Eine PET-Flasche wird weggeworfen

Kunststoffe können als neue Rohstoffquelle dienen. (Bild: Witthaya - adobe.stock.com)

Der Wandel von der linearen (produzieren, verwenden, entsorgen) zur Kreislaufwirtschaft (produzieren, verwenden, recyceln, reparieren, wiederverwenden) findet tagtäglich statt. Zwar bedeuten mehr Menschen, die mehr konsumieren, auch mehr Abfall. Lösungen dafür liegen jedoch auf der Hand: wann immer es geht Müll vermeiden durch langlebige und mehrfache Verwendung. Es gilt: Abfall, der sich nicht vermeiden lässt, nicht achtlos wegzuwerfen, sondern verantwortungsvoll zu entsorgen, um diesen dann bestenfalls zu recyceln.

Die Kreislaufführung von Rohstoffen trägt maßgeblich zum Klimaschutz bei, da das Aufbereiten dieser Sekundärrohstoffe häufig mit geringeren CO2-Emissionen gelingt, als die Erzeugung neuer Rohstoffe.

Wie steht es um das Kunststoffrecycling?

Recyclingquote bei Verpackungen
(Bild: Zentrale Stelle Verpackungsregister 2021)

Trotz flächendeckender Sammel-, Sortier- und Verwertungsstruktur wird insgesamt noch zu wenig recycelt. Die stoffliche Verwertung von Kunststoffverpackungen ist laut der GVM Recycling Bilanz im Jahr 2020 um 5 %punkte gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Die Recyclingquoten liegt insgesamt bei 60,5 %, wenn man den Gesamtmarkt von Kunststoffverpackungen betrachtet. Die Recyclingquote der PET-Flaschen, die am Pfandautomaten zurückgegeben werden betrug 2020 fast 98 %.

Auch andere Materialarten wie Papier und Aluminium zeigen beim Recycling eine aufsteigende Tendenz. So wurden 2020 knapp 81,6 % des Verpackungsabfalls recycelt – das sind 0,2 % mehr als noch 2019.

Kunststoffrecycling: Der große Überblick

Mann mit Kreislaufsymbol auf dem T-Shirt
(Bild: Bits and Splits - stock.adobe.com)

Sie wollen alles zum Thema Kunststoffrecycling wissen? Klar ist, Nachhaltigkeit hört nicht beim eigentlichen Produkt auf: Es gilt Produkte entsprechend ihrer Materialausprägung wiederzuverwerten und Kreisläufe zu schließen. Doch welche Verfahren beim Recycling von Kunststoffen sind überhaupt im Einsatz? Gibt es Grenzen bei der Wiederverwertung? Und was ist eigentlich Down- und Upcycling? Alles was man dazu wissen sollte, erfahren Sie hier.

Warum Verbote nicht zur Lösung beitragen

Statt weiterer Verbote braucht es Ziele und konkrete Pläne für das, was Deutschland bei der Wende hin zu mehr Klimaschutz und Nachhaltigkeit erreichen kann und will. Innerhalb der Kunststoffverpackungsindustrie haben die im Circular Economy Action Plan (CEAP) adressierten Themen bereits Priorität, etwa beim Setzen eigener ambitionierter Recyclingziele für 2025: 90 % recycling- oder mehrwegfähige Verpackungen (heute 75 %) sowie 1 Mio. t Rezyklateinsatz in Kunststoffverpackungen in Deutschland (Stand heute 400.000 t).

Kunststoffe ebnen den Weg, Recycling unterstützt

Dr. Isabell Schmidt, Geschäftsführerin Kreislaufwirtschaft bei der IK
Dr. Isabell Schmidt, Geschäftsführerin Kreislaufwirtschaft bei der IK (Bild: IK)

Mit dem Leitfaden Eco Design von Kunststoffverpackungen leistet die Industrie einen zusätzlichen Beitrag zur angekündigten Strategie für nachhaltige Produkte.

„Für die Kunststoffindustrie bringt der angestoßene Wandel auch neue Chancen. Wie kein anderes Material werden Kunststoffe schließlich für die klimaneutrale Wirtschaft gebraucht, ob als Rotorblätter von Windenergieanlagen oder als energie- und ressourcensparende Verpackungen für Lebensmittel und andere Produkte“, sagt Dr. Isabell Schmidt, Geschäftsführerin Kreislaufwirtschaft bei der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen. „Wir arbeiten mit Hochdruck am Schließen der Kreisläufe und Neudenken unserer Produkte“, ergänzt sie.

Ingemar Bühler, Hauptgeschäftsführer bei Plastics Europe Deutschland
Ingemar Bühler, Hauptgeschäftsführer bei Plastics Europe Deutschland (Bild: Plastics Europe Deutschland)

Klar ist auch: Wird das Recycling weiter ausgebaut, lassen sich Stoffströme stärken und Kreisläufe schließen. Es sind Lösungen gefragt, die die Recyclingfähigkeit von Kunststoffen weiter verbessern.

„Wir Kunststofferzeuger sind schon heute ein wichtiger Teil des Transformationsprozesses, der durch den CEAP der EU-Kommission angestoßen wurde“, erklärt Ingemar Bühler, Hauptgeschäftsführer beim Kunststofferzeugerverband Plastics Europe Deutschland. „Die Abkehr vom linearen Verbrauch von Ressourcen ist längst als Ziel bei Politik, Industrie und Gesellschaft angekommen. Unsere Branche treibt das Umdenken hin zu einer Kreislaufwirtschaft, in der wir Ressourcen so lange wie möglich weiter nutzen, auf vielfältige Weise voran.“

Nachhaltiges Produktdesign wird immer wichtiger

Insgesamt lässt sich festhalten, dass die Kunststoffindustrie viel stärker in Richtung zirkulärer Rohstoffe und neuer Materialkreisläufe denkt und investiert. Fast täglich werden Innovationen quer durch die Kunststoff-Wertschöpfungskette vorgestellt. Damit lassen sich mehr Kunststoffabfälle recyceln und alternative Rohstoffe in der Kunststoffproduktion nutzen.

Wichtige Ansätze sind nachhaltiges Produktdesign, verbesserte Abfallsortiertechnologien oder diversifizierte Rohstoffquellen. Heutige Müllsortierverfahren können noch nicht zuverlässig zwischen recycelbaren und nicht recycelbaren Verpackungen unterscheiden. Deshalb dokumentiert R-Cycle Verpackungseigenschaften während der Produktion und stellt diese Daten zur Verbesserung des Sortierprozesses am Ende des Lebenszyklus zur Verfügung.

Zudem spielen die ökologische Gestaltung von Verpackungen und hier besonders das recyclingfähige Design längst eine deutlich größere Rolle als noch vor einigen Jahren.

Schema Kunststoffabfälle als Rohstoffquelle
(Bild: Acatech / Circular Economy Initiative / Kunststoffrecycling)

Wo das mechanische Recycling an Grenzen stößt

Recyclingziel bis 2025
IK-Recyclingziel 2025. (Bild: IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen)

Das mechanische Recycling ist bereits gut entwickelt, wird allerdings noch nicht konsequent genug angewendet. Zudem lassen sich manche Kunststoffe nach einer mechanischen Verwertung nicht mehr uneingeschränkt für den ursprünglichen Zweck einsetzen, da sich die Molekülketten bei jedem Recyclingkreislauf verkürzen. Mechanisches Recycling ist nicht immer möglich, wie beispielsweise bei gemischten Kunststoffabfällen. Hier bietet sich das chemische Recycling an. Die Kunststoffindustrie forscht in verschiedenen Projekten an neuen Technologien für dieses Verfahren weitet das etablierte mechanische Kunststoffrecycling zur Gewinnung von Sekundärrohstoffen aus.

Neben gesetzlichen Regelungen sind dabei aber vor allem Förderungen besonders wichtig. „Das chemische Recycling könnte in Zukunft eine Lücke in der Kreislaufwirtschaft auch von Kunststoffverpackungen schließen. Nämlich dann, wenn es damit gelingt, stark verschmutzte und vermischte Kunststoffabfälle zu recyceln, die bislang nur energetisch verwertet werden konnten. Das erfordert allerdings noch weitere Forschungs- und Entwicklungsarbeit“, sagt Dr. Isabell Schmidt.

Gleichzeitig spielen bei der Stärkung des Kunststoffrecyclings auch neue Technologien bei der mechanischen Verwertung eine wichtige Rolle. Die Industrie arbeitet intensiv daran, bisher nicht recyclingfähige Verpackungen durch Innovationen immer mehr einer werkstofflichen Wiederverwertung zuzuführen oder dieselbe Schutzfunktion mit anderen Kunststofflösungen, zum Beispiel Monomaterial statt Verbund, zu erreichen.

Recyclingmaterialien: Die Wirtschaftlichkeit steht im Vordergrund

Neben Innovationen sowie der Verfügbarkeit und Qualität steht die Frage nach der Wirtschaftlichkeit von Recyclingmaterialien zunehmen im Fokus. Denn nur, wenn das Recycling von Kunststoffen ökonomisch attraktiv ist, wird es in der Praxis auch umgesetzt. Daher müssen die regulatorischen Rahmenbedingungen so gestaltet werden, dass der Einsatz von Rezyklaten möglich wird.

Die Kunststoffbranche treibt das Umdenken hin zu einer Kreislaufwirtschaft, in der Ressourcen so lange wie möglich weiter genutzt werden, auf vielfältige Weise voran – und erhöht so auch die Wirtschaftlichkeit.

Kreislauftauglich? – das ist für Bischof + Klein eine Kernfrage bei der Entwicklung flexibler Verpackungen aus Kunststoff. In den vergangenen zwei Jahren hat der Folien- und Verpackungsspezialist mit Stammsitz in Lengerich jeweils mit einer kreislauffähigen Verpackung den Deutschen Verpackungspreis gewonnen.

Die Unternehmensgruppe Uzin Utz, weltweit agierender Komplettanbieter für Bodensysteme, stärkt im Schulterschluss mit der Jokey Group, einem der führenden Hersteller von Kunststoffverpackungen, die Kreislaufwirtschaft durch ihren Beitrag zur nachhaltigen Verpackung. Jokey beliefert das im Donautal sitzende Unternehmen bereits seit über 20 Jahren. In dieser Zeit hat sich der Anteil von Altkunststoffen in den gelieferten Gebinden auf beinahe 100 % erhöht.

Auch bei Elektro- und Elektronikprodukten oder in der Autoindustrie ist Kreislaufwirtschaft mit Kunststoff im Kommen: Wasserflaschen, die in Blends für Laptops, Drucker oder Ladestationen umgewandelt werden, Gehäuseteile von Handbohrern komplett aus Kunststofrezyklat, Closed-Loop-Technologien für Stoßfänger und Instrumententafeln im Automobil. All das gelingt nur mit dem Know-how der kunststofferzeugenden Industrie.

So wird die Weiterentwicklung der Kreislaufwirtschaft mit dem Ziel, Kohlenstoffkreisläufe weitestgehend zu schließen, in den kommenden Jahren sicherlich erhebliche zusätzliche Investitionen und Innovationen der Wirtschaft weltweit mobilisieren.

Quelle: IK

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