf einer Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) für Deutschland, mahnt jedoch auch zur adäquaten Berücksichtigung des nachhaltigen Altreifenrecyclings.

Das stoffliche Altreifen-Recycling stehe demnach im Einklang mit den Leitbildern der NKWS zur Transformation in eine ressourcenschonende Wirtschaft. Einige der im NKWS-Entwurf beschriebenen Leitlinien und Ziele werden von der stofflichen Altreifenverwertung bereits vorbildlich erfüllt. Diese hält zum Beispiel wertvolle Rohstoffe (vor allem Kautschuk) im Kreislauf, was zur Schonung der natürlichen Ressourcen beiträgt, reduziert die Abhängigkeit von Rohstoffimporten und spart zudem 700 kg CO2-Emissionen pro Tonne Altreifen (gegenüber deren Verbrennung), was dem NKWS-Ziel der Dekarbonisierung entspricht.

New Life hält die Aufnahme folgender Maßgaben für unerlässlich:

  • Altreifen, die nicht mehr runderneuert werden können, müssen zu 90 Prozent dem umweltgerechten stofflichen Recycling zugeführt werden.
  • Der Altreifen-Export in Nicht-EU-Staaten muss verboten werden.
  • Altreifen, die noch als Brennstoff eingesetzt, müssen möglichst schnell stofflich verwertet werden. Nur nicht recycelbare Reifen dürfen thermisch verwertet werden.
  • Recycling-Gummigranulat enthält fest gebundenes PAK, dessen Migration unter realistischen Rahmenbedingungen nicht messbar ist. Im Rahmen der Überprüfung geltender PAK-Grenzwerte durch die EU-Kommission müssen gefährdungsbezogene, migrations- und emissionsbasierte Messverfahren auf EU-Ebene umgesetzt werden, um das nachhaltige stoffliche Recycling von Altreifen nicht zu gefährden.
  • Alle Regulierungen und Zertifizierungen sollten auf ihre Kreislauftauglichkeit geprüft werden. Der Rezyklat-Einsatz sollte gefördert und nicht verboten werden. (Quelle: New Life)

Was sagt der WDK zur NKWS?

Der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie (WDK) bezieht sich hinsichtlich der NKWS ebenso auf das Thema des Altreifenrecyclings. Der hier geleistete Erfolg sei durch die europäische Gesetzgebung gefährdet. Die Europäische Chemikalienregulierung, der Abfall-Ende-Status, die EU-Verordnung zu entwaldungsfreien Lieferketten EUDR und weitere Vorschriften beeinträchtigen demnach das Altreifenrecycling.

Um die Kreislaufwirtschaft bei Altreifen wirklich zirkulär zu gestalten, müssen laut WDK folgende Bedingungen erfüllt sein:

  • Recyclingprodukte fördern, nicht verhindern: Es darf keine strengeren rechtlichen Anforderungen an Recyclingprodukte geben als für die Ausgangsprodukte.
  • Deutschland und die EU fordern ein Mehr an Recycling. Die aktuellen Quoten sind bei weitem nicht ausreichend für eine zirkuläre Wirtschaft. Dies liegt zwar auch an den aktuell noch meist höheren Kosten für Recyclingprodukte, aber vor allem an der rechtlichen Unsicherheit bezüglich der Inhaltsstoffe und deren möglichen Restriktionen. Wenn Recycling möglich sein soll, dürfen die rechtlichen Anforderungen an Recyclingprodukte nicht strenger sein als die für die Ausgangsprodukte. Zudem muss ein Moratorium für die Ausgangsprodukte/Neuprodukte, die dem Recycling zugeführt werden, erlassen werden. Ein Produkt, das zum Beispiel vor fünf Jahren hergestellt wurde, könnte heute auf- grund sich verschärfender Grenzwerte oft nicht eingesetzt werden. Wie könnte dann ein konformes Re(Up-)Cycling Produkt daraus entstehen? Langlebige Produkte müssen sinnvoll recyclebar sein.

Bei der Regulierung muss das tatsächliche Risiko (Risikoansatz) und nicht die abstrakte Gefahr (Vorsorgeansatz) in den Mittelpunkt gerückt werden:

Menschen und Umwelt müssen vor Schäden durch natürlich vorkommende und synthetische Stoffe geschützt werden. Die Maßnahmen sind dabei an das jeweilige Risiko anzupassen. Wie groß dieses Risiko ist, hängt von mehreren Faktoren ab:

  • von der mit dem Stoff verbundenen Gefahr;
  • von der Verwendung des Stoffs der Produkte, die ihn enthalten;
  • von der Exposition, also wie lange und welcher Stoffmenge Personen oder die Umwelt ausgesetzt

Mensch und Umwelt werden effektiver vor gefährlichen Chemikalien geschützt, wenn sich der Gesetzgeber darauf konzentriert, das tatsächliche Risiko (Risikoansatz) anstelle der abstrakten Gefahr (Vorsorgeansatz) zu minimieren. Dabei müsste jeweils geprüft werden, welches gesetzliche Werk- zeug tatsächlich dort ansetzt, wo ein Risiko besteht. Das kann das Stoffrecht, aber auch das Umwelt- recht oder Abfallrecht sein.

Generell sollte immer eine Expositionsbetrachtung die Grundlage für jegliche Einschränkung sein. Denn die Migration mit den entsprechend abgestimmten Bedingungen ist in der Lage, das reale Gebrauchsszenario eines Produktes aus Sekundärrohstoffen abzubilden und ermöglicht damit eine wissenschaftlich basierte Risikobewertung. (Quelle: WDK)

Was sagen die Verbände und Unternehmen aus der Kunststoffindustrie zur geplanten NKWS?

Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung e.V. (BVSE) unterstützt die Bestrebungen der NKWS ausdrücklich und erkennt ihre Schlüsselrolle für Klimaneutralität, Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Resilienz an. Dennoch weist der Verband auf erhebliche Defizite des vorgelegten Entwurfes hin und fordert konkretisierte Maßnahmen sowie klare Zeitpläne. Positiv hervorzuheben sei laut Verband, dass die NKWS nicht nur auf Klimaneutralität, sondern auch auf die Stärkung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähigkeit fokussiert. Eine starke Wirtschaftsbasis sei demnach unerlässlich für die Erreichbarkeit von Klimaneutralität.

Jedoch erfüllt der derzeitige Entwurf nicht immer die eigenen Ansprüche. Es fehlen spezifische Zeitrahmen und detaillierte Maßnahmen, während viele Passagen zu allgemein gehalten sind und lediglich auf geplante europäische Regelungen verweisen, kritisiert der Recyclingverband. Insbesondere die Belange mittelständischer Unternehmen, die für die Wettbewerbsfähigkeit entscheidend sind, wurden laut Eric Rehbock nur unzureichend berücksichtigt.Abfallhierarchie einhaltenEin zentraler Aspekt ist die Einhaltung der Abfallhierarchie, die entscheidend ist, um den Anteil der Sekundärrohstoffe zu erhöhen. Der Verband betont, dass die Erfassung und Aufbereitung in der Vorkette für die Gewinnung von Sekundärrohstoffen von großer Bedeutung sind. Hier sieht der Verband Defizite in der aktuellen Ausgestaltung der NKWS, da insbesondere Sammlung und Sortierung nicht ausreichend gewürdigt wurden.Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die energetische Verwertung in Deutschland. Die bestehenden Kapazitäten in Müllverbrennungsanlagen (MVA) übersteigen das jährliche Aufkommen von Rest- und Hausmüll um etwa 7 Mio. t, was zeigt, dass auch gewerbliche Abfälle, die grundsätzlich für Sortierprozesse zur Verfügung stünden, verbrannt werden. Dies steht im Widerspruch zur konsequenten Anwendung der Abfallhierarchie. Die Definition von Abwärme aus der Müllverbrennung als "unvermeidbare Abwärme" und ihre Gleichsetzung mit 100 % erneuerbarer Energie im Gebäudeenergiegesetz (GEG) sowie im Wärmeplanungsgesetz (WPG) setzt falsche Anreize und fördert die Müllverbrennung. Die Müllverbrennung erhält einen regenerativen Charakter, im Ergebnis wird gegenüber einer stofflichen Verwertung jedoch mehr CO2 freigesetzt.Für eine funktionierende globale Kreislaufwirtschaft ist der globale Handel mit Sekundärrohstoffen unerlässlich. Daher sei die pauschale Annahme grundfalsch, dass reduzierte Abfallexporte in Drittländer keine negativen Auswirkungen für die Kreislaufwirtschaft hätten. Rehbock: "Aufbereitete Rohstoffe wie Metallschrotte, Altpapier oder Altglas haben einen positiven Marktwert und stützen funktionierende Märkte. Es liegt daher im Interesse einer globalen Kreislaufwirtschaft, diese Rohstoffe ohne Einschränkungen exportieren zu können."

Auch der Mittelstand soll stärker einbezogen werdenMittelständische Unternehmen spielen eine entscheidende Rolle in der Kreislaufwirtschaft. Die NKWS sollte daher gezielte Fördermaßnahmen für Recycler beinhalten. Der hält die vorgeschlagene "Plattform für Kreislaufwirtschaft" für ein gutes Instrument, um konkrete Maßnahmen zu diskutieren und umzusetzen. (Quelle: BVSE)

Kunststoffrecycling: Der große Überblick

Mann mit Kreislaufsymbol auf dem T-Shirt
(Bild: Bits and Splits - stock.adobe.com)

Sie wollen alles zum Thema Kunststoffrecycling wissen? Klar ist, Nachhaltigkeit hört nicht beim eigentlichen Produkt auf: Es gilt Produkte entsprechend ihrer Materialausprägung wiederzuverwerten und Kreisläufe zu schließen. Doch welche Verfahren beim Recycling von Kunststoffen sind überhaupt im Einsatz? Gibt es Grenzen bei der Wiederverwertung? Und was ist eigentlich Down- und Upcycling? Alles was man dazu wissen sollte, erfahren Sie hier.

Wie äußert sich Plastics Europe Deutschland zur NKWS?

Der paneuropäische Verband der Kunststofferzeuger hat sich ebenfalls zur NKWS und dem Entwurf geäußert. Bereits nach bekanntwerden des ersten Entwurfs gab es eine erste Reaktion hierzu, wie Sie hier nachlesen können. Dr. Alexander Kronimus, kommissarischer Hauptgeschäftsführer von Plastics Europe Deutschland e.V. kommentiert dies folgendermaßen: „Wir haben unsere Mitglieder befragt und beim Bundesumweltministerium eine Stellungnahme eingereicht. Die Unternehmen begrüßen, dass der Entwurf sowohl Abfallvermeidung, zirkuläres Produktdesign als auch komplementäres werkstoffliches und chemisches Recycling sowie den Einsatz von Biomasse und CO₂ in die Strategie einbezieht. Sie sehen jedoch auch Nachbesserungsbedarf in Bezug auf die Wirksamkeit einiger vorgeschlagener Maßnahmen“.

Alexander Kronimus, kommissarischer Hauptgeschäftsführer von Plastics Europe Deutschland e.V.
Alexander Kronimus, kommissarischer Hauptgeschäftsführer von Plastics Europe Deutschland e.V. (Bild: Plastics Europe / Ulrik Eichentopf)

Der Verband sieht hier die Entwicklungen zu einer Reduzierung der Materialkomplexität auf Produktebene im Sinne eines kreislauffreundlichen Produktdesigns. Einschränkende Maßnahmen hingegen, wie eine grundsätzliche Verminderung der Materialvielfalt, würden die Entwicklung neuer innovativer Materialien, die für die Transformation benötigt werden, erschweren. Nicht-fossile Kohlenstoffquellen wie Biomasse und CO₂ seien essenziell für die Transformation der Kunststoffproduktion. Die Verfügbarkeit dieser Rohstoffgrundlagen sollte nicht durch undifferenzierte Reduktionsziele eingeschränkt werden.

Kunststoffhersteller würden "polymerspezifische Ziele" für den Rezyklateinsatz ablehnen, so Plastics Europe. ab. Die Anforderungen an eingesetzte Materialien werden durch Produkte bestimmt. „Sinnvolle Anreize für den Rezyklateinsatz müssen deshalb auf der Produktebene gesetzt werden“, so Kronimus. (Quelle: Plastics Europe Deutschland)

Was Cirplus hierzu sagt

Auch die digitale Beschaffungsplattform Cirplus, Hamburg, begrüßt den Entwurf zur NKWS. Die darin verfassten strategischen Leitziele (2.2.) gliedern die NKWS als Instrument zum Wirtschaften innerhalb der planetaren Grenzen ein. Das Unternehmen bemängelt hierbei das, sowohl im Dokument als auch in den Diskussionen am Runden Tisch Kunststoffe, Fehlen der der Verankerung der Reduktion des Carbon Footprints beziehungsweise der
Treibhausgasemissionen. "Die Bundesregierung möge prüfen, inwiefern dies als eigenständiges strategisches Ziel aufgenommen werden kann,
und insbesondere als Entscheidungskriterium bei der Bewertung von Technologiepfaden zum Erreichen der anderen strategischen Ziele verankert werden kann", sagt Christian Schiller, Gründer und CEO von Cirplus. Dies käme zwar bereits im Abschnitt 2.3 als ergänzendes Ziel zum Ausdruck, der zentralen Bedeutung des Klimaschutzes als zentrales Leitmotiv wirtschaftlicher Aktivität im Jahr 2045 werde diese fast beiläufige Erwähnung nicht gerecht, so Schiller.

Christian Schiller, Gründer und CEO von Cirplus
(Bild: Cirplus)

Des Weiteren begrüße man ausdrücklich die hervorgehobenen Stellung, die die Digitalisierung zur Umsetzung der strategischen Ziele der NKWS einnimmt. Gleichwohl möge die Bundesregierung prüfen, "ob sie das sogenannte "Twinning", also die inhaltlich zwingende Verzahnung zwischen digitalem und grünem Wandel allen Gesetzesvorhaben und Maßnahmen als obligatorisches Bewertungskriterium voranstellt respektive vom Maßnahmenautor einfordert", erklärt der CEO.

Auch das Thema Künstliche Intelligenz (KI) sollte berücksichtigt werden. Bei der F&E sollen Maßnahmen erwogen werden, inwiefern gesonderte Mittel für diesen Bereich zur Verfügung gestellt werden können. Es seien "alle Maßnahmen zu begrüßen, die die Transparenz und Datenerfassung der Stoffströme in der Kunststoffkreislaufwirtschaft erhöhen".

Cirplus begrüßt in ihrem Statement, dass die Bundesregierung die Kunststoffindustrie "zum fundamentalen Umbau ihres Geschäftsmodells auffordert". Der Weg hin zu einem "Zirkularitätsdienstleister für Kunststoffe", setze ein "radikales Umdenken bei Shareholdern und Management der Kunststoffindustrie vorausund wird ohne flankierenden gesetzlichen Rahmen Wunschvorstellung bleiben", betont Schiller und ergänzt: "Es gilt, den Business Case für das zirkuläre Management von Kohlenstoffen zu etablieren durch Steuerungsinstrumente wie etwa einer zielgerichteten Kunststoffsteuer".

Zitat

"Lineare Produktion und einmalige Nutzung von Kunststoffprodukten müssen im Ergebnis zu unrentablen Geschäftsmodellen führen; hingegen muss die Bundesregierung zumindest für den Beginn des Transformationsprozesses lenkend in den Markt eingreifen und einen Rahmen setzen, der die wirtschaftlichen, technologischen und sozialen Nachteile von Mehrweg-Modellen bzw. von der Produktion von Kunststoffrezyklaten überkompensiert"

Christian Schiller, Gründer und CEO von Cirplus

Bei dieser Rahmensetzung sei es wichtig, so Schiller, dass die Kunststofferzeuger als wirkmächtigster Akteur der Wertschöpfungskette in ihrer Gesamtheit ein inhärentes wirtschaftliches Interesse an denjenigen Kreislauftechnologien entwickelt, die den geringsten Carbon Footprint bzw. den geringsten Schaden an Mensch und Umwelt verursachen. Es müsse ein Divestment von ausschließlich linearen Raffineriekapazitäten angestrebt werden und massive Investitionen in den Kapazitätsaufbau und die Forschung in das mechanische Recycling sowie im Austausch mit Markenherstellern auf das Redesign der gesamten Produktpalette mit dem Ziel “Design for Circularity” hingewirkt werden.

Die weiteren Forderungen im Zusammenhang mit dem NKWS-Entwurf zusammengefasst:

  • Absolute Senkung des virginen Kunststoffverbrauchs als eigenständiges Ziel an den Anfang des Abschnitt stellen, in Einklang mit Strategischem Leitziel 1.
  • Etablierung eines “Unlevel-Playing-Field” zugunsten von Kunststoffrezyklaten.
  • Prüfung eines Einspeisevorrangs für mechanische Rezyklate (im Sinne einer an Subsidiarität ausgerichteten Technologieförderung).
  • Ersetzung des Begriffs der “Komplementarität” zwischen mechanischem und chemischem Recyclings durch den Begriff der “Subsidiarität”.
    • Subsidiarität als Voraussetzung für Quotenanerkennung und Technologieförderung verankern.
  • Wenn und soweit Massenbilanzierung für die Berechnung von Rezyklatanteil überhaupt herangezogen werden soll, dann nur Anerkennung von
    “proportional allocation” oder “polymers-only”, nicht “fuel-exempt
  • Massive Förderung für "Design 4 Circularity" und den Ausbau des  mechanischen Recyclings in Aussicht stellen, angesichts des überlegenen
    ökologischen Fußabdrucks dieser Kreislaufwirtschaftstechnologie. (Quelle: Cirplus)

VDI: Das fehlt der NKWS noch

Der VDI Verein Deutscher Ingenieure e.V. begrüßt die Pläne einer NKWS: "Er ist ein wichtiger Beitrag für die notwendige Transformation hin zu einer zirkulären und ressourceneffizienten Wirtschaft und damit auch für mehr Klima- und Umweltschutz", erklärt Adrian Willig, VDI-Direktor Willig. Gleichzeitig empfiehlt der VDI eine Einbeziehung des Gesundheitssektors. Denn, so Willig: "Viele Studien zeigen, dass der Gesundheitssektor im erheblichen Maße zum Abfallaufkommen, Rohstoffkonsum und Treibhausgasemissionen in Deutschland beiträgt" Erhebliche Potenziale für Ressourcenschonung sind über eine effiziente Nutzung und Kreislaufführung von Medizinprodukten zwar vorhanden, werden allerdings kaum genutzt, wie es heißt.

Für eine erfolgreiche NKWS braucht es demnach:

  • Das Etablieren einer Plattform für Kreislaufwirtschaft, um gemeinsam mit allen Stakeholdern kontinuierlich an der Umsetzung der NKWS zu arbeiten.
  • Die Entwicklung von Normen und Standards für eine zirkuläre Wirtschaft.
  • Eine umfassende CO2-Bepreisung.
  • Für einen breiten Hochlauf einer Kreislaufwirtschaft braucht es die Digitalisierung.

Wie sich der VDI im Ganzen geäußert hat, können Sie hier nachlesen.

 

So äußert sich der GKV

Dr. Oliver Möllenstädt
Hauptgeschäftsführer des GKV: Dr. Oliver Möllenstädt. (Bild: GKV)

Der Gesamtverband Kunststoffverarbeitende Industrie e.V. (GKV) begrüßt den Entwurf einer Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie. Der Erarbeitung der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) war ein mehrmonatiger Konsultations- und Dialogprozess unter Einbeziehung vieler Stakeholder und unter Federführung des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz (BMUV) vorausgegangen. Der GKV begrüßt, dass das BMUV mit der NKWS innovative Konzepte zur Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen aus dem Dialogprozess aufgreift.

„Die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie erkennt den großen gesellschaftlichen Nutzen von Kunststoffen und die Notwendigkeit weiterer Anstrengungen auf dem Weg zur Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen an. Zugleich wird mit dem Strategie-Entwurf Transparenz über die politischen Vorhaben der Bundesregierung zur Verwirklichung der Kreislaufwirtschaft mit Kunststoffen geschaffen“, sagt GKV-Hauptgeschäftsführer Dr. Oliver Möllenstädt.

Besonders positiv bewertet der Verband der Kunststoff verarbeitenden Industrie, dass sich die Bundesregierung für die Einführung polymerspezifischer Substitutionsquoten auf Ebene der Europäischen Union als sinnvolle Ergänzung produktbezogener Rezyklateinsatzquoten einsetzen will. Darüber hinaus unterstützt der Verband, dass die Bundesregierung die Einführung eines Zertifikatehandelssystems auf EU-Ebene prüfen will. Damit könnten Unternehmen, die ihre Ziele beim Rezklateinsatz übertreffen, Zertifikate an Unternehmen verkaufen, bei denen die Umstellung auf Sekundärmaterial mit höheren Kosten verbunden ist. So können Rezyklateinsatzquoten effizient erreicht werden.

„Die Vorschläge der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie helfen, bestehende Hürden der Transformation zu überwinden. Deutschland kann damit auf Ebene der EU wieder zum Motor der Kreislaufwirtschaft für Kunststoffe werden“, kommentiert Dr. Isabell Schmidt, Geschäftsführerin Kreislaufwirtschaft der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen, Trägerverband des GKV. (Quelle: GKV)

So äußert sich der Verbund kompostierbare Produkte e.V.

In seiner Stellungnahme zum Entwurf der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) hebt der Verbund kompostierbare Produkte e.V. (Verbund) die Schlüsselrolle der biologischen Kreislaufwirtschaft hervor und fordert konkrete Maßnahmen zur Reduktion von Mikroplastikeinträgen in die Umwelt.

„Wir begrüßen, dass sich die Bundesregierung in dem Strategieentwurf zu den Leitprinzipien der Abfallvermeidung sowie der Reduktion von Schadstoffeinträgen in die Natur bekennt. Denn Kreisläufe konsequent zu schließen, heißt auch, die derzeitigen Lücken und den Verlust von Material- und Produktströmen aus dem technischen Wirtschaftssystem zu adressieren. Produkte müssen so gestaltet werden, dass sie umweltverträglich zu verwerten oder entsorgen sind und keine Schadstoffe in der Umwelt belassen“, erklärt Peter Brunk, Vorsitzender des Verbund.

In seiner Stellungnahme fordert der Verbund daher, vor allem für naturnahe Kunststoffanwendungen – also Kunststoffprodukte, die für den Verbleib in der Natur bestimmt sind (etwa in der Land- und Forstwirtschaft oder im Gartenbau), über Abrieb in die Umwelt gelangen oder über andere Stoffströme (Kompost) in die Natur gelangen – anwendungsspezifische Anforderungen an deren biologische Abbaubarkeit zu stellen, um den Eintrag von Mikroplastik und Schadstoffen in die Umwelt zu verhindern und die Ressourcen im Kreislauf zu halten. Sinnvolle Anwendungsbereiche sind beispielsweise Mulchfolien, Bindegarne, Verbissschutz, Pflanzenbefestigungsclips, Folien für die kontrollierte Freisetzung von Dünger oder auch Borsten für Kehrmaschinen.

Im Hinblick auf die Zielsetzung der Bundesregierung, die Nutzung biogener Abfall- und Reststoffströme zu optimieren, erklärt Katrin Schwede, Geschäftsführerin des Verbund: „Ein großes, bisher noch wenig genutztes Biomassepotenzial liegt in den organischen Siedlungsabfällen. Ein wichtiger Hebel zur verbesserten Erfassung und Nutzbarmachung liegt bei den Haushalten und dem Einsatz geeigneter Sammelhilfen, wie zertifiziert industriell kompostierbaren Beuteln. Diese tragen nachweislich dazu bei, dass mehr Bioabfall getrennt und sauber gesammelt wird“.

Für das Gelingen der Transformation müssen sowohl der technische als auch der biologische Kreislauf betrachtet und geschlossen werden, so der Verbund in seiner Stellungnahme. Der Bioökonomie als zentralem Bestandteil der biologischen Kreislaufwirtschaft komme dabei eine Schlüsselrolle zu, die in der NKWS noch stärker in den Blick genommen werden müsse. Dafür bedarf es nach Ansicht des Verbund insbesondere innovationsfreundlicher Rahmenbedingungen, die es ermöglichen, verschiedene Lösungsansätze auszuprobieren und diese am Markt zu etablieren. (Quelle: Verbund)

Alles zum Thema Biokunststoffe

Eine Hand reißt einen Papierstreifen weg. Darunter steht das Wort "Biokunststoff"
Wissenswertes über Biokunststoffe finden Sie in unserem Übersichtsartikel. (Bild: thingamajiggs - stock.adobe.com)

Auf dem Weg zu einer klimaneutralen Zukunft müssen verschiedenste Rädchen ineinander greifen. Doch wie schaffen wir es, die Dekarbonisierung unserer Gesellschaft umzusetzen? Biokunststoffe sind ein wichtiger Hebel um diesem Ziel näher zu kommen. Doch was wird unter einem Biokunststoff eigentlich verstanden? Wo werden diese bereits eingesetzt? Und ist "Bio" wirklich gleich "Bio"? Wir geben die Antworten. Alles, was Sie zu dem Thema wissen sollten, erfahren Sie hier.

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