Grafik mit einem roten und einem schwarzem Pfeil. Dahinter ein Oberkörper von einem Mann mit grauem Jackett und roter Krawatte. Zeigt mit dem Zeigefinger auf die Grafik.

(Bild: Photo-K – Fotolia.com)

Update vom 29.05.24: Wohnungsbau: Blick auf die Misere

Der Bauindustrie als einem der wichtigsten Nachfrager nach Kunststoffprodukten widmen wir regelmäßig unser besonderes Augenmerk. Bisher hatten wir meist die Baugenehmigungen im Blick. Nachdem nun die Daten zu den Baufertigstellungen für 2023 vorliegen, wollen wir diese einmal mit den Baugenehmigungen zusammen betrachten. In den letzten drei Jahren wurden jeweils weniger als 300.000 Wohnungen pro Jahr fertiggestellt. Die Zahl der Baugenehmigungen hatte bis 2021 einen neuen Rekordstand erreicht. Der Wille zu bauen war also durchaus vorhanden. Aber aufgrund der Zinslage und der Explosion der Baukosten wurden immer mehr Projekte nicht realisiert. Die Baulücke, der Abstand zwischen Baugenehmigungen des Vorjahres und den tatsächlich realisierten Wohnungen, hat sich also deutlich vergrößert. 2022 war die Zahl der Genehmigungen bereits drastisch zurückgegangen, die Zahl der Fertigstellungen aber noch sehr moderat gesunken. Die Zahl der Baugenehmigungen ist 2023 auf rund 210.000 gefallen. Und wie in KW 20 berichtet, sind die Baugenehmigungen in den ersten drei Monaten 2024 weiter drastisch gesunken, sodass wir 2024 möglicherweise mit weniger als 200.000 Baugenehmigungen und danach weiter schrumpfender Bautätigkeit zu rechnen haben. Stand jetzt, Ende Mai 2024, ist noch kein entschiedenes Gegensteuern erkennbar.

Grafik mit blauen vertikalen Balken und zwei roten Kurven.
(Bild: Destatis)

Update vom 22.05.24: Preise von Kunststoffwaren: Steigend, mit Ausnahmen

Die Erzeugerpreise von Kunststoffwaren sind in den letzten Jahren stark geklettert. Über die Produktsegmente hinweg hielt der Anstieg bis zum dritten Quartal 2022 an. Danach lief die Entwicklung auseinander. Zwei Segmente, Halbzeuge (Platten, Rohre, Profile, Folien) und Verpackungsmittel (Tanks, Kisten, Transportbehälter) sahen sich einem starken Preisverfall ausgesetzt, Baubedarfsartikel setzten ihren starken Preisauftrieb fort, Preise für Konsumwaren stiegen schwächer als zuvor, und bei den vorher nur wenig verteuerten Technischen Teilen zogen die Verkaufspreise stark an. Seit dem vierten Quartal stiegen die Preise aber nicht mehr auf breiter Front, sondern es setzte sich entweder der vorher eingeleitete Preisverfall fort oder die Preise begannen überhaupt zu sinken. Mit Ausnahme bei Technischen Teilen, die sich nach wie vor etwas verteuerten. Diese Entwicklung setzte sich im ersten Quartal 2024 fort. Im April sehen wir nun bei Halbzeugen, Verpackungsmitteln und Konsumwaren wieder einen leichten Preisauftrieb. Bei Baubedarfsartikeln ging der leichte Preisverfall weiter, Technische Teile verbilligten sich erstmals wieder. Im letztgenannten Fall dürften die schwache Auto-Konjunktur und die Investitionszurückhaltung der Industrie eine wichtige Rolle spielen. Bei Baubedarfsartikeln schlägt die lahme Wohnbaubautätigkeit (wir berichteten) durch.

Grafik mit sechs Kurven.
(Bild: Destatis)

Update vom 17.05.24: Wohnungsbau: Misere hält an

Der Bauindustrie als einer der wichtigsten Nachfrager nach Kunststoffprodukten widmen wir regelmäßig unser besonderes Augenmerk. Nicht nur Baubedarfsartikel werden für diesen Sektor produziert, sondern auch Halbzeuge (Platten, Rohre, Folien, Profile), Technische Teile (zum Beispiel für Haustechnik, Heizungen), Konsumwaren (Einrichtungsgegenstände), ja sogar „Verpackungsmittel“ (Tanks). Nach Wegbrechen dieses lange verlässlichen Stützpfeilers der Kunststoffwarenproduktion im August 2022 ging die Zahl der Baugenehmigungen immer stärker zurück. Im Oktober und November gab es Hoffnung, dass der Sinkflug vorbei sein könnte, aber der Dezember war ein erneuter Schlag ins Kontor. Im Januar und Februar 2024 fielen die Rückgänge gegenüber den (bereits schwachen) Vorjahresmonaten zwar wieder um einiges geringer aus, aber es wurden im Schnitt der beiden Monate nur noch 14.000 Baugenehmigungen pro Monat erteilt, weniger als je zuvor. Trotzdem hätte man gerne gehofft, dass sich die Talfahrt langsam abschwächt. Im März hat sie sich nun wieder beschleunigt. In der Quartalsbilanz stehen im Monatsschnitt nur noch 14.280 genehmigte Wohnungen. Sollte es in den restlichen Quartalen dieses Jahres keine weiteren Rückschläge geben und zumindest der jeweilige Schnitt des Vorjahresquartals erreicht werden, wird die Zahl der Baugenehmigungen 2024 knapp unter 200.000 bleiben. Bisher wurden zwischen 5 % und 9 % der genehmigten Wohnungen nicht realisiert. Das würde bedeuten: 2024 werden dann wahrscheinlich weniger als 190.000 Wohnungen gebaut.

Grafik mit blauen Balken und roter Kurve.
(Bild: Destatis)

Update vom 08.05.24: Produktion: Rote Null – die Wende?

In KW 15 vermuteten wir bereits, dass die bisher stark rückläufige Produktion in der Kunststoffverarbeitung zu einer Bodenbildung gefunden haben könnte. Die Märzdaten bestätigen unsere damalige Hoffnung. Gegenüber dem Vorjahresmonat ist die Produktion nicht weiter gesunken, es bleibt bei einer roten Null. In der Bilanz für das erste Quartal steht allerdings ein Minus von -3,2 %. Sollte es in den kommenden Monaten nicht erneut abwärtsgehen, sondern bei einer Stagnation bleiben, würde sich das Minus in der Halbjahresbilanz weiter abschwächen. Falls es sogar tatsächlich zu einer Produktionserholung kommen sollte, könnte das halbe Jahr auch mit einer roten oder schwarzen Null enden. Mehr können wir uns derzeit noch nicht vorstellen. Aber man soll die Hoffnung nicht aufgeben. Vielleicht gibt es ja doch noch eine Überraschung.

Grafik mit blauen Balken und roter Kurve.
(Bild: Destatis)

Minus bei Produktionswert und -menge

2023 ist die Produktion von Kunststoffwaren gegenüber 2022 um -7,2 % auf 63,5 Mrd. Euro zurückgegangen, real sogar um -8,9 %. 2022 war sie – inflationsbedingt – noch um über 10 % gestiegen, bei sinkender realer Produktion (-2,8 %). 63,5 Mrd. Euro sind zwar immer noch der zweithöchste Wert, aber die Produktion liegt real etwa 12,8 % unter ihrem absoluten Höchststand aus dem Jahr 2018.  Technische Teile und Konsumwaren liegen nun wieder mit 34 % Anteil am Produktionswert klar vorne, Halbzeuge wurden auf ihren angestammten zweiten Rang verwiesen sowie die Baubedarfsartikel hinter die Verpackungsmittel.

Tortendiagramm.
(Bild: Destatis)

Anhaltender Wert- und Mengeschwund

Seit dem vierten Quartal 2021 sehen wir mit Ausnahme der schwarzen Null im ersten Vierteljahr 2022 real eine immer schneller sinkende Produktion, in der Spitze mit zweistelligem Rückgang im zweiten Quartal 2023. Seither hat sich der Negativtrend etwas abgeschwächt, aber bei fast 7 % realem Minus Ende 2023 kann man noch nicht von einer Bodenbildung sprechen. Der Produktionswert liegt nur noch bei 14,5 Mrd. Euro, 1,1 Mrd. weniger als im Vor- und 1,5 Mrd. niedriger als im Vorjahresquartal. Die spannende Frage ist nun: Wird 2024 die Marke von 60 Mrd. Euro gestreift oder sogar unterschritten?

Balken- und Kurvendiagramm.
(Bild: Destatis)

Reale und nominale Rückgänge

Betrachten wir Einzelsegmente der Kunststoffwarenproduktion im Jahr 2023 in den ersten neun Monaten, so sehen wir, dass die baunahen Bereiche Halbzeuge und Baubedarfsartikel deutlich zweistellige reale Einbußen erleiden. Interessanterweise können bei Baubedarfsartikeln aber noch immer höhere Preise durchgesetzt werden, im Gegensatz zu niedrigeren Preisen im Halbzeugsektor. Bei Technischen Teilen und Konsumwaren sinken die Mengen leicht, aber man erzielt höhere Preise. Vermutlich aufgrund von Neuabschlüssen auslaufender längerfristiger Lieferverträge.

Grafik mit horizontalen Balken.
(Bild: Destatis)

Im zweiten Halbjahr überall Minus

War im ersten Halbjahr 2023 wenigstens noch das Segment der Technischen Teile und Konsumwaren insgesamt im Plus (bei den Produktionswerten wohlgemerkt), so sind diese seit dem dritten Quartal ebenfalls ins Minus abgerutscht: Die Preissteigerungen kompensieren nicht mehr den Produktionsrückgang. Im letzten Quartal sehen wir bei allen Segmenten, ausgenommen die Technischen Teile und Konsumwaren, zweistellige Rückgänge bei den Produktionswerten, eine Entwicklung, die zum Teil schon im zweiten Quartal 2023 eingesetzt hatte.

Grafik mit horizontalen Balken.
(Bild: Destatis)

Technische Teile versus Konsumwaren

Technische Teile und Konsumwaren lassen sich in der Branchenstatistik nicht getrennt ausweisen, auch weil die Betriebe häufig beide Produkte herstellen. Anders bei der Warenproduktion. Und dabei zeigen sich interessante Unterschiede: Konsumprodukte erleiden  eine stark sinkende Produktion zu höheren Preisen, Technische Teile verlieren minimal, aber erzielen, wie wir bereits in einem früheren Beitrag feststellen konnten, ebenfalls deutlich höhere Preise, sodass die Produktionswerte stark steigen: Die bereits oben erwähnte Nachholung dringend nötiger Preisanpassungen.

Grafik mit horizontalen Balken.
(Bild: Destatis)

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