Kleine Pflanze in der Erde

Way2K-Brancheninterview mit Uwe Rothaug, Geschäftsführer Kurtz. (Bild: Kurtz Ersa)

Portrait Uwe Rothaug
Uwe Rothaug, Geschäftsführer Kurtz, gewährt auf dem Way2K Einblicke in die Unternehmsziele. (Bild: Kurtz Ersa)

Herr Rothaug, Kurtz Ersa ist ein sehr altes und traditionsreiches Unternehmen. Was bedeutet Nachhaltigkeit für Sie?

Uwe Rothaug: Gerade weil wir ein Unternehmen mit so langer Tradition sind, hat Nachhaltigkeit bei uns oberste Priorität. Deshalb haben wir uns auch zum Ziel gesetzt, zu unserem 250. Firmenjubiläum im Jahr 2029 komplett CO2-frei zu sein. Wir sind mit Hochdruck dran, sowohl in den internen Prozessen – nachhaltig entwickeln, nachhaltig verkaufen, nachhaltig einkaufen – als auch in den Produkten, die wir an unsere Kunden liefern.

Ist dieses Ziel intern leichter zu erreichen als über Ihre Produkte?

Rothaug: Intern hat man es mehr selbst in der Hand, extern hängt es davon ab, ob der Kunde ein Produkt, das nachhaltiger ist und dem Klimaschutz dient, auch kaufen will. Wir haben zum Beispiel eine Maschine entwickelt, mit der man Partikelschäume, wie zum Beispiel EPS, ohne den Einsatz von Dampf verschweißen kann. Man braucht also keine Dampferzeugungsanlage oder Kühlturm-Installation mit Wasserbecken mehr. Dadurch spart man nicht nur Wasser, sondern in erheblichem Maße auch Energie und damit CO2-Emissionen ein. Aber diese Maschine setzt auf eine völlig neue Technologie und viele Kunden sind noch nicht bereit, sie gegen ihre herkömmlichen Anlagen zu tauschen. Die verdienen mit ihren derzeitigen Prozessen Geld. Im täglichen Produktionsprozess sind Klimaziele, wie sie der europäische Green Deal für 2050 postuliert, weit weg.

Grafik vom Wavefoamer Prozess
Mit dem Wave Foamer werden die Partikelschaumperlen mit Radiofrequenz verschweißt. (Bild: Kurtz Ersa)

Was ist so grundlegend anders an der neuen Maschine?

Rothaug: Bei dieser Maschine, die wir Wave Foamer nennen, arbeiten wir mit einem Radiofrequenzprozess. Er bringt die Molekülketten mit Wechselspannung in Schwingungen, sie reiben sich aneinander und die dadurch entstehende Wärme führt zum Verschweißungsprozess. Bisher haben wir von außen Dampf hereingebracht, wir haben also vorher das Wasser erhitzt, bis es zu Dampf wurde. Das war ein CO2-fressender Prozess. Wir können jetzt dieselben geschäumten Teile herstellen wie vorher, also beispielsweise Automobilteile wie Stoßdämpfer oder Sonnenblenden. Nur emittieren wir viel weniger schädliches Treibhausgas. Der elektromagnetische Prozess ist auch viel feiner einstellbar, und man kann die elektromagnetische Energie sehr gut dosieren. Damit kann man Materialien verarbeiten, die man vorher nicht verarbeiten konnte.

Welche Auswirkungen hat der neue Prozess auf das Recycling?

Rothaug: Wir können mit dem neuen Prozess viel besser recyceltes EPS gegen neues Styropor ersetzen. Schon heute werden in geschäumten Teilen bis zu 20 % recyceltes EPS eingesetzt. Mit unserer Methode kann man bis zu 100 % EPS verarbeiten. Das ist eine ganz andere Welt, wenn man bedenkt, welche Mengen an EPS allein in der globalen Verpackungsindustrie verwendet werden. EPS in der Verpackung wird nicht überleben ohne Recycling. Das muss man ganz klar sehen.

 

Die Way2K-Interviewreihe:

Hand mit Recyclingzeichen in der Hand
(Bild: Ourteam - stock.adobe.com)

Bis zur K-Messe 2022 sind es zwar noch einige Monate, nichtsdestotrotz können Sie die verbleibende Zeit investieren und einen Blick in die bisherigen Interviews aus der Way2K-Reihe des VDMA werfen. Hier gelangen Sie zur Übersicht.

Trotz all dieser Vorteile sind Ihre Kunden aber noch zurückhaltend gegenüber der Neuerung

Rothaug: Für die Kunden ist das ein Paradigmenwechsel – der am Anfang auch teuer ist. Man braucht längere Zeit, bis man unseren neuen Prozess richtig im Griff hat. Nachhaltigkeit kostet Geld, keine Frage, aber diejenigen, die rechtzeitig anfangen, ihre Prozesse nachhaltig zu machen, werden die Gewinner sein. Mit unserer neuen Maschine und Verarbeitungsmethode lässt sich der Energieverbrauch um 90 % verringern, der Wasserverbrauch um bis zu 100 %. Wir haben eine CO2-Einsparung über den gesamten Prozess von 70 % errechnet. Das ist unser Beitrag zum Klimaschutz.

Wird sich durch technologische Neuerungen, die dem Klima- und Ressourcenschutz dienen, das Image des Kunststoffs verbessern?

Rothaug: Das hoffe ich. Noch ist es ja so, dass die Kunststoffindustrie viele Anstrengungen unternimmt, die zum Klimaschutz beitragen und auch zur Kreislaufwirtschaft. Aber sie werden in der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen. Wir müssen sichtbarer werden, nach dem Motto „tue Gutes und rede darüber“. Wir müssen die Öffentlichkeit breit informieren. Dazu müssen wir alle möglichen Kommunikationskanäle nutzen. In der heutigen Zeit heißt das auch, verstärkt die sozialen Medien zu bedienen.

Wird ein besseres Image auch helfen, den Fachkräftemangel zu lindern?

Rothaug: Die jungen Menschen der Generation Y und Z, die schauen sich ganz genau an, für welche Firma sie arbeiten wollen. Sie wollen nicht in Branchen tätig sein, die sie für schädlich oder schmutzig halten. Deshalb ist ein gutes Image von zentraler Bedeutung im Recruiting. Wir haben in Deutschland jetzt schon einen Mangel an Arbeitskräften und der wird in den nächsten Jahren wegen der demographischen Entwicklung noch größer werden. Ich bin davon überzeugt, dass nur ein nachhaltig agierendes Unternehmen künftig die Fachkräfte finden wird, die es braucht.

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