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Thomas Rose (li.), Geschäftsführer der Anton Debatin, und Dr.-Ing. Oliver Tröber, Entwickler bei Debatin, zeigen im Interview, auf welche Details es bei der Transport-Verpackung von diagnostischen Proben ankommt. Bilder: alle Redaktion Plastverarbeiter

Der Folienverarbeiter Anton Debatin gehört zu den Top 100 Innovatoren 2020 in Deutschland. Gegründet im Jahr 1923 als papierverarbeitendes Unternehmen, sind heute 216 Mitarbeiter am Standort Bruchsal beschäftigt, weitere 28 Mitarbeiter in Frankreich. Mitte 2019 hat das Familienunternehmen unter der Geschäftsführung von Thomas Rose den französischen Marktführer für Verpackungen und den Transport biologischer Proben L.E.S.S. France gekauft und damit seine Kompetenz im Medical-Verpackungsmarkt gestärkt. Eine Entscheidung, die sich mit der Ausbreitung von Corona und der damit einhergehenden Nachfrage nach Verpackungen für biologische Proben auszahlte.

Transport-Verpackungen für biologisches Probenmaterial

Zum Portfolio der Bruchsaler Experten gehören eine ganze Reihe von Transportverpackungen für biologische Proben und je Probenmaterial genügen diese Umverpackungen verschiedenen Anforderungen. Der Debasafe-medical-bag wird als Sekundärverpackung für die Beförderung diagnostisch medizinischer Proben der Kategorie B entsprechend der Gefahrgutverordnung eingesetzt. Die Sicherheitstasche besteht aus extrem reißfester Polyethylen-Spezialfolie, ist mit einem vorfixierten Sicherheitsverschluss versehen, flüssigkeitsdicht (BAM-Bestätigung) im Sinne der Gesetzgebung (ADR, Verpackungsvorschrift P650) und verhindert Infektionsgefahren. „Die Debasafe medical und Debamed Speci-Bags können für den Straßentransport, aber auch den krankenhausinternen Transport von Proben genutzt werden. Für die Luftfracht solcher biologischen Proben gibt es eine Variante, die beispielsweise einer Druckdifferenz von 95 kpa Druck standhalten kann“, erklärt Dr.-Ing. Oliver Tröber, Physiker und in der Entwicklung bei Debatin beschäftigt. Die Debamed Speci-Bag 95 kPa entspricht als Sekundärverpackung für den Straßen- und Lufttransport von biologischen Stoffen der Kategorie B (UN3373) den internationalen und europäischen Normen und Richtlinien für den Transport von ansteckungsgefährlichen Stoffen (ADR – IATA – WHO).

 

Covid-19 lässt Nachfrage nach Verpackungen rasant ansteigen

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Besonders im Bereich des Öffnungungsmechanismus der Taschen ist Präzision gefragt, denn dies muss auch mit Handschuhen problemlos und einfach handhabbar sein, wie Dr. Oliver Tröbel demonstriert.

Während des vergangenen Jahres sind die Anfragen nach Transportverpackungen für biologische Proben deutlich angestiegen. „Hintergrund ist der Anstieg der Corona-Abstriche, die für die Tests an die Labore gesendet werden.“ Die Qualitätsanforderungen für die Transportverpackungen dieser Proben sind hoch. Die Taschen müssen flüssigkeitsdicht sein, es darf keinesfalls etwas austreten, die Folie muss über eine verhältnismäßig hohe Festigkeit verfügen und die Tasche muss gut und einfach handhabbar sein – auch mit Handschuhen leicht zu verschließen und zu öffnen. „Es sieht einfach aus, aber in der Tasche steckt viel Know-how und Präzision, besonders im Bereich des Beutelverschlusses“, erklärt der Entwickler.

„Ich gehe davon aus, dass die Nachfrage nach solchen Probenbeuteln weiter steigen wird.“ Thomas Rose, Geschäftsführer von Debatin, ergänzt: „Wir sind in einem Peak, der alle Beteiligten vor große Herausforderungen stellt. Beispielsweise hat Österreich in einer großen Teststrategie kürzlich über 2,5 Mio. Tests pro Woche im Raum Wien durchgeführt – damit man sich die Dimensionen mal klarmachen kann. Solche Mengen werden außerhalb der Coronakrise innerhalb eines Jahres und nicht Wochen benötigt. Wir von Debatin leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dass diese Krise bald überwunden werden kann.“ Inzwischen sind die Lieferzeiten für diese Verpackungen deutlich länger als üblich und der Engpass in der Rohstoffversorgung verschlimmert die Situation. Abnehmer der Transportverpackungen sind überwiegend Labore und Krankenhäuser.

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Dank der Investition in den Maschinenpark mit Robotik, konnte die stark gestiegene Nachfrage nach Transportverpackungen für Proben der Covid-19-Tests zügig gedeckt werden.

Glücklicherweise hatte der Folienverarbeiter bereits im Jahr 2019 in seinen Maschinenpark investiert und eine mit einem Pick-and-Place ausgestatteten Roboter Beutelproduktionsanlage installiert. Die Maschine kann pro Tag viele 100.000 Transporttaschen fertigen. Die Konfektionsanlage wurde Anfang 2020 in Betrieb genommen. „Wir profitieren nun stark von der Akquise des Unternehmens L.E.S.S. Dessen Expertise und deren Marktzugang hat uns sehr geholfen, uns als Debatin im Bereich der Folien-Transportverpackungen für biologische Proben zu positionieren“, schildert Rose. Das Unternehmen will sich neben der Produktion auch stärker als Dienstleister im Medical-Segment anbieten. Dazu werden Online-Seminare und andere Formate angeboten, um die Kunden umfassend zu beraten. Außerdem hat das Unternehmen in Weiterbildung der Mitarbeiter investiert, die von der Expertise der Kolleginnen und Kollegen aus Frankreich profitieren.

 

Nachhaltigkeit als Unternehmensziel

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Nicole Burg zeigt die Debasafe-medical-Tasche, die bereits der Folienverarbeiter bereits seit vielen Jahren im Programm hat. Sie besteht zu 80 % aus PCR-Rezyklatfolien.

Für seine Folien setzt der Verarbeiter auf mehrere etablierte Zulieferer. Für seine Verpackungsentwicklung arbeitet er eng mit den Folienlieferanten zusammen. „Auch Liefersicherheit spielt in der Zusammenarbeit eine große Rolle“, erklärt der Geschäftsführer. „Wir setzen hier größtenteils auf Lieferanten aus Europa – auch um den CO2-Footprint durch den Transport nicht unnötig zu vergrößern.“ Und das gilt nicht nur für Folienrohstoffe, sondern auch für Lacke, Kleber und Abziehbänder.

Der Verpackungshersteller legt großen Wert auf die Nachhaltigkeit seiner Produktion. Debatin ist Gründungsmitglied der Deriba-Group, in der ein Folien-Recyclingkreislauf – Deriba Cycle – aufgebaut wurde. Dafür wird aus Polyethylenabfall in einem aufwendigen Sortier-, Wasch- und Regranulierungsprozess ein Recyclinggranulat (PCR) hergestellt, das dann zu einer Folie extrudiert werden kann. „Mehr und mehr unserer Debasafe-medical-bags bestehen aus 80 % Post-Consumer-Recyclingmaterial, also aus einem Material, welches bereits bei einem Endkunden im Einsatz war und anschließend wieder umfassend aufbereitet wurde. Viele unsere PCR Debasafe-medical-bags sind mit dem Umweltzeichen Blauer Engel zertifiziert, helfen Ressourcen nachhaltig zu schützen und passen deshalb auch ins Nachhaltigkeitskonzept unserer Kunden“, führt Thomas Rose aus. „Den Anspruch an eine nachhaltige Produktion legen wir auch an unsere Lieferanten an. Bereits ein Großteil unserer Lieferanten und Dienstleister haben unseren Supplier Code of Conduct unterzeichnet.“ Einer dieser Lieferanten ist Henkel, insbesondere deren Sparte der Verpackungsklebstoffe. Henkel wurde jetzt als erster Lieferant von Debatin als „Sustainability Champion“ ausgezeichnet.

ist Redakteurin Plastverarbeiter. etwina.gandert@huethig.de

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