Schaeffler-Flaggen vor Firmengebäude

Aufgrund des Mobilitätswandels hin zu Elektrofahrzeugen will Schaeffler weltweit Stellen abbauen. (Bild: Schaeffler)

Angesichts eines veränderten Marktumfelds und des sich beschleunigenden Wandels im Bereich der Antriebstechnologien hat der Schaeffler-Vorstand ergänzende strukturelle Maßnahmen beschlossen, um vor allem die Wettbewerbsfähigkeit der Sparte Automotive Technologies weiter zu verbessern. Des Weiteren sollen sowohl Fixkosten als auch Überkapazitäten reduziert werden.

Die strukturellen Maßnahmen sollen im Wesentlichen bis Ende 2026 umgesetzt werden. Matthias Zink, CEO der Sparte Automotive Technologies sagt: „Es reicht künftig nicht aus, nur technologisch führend zu sein. Vielmehr sind wettbewerbsfähige Kostenstrukturen entscheidend, um die Transformation weiter zu beschleunigen und Schaeffler konsequent auf die Elektrifizierung des Antriebsstrangs auszurichten. Dies bedeutet im Umkehrschluss auch, die Kostenbasis zu reduzieren und Überkapazitäten abzubauen.“

Warum geht Schaeffler diesen Schritt?

Die beschleunigte Transformation der Fahrzeugantriebe hin zur Elektromobilität führt zu Überkapazitäten bei Produkten für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor und somit zu einem weiteren Anpassungsbedarf. Hinzu kommt, dass Automobilhersteller ihre Entwicklungsaktivitäten für Verbrenner kontinuierlich reduzieren, was auch bei Schaeffler zusätzliche Anpassungen erforderlich macht. Das Unternehmen ist bestrebt, interne Strukturen sowohl in der Fertigung als auch in Zentralfunktionen so effizient wie möglich zu gestalten, um Fixkosten zu reduzieren und interne Prozesse so schlank wie möglich zu gestalten.

Auf dieser Basis umfassen die geplanten Maßnahmen einen Abbau von insgesamt 1.300 Stellen insbesondere in den Unternehmensbereichen Motor-/ Getriebesysteme und Lager der Sparte Automotive Technologies sowie innerhalb der Zentralfunktionen des Unternehmens. Knapp drei Viertel des Kapazitätsabbaus entfallen auf Stellen in der Verwaltung sowie zentralen Funktionen im Bereich Forschung und Entwicklung für Verbrennungsmotoren, der Rest auf Stellen in der Produktion.

Welche Einsparungen sind durch die Maßnahmen zu erwarten?

Der Stellenabbau betrifft sowohl das Inland als auch das Ausland. In Deutschland sind im Wesentlichen die Standorte Herzogenaurach, Bühl und Homburg betroffen. Jede vierte betroffene Stelle befindet sich außerhalb von Deutschland. „Die vom Vorstand definierten Maßnahmen stellen einen konkreten Beitrag zur Sicherung von zukünftigem Wachstum dar, um die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit von Schaeffler nachhaltig weiter zu stärken und hierdurch zugleich langfristig Arbeitsplätze in Deutschland zu erhalten“, sagt Sascha Zaps, Regional CEO Europa, Schaeffler.

Die Maßnahmen sollen zu jährlichen Einsparungen von voraussichtlich bis zu 100 Mio. Euro führen. Dem gegenüber stehen Transformationsaufwendungen in Höhe von rund 130 Mio. Euro, von denen voraussichtlich der Großteil als Rückstellung im 4. Quartal 2022 gebildet wird.

Was heißt das konkret für die deutschen Standorte?

Der Lagermarkt ist besonders wettbewerbsintensiv, was eine Strukturanpassung in der Lagerfertigung in Herzogenaurach unumgänglich macht. In Herzogenaurach, Bühl sowie an Standorten im Ausland will das Unternehmen seine internen Strukturen im Bereich Forschung und Entwicklung für Verbrennungsmotoren an die neuen Marktgegebenheiten anpassen und entsprechend abbauen. Im Unternehmensbereich E-Mobilität soll die Effizienz im Prototypenbau weiter verbessert werden, was in Bühl und Herzogenaurach Anpassungen erforderlich macht. Am Standort Homburg steht eine wettbewerbsfähige Produktion im Fokus der geplanten Maßnahmen: Durch eine zunehmende Automatisierung einerseits und effizientere interne Strukturen und Prozesse in der Fertigung andererseits sollen hier Stellen abgebaut werden. Zudem ist geplant, Verwaltungsstellen in den Zentraleinheiten der Schaeffler Gruppe hauptsächlich in Herzogenaurach zu reduzieren, um Fixkosten zu senken.

An den Standorten Ingolstadt und Morbach werden ausschließlich Komponenten für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren, die von Nachfragerückgängen betroffen sind, gefertigt. Hier sollen in den kommenden Monaten zusammen mit den Arbeitnehmervertretern im Rahmen von neu konzipierten Dialogprozessen Standortkonzepte erarbeitet werden.

Gleichzeitig wird Schaeffler die vom Kapazitätsabbau betroffenen deutschen Standorte durch Investitionen in neue Technologien stärken: In Herzogenaurach sollen neben dem sich bereits im Bau befindenden Zentrallabor die Wasserstoffaktivitäten erweitert und das entsprechende Kompetenzzentrum weiter ausgebaut werden. Darüber hinaus werden am Standort Herzogenaurach verstärkt Komponenten und Systeme für die E-Mobilität entwickelt. Weiterhin wird das Werk zum Leitwerk für die Umformtechnik für umgeformte Lager entwickelt, und es werden stetig neue Digitalisierungs- und Automatisierungstechnologien eingesetzt.

Am Standort Bühl baut Schaeffler seinen Entwicklungs- und Fertigungscampus für die Elektromobilität aus und das Werk zum weltweiten Leitwerk für die E-Motoren-Fertigung um. Am Campus Homburg entsteht ein Kompetenzzentrum für Wälzkörper für die Sparte Automotive Technologies. Dafür investiert Schaeffler vor Ort in die Digitalisierung und Automatisierung.

Der Standort Gunzenhausen soll zudem zu einem Werk der Sparte Automotive Aftermarket werden. Bereits heute fertigt der Standort mit einem großen Teil seiner Produktionsleistung für das Handelsgeschäft. Ein entsprechendes Konzept für die Anpassung der Produktion an die Bedarfe der Sparte wird aktuell erarbeitet. Ab 2024 soll die Verantwortung für das Werk schrittweise an den Automotive Aftermarket übertragen werden. Sowohl die Werkleitung als auch die Arbeitnehmervertreter sollen intensiv in die Ausgestaltung des Konzeptes einbezogen werden.

Quelle: Schaeffler

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