Plastikflaschen in einem Stapel von Ästen

Können Plastic Credits die Kreislaufwirtschaft nachhaltig unterstützen und zum Aufbau entsprechender Abfallverwertungsinfrastruktur beitragen? Polyproblem beleuchtet dies im Themenreport "Kauf dich frei". (Bild: Brian Yurasits - Unsplash)

Der Themenreport „Kauf Dich frei“ von Polyproblem, einem Aktionsprogramm der gemeinnützigen Röchling Stiftung und Wider Sense für mehr Transparenz und gemeinsames Wirken im Handlungsfeld Kunststoff und Umwelt, beleuchtet die Möglichkeiten einer nachhaltigen Finanzierung von Entsorgungs- und Sammelinfrastruktur, insbesondere in den Ländern, die bislang schlichtweg nicht über solche Systeme verfügen. Ein möglicher Lösungsansatz stellen dabei sogenannte Plastic Credits dar. Doch was verbirgt sich dahinter?

Der Aufbau von tragfähigen Systemen der Erweiterten Produzentenverantwortung (EPR) steckt in den meisten Ländern des Globalen Südens noch in den Kinderschuhen. Gleichzeitig stellt der weltweit rapide steigende Verbrauch von Kunststoffverpackungen und die anhaltenden, teilweise illegalen Exporte von Kunststoffabfällen aus dem globalen Norden viele Länder des Globalen Südens vor immer größere Herausforderungen.

Kunststoffrecycling: Der große Überblick

Mann mit Kreislaufsymbol auf dem T-Shirt
(Bild: Bits and Splits - stock.adobe.com)

Sie wollen alles zum Thema Kunststoffrecycling wissen? Klar ist, Nachhaltigkeit hört nicht beim eigentlichen Produkt auf: Es gilt Produkte entsprechend ihrer Materialausprägung wiederzuverwerten und Kreisläufe zu schließen. Doch welche Verfahren beim Recycling von Kunststoffen sind überhaupt im Einsatz? Gibt es Grenzen bei der Wiederverwertung? Und was ist eigentlich Down- und Upcycling? Alles was man dazu wissen sollte, erfahren Sie hier.

Gemeinsames Vorgehen für eine Kreislaufwirtschaft auf globaler Ebene

Bei der fünften Umweltversammlung der Vereinten Nationen im März 2022 in Nairobi haben 175 Staaten mit einer gemeinsamen Resolution einen historischen Meilenstein im globalen Kampf gegen die Plastikkrise auf den Weg gebracht. Unter Einbeziehung verschiedener Stakeholdergruppen wollen sie bis 2024 ein rechtlich bindendes Abkommen verhandeln und ausarbeiten, um sich somit dem Ziel einer erfolgreichen Kunststoff-Kreislaufwirtschaft zu nähern – vom Produktdesign bis zur abschließenden Materialverwertung. Die Resolution gilt als die erste ihrer Art, welche die Relevanz der Sammel- und Recyclingaktivitäten sogenannter Waste Picker und anderer Akteure aus dem informellen Sektor in Ländern des globalen Südens ausdrücklich anerkennt.

Der nachhaltige und sozialverträgliche Umgang mit Plastikabfällen liegt zunächst weiter in der alleinigen Verantwortung nationaler Regierungen. In Deutschland und seinen europäischen Nachbarstaaten bilden entsprechende Systeme der erweiterten Produzentenverantwortung, der Extended Producer Responsibility (EPR), die Grundlage nationaler Entsorgungs- und Recyclingkreisläufe. Durch eine ganzheitliche Umsetzung des Verursacherprinzips bilden EPR-Systeme einen Anreiz zur Vermeidung von Verpackungsabfällen und für ein effizienteres Produktdesign auf Herstellerseite und gewährleisten die finanzielle Tragfähigkeit kommunaler Abfallwirtschaftssysteme.

Nachhaltige Verpackungen: der große Überblick

Grafik von Lebensmitteln im Supermarktregal
(Bild: sabelskaya - stock.adobe.com)

Sie wollen alles zum Thema nachhaltige Verpackungen wissen? Klar ist, dass der Bedarf an nachhaltigen Verpackungen in den kommenden Jahren stark steigen wird. Aber das Thema ist komplex: Wann gilt denn überhaupt eine Verpackung als nachhaltig und welche Kriterien müssen dabei künftig erfüllt sein? Alles was man dazu wissen sollte, erfahren Sie hier.

 

Sind Plastic Credits künftig Teil einer Lösung?

In Ländern des globalen Südens können EPR-Systeme zum Aufbau notwendiger Entsorgungsinfrastruktur beitragen sowie zu höheren Sammel- und Recyclingraten. Doch die effektive Etablierung solcher Systeme erstreckt sich über einen langen Zeitraum und setzt den notwendigen politischen Willen voraus. Angesichts des allgegenwärtigen Handlungsdrucks braucht es aber schnelle Lösungen. Vor allem in den Regionen, wo EPR-Systeme noch ganz am Anfang stehen, wird händeringend nach alternativen Finanzierungsmöglichkeiten für den Aufbau von Abfallsammlungs- und Recyclinginfrastrukturen gesucht.

Hier kommen immer häufiger Plastic Credits ins Spiel. Wer diese neuartige Währung erzeugt und verkauft, welche Kompensationsleistung dafür erbracht wird – dafür existiert keine übergreifende Definition. Plastic Credits werden entweder direkt von Initiativen oder über zwischengeschaltete Plattformen (Makler) an die Verursacher von Plastikabfällen, in der Regel große Konzerne, Hersteller oder Marken aus dem Konsumgüterbereich, verkauft. Aber auch Unternehmen, die selbst keinen Kunststoff in Verkehr bringen, und Privatpersonen wollen mit dem Kauf von Plastic Credits einen Beitrag leisten. Die Summe, die die Käufer für Plastic Credits bezahlen, fließt als Rückfinanzierung in Organisationen, die davon lokale Sammlungen und die Verwertung von Plastikabfällen organisieren, in der Regel in Regionen des globalen Südens.

Schema zum Handel mit Plastic Credits
Wie der Handel mit Plastic Credits funktionieren soll. (Bild: Polyproblem)

Die Vermittlung von Plastic Credits zwischen den lokalen Sammelorganisationen als Hersteller beziehungsweise Verkäufer von Plastic Credits auf der einen Seite und Käufern auf der anderen Seite basiert dabei idealerweise auf unabhängigen Standards oder Richtlinien. Es haben sich verschiedene Organisationen etabliert, die solche Qualitätsvorgaben erarbeitet haben. Diese Akteure könnten auch als „Standardisierer“ bezeichnet werden. Mit ihren Kriterien legen sie fest, was ein lokales Sammel- oder Verwertungsprojekt erfüllen muss, um Credits als Kompensationswährung an Unternehmen oder Privatleute zum Verkauf anbieten zu können. Externe Kontrollstellen, sogenannte Zertifizierer, überprüfen und zertifizieren die Einhaltung der Standard-Vorgaben vor Ort.

Soweit der Grundgedanke. Gegenwärtig verlaufen die Rollen, Verantwortlichkeiten und Geschäftsaktivitäten der unterschiedlichen Akteure im globalen Plastic-Credit-Markt jedoch selten so trennscharf.

Vielversprechende Ansätze die bislang eher im Sande verlaufen?

Von international verbindlichen Richtlinien zum Handel mit Plastic Credits wie bei den häufig zum Vergleich herangezogenen CO₂-Kompensationsmodellen ist die Entwicklung dem Themenreport nach noch weit entfernt. Begründet liegt dieser Umstand auch darin, dass es sich bei Kunststoffen um wesentlich komplexere und vielfältigere Materialien handelt als bei Treibhausgasen. Umso weniger überraschend ist es deshalb, dass die sieben wichtigsten definierten Standards alle freiwilliger Natur sind.

Zusätzlich fehlt es dem globalen Plastic-Credit-Markt bisher oftmals noch an akkreditierten Zertifizierungsprogrammen. Den Zertifizierern mangelt es wiederum an global einheitlichen Richtlinien. Das hieraus hervorgehende Multiversum an Zertifizierungen, Kriterien und zertifizierten Plastic-Credit-Projekten vermag entsprechend wenig für Durchblick zu sorgen. Zudem herrscht nicht nur Unklarheit darüber, in welcher Beziehung die Vielzahl an Maklern als Verkäufer zu den lokalen Sammelorganisationen stehen, sondern auch um wen es sich konkret bei den Plastic-Credit-Käufern handelt.

Obwohl Plastic Credits im Nachhaltigkeitsdiskurs eine zunehmend wichtige Rolle spielen und sich eine Vielzahl an Unternehmen und Marken aus der Konsumgüterindustrie mit dem Konzept beschäftigen, hüllen sich viele von ihnen weiterhin in Schweigen, was konkrete Aktivitäten angeht. Für Außenstehende, und somit für Kunden und Verbraucher, ist selten ersichtlich, welche Unternehmen bisher in welchem Umfang Plastic Credits gekauft haben und unter Berücksichtigung welcher Kriterien dies geschehen ist. Ausgleichsmaßnahmen für Kunststoffe sind noch nicht Teil der Nachhaltigkeitsberichterstattung.

Quelle: Polyproblem

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