Visualisierung globale Lieferkette

Die angespannten Lieferketten belasten die Kunststoffindustrie. (Bild: Reinhard – stock.adobe.com)

Der Kunststoffmarkt befindet sich nach wie vor in Aufruhr: Stillgelegte Produktionen, die gestiegene Nachfrage und Lieferengpässe haben die Preise deutlich in die Höhe schnellen lassen. Besonders betroffen sind Granulate und Expozidharze. Um dem Druck zu begegnen, sollten Unternehmen sich darauf konzentrieren, mehr Transparenz, Kosteneffizienz und Resilienz in ihren Lieferketten zu schaffen, um die Versorgung mit allen Bedarfen sicherzustellen und trotz angespannter Lage kostenoptimal einzukaufen. Eine bedeutende Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Einkaufsorganisation, verfügt sie doch über umfassende Erfahrungen rund um Beschaffung, Risiko- und Lieferantenmanagement. Auch wenn die hohe Auslastung in der Branche den Wettbewerb erschwert, müssen Unternehmen in der aktuellen Situation den Markt und ihr Lieferantennetzwerk im Auge behalten.

Kooperationen und Partnerschaften mit Lieferanten

Aufgrund der aktuellen Materialknappheit sollte die Zusammenarbeit mit bestehenden Lieferanten intensiviert werden, etwa in Form von strategischen Kooperationen oder Partnerschaften. Durch einen engen Austausch lassen sich Kompetenzen bündeln und gemeinsame Lösungsansätze für neue Versorgungswege entwickeln. So können etwa die Vereinbarung von Mindestabnahmemengen und die Abstimmung von Lieferplänen die Versorgungssicherheit erhöhen. Zudem gilt es, die nachgelagerte Supply Chain gemeinsam auf Kostensenkungspotenziale zu prüfen und diese zu nutzen.

Stößt man hier an Grenzen, sind neue Anbieter in Betracht zu ziehen, um den Lieferantenpool zu diversifizieren und auf Basis breit angelegter Markterkundungen neue Partner zu qualifizieren. Um die richtigen Lieferanten zu identifizieren, empfiehlt sich eine strukturierte Lieferantenbewertung. Dafür definiert der Einkauf gemeinsam mit den verantwortlichen Abteilungen die wesentlichen Kriterien, etwa Produktqualität, Preis und Logistikleistung oder Innovationsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit. Mithilfe dieser Faktoren werden potenzielle neue Lieferanten kategorisiert und ein Ranking gemäß der Leistungsfähigkeit erstellt.

Preisaufschlägen die Stirn bieten

Angesichts der drastischen Preissteigerungen in der Kunststoffbranche ist die Überprüfung eingesetzter Instrumente und Vereinbarungen ratsam, um den eigenen Bedarf zu decken. Festpreise bieten dem Abnehmer zwar Planungssicherheit, jedoch werden diese in der aktuellen Lage vermutlich lediglich für kurze Zeiträume akzeptiert. Außerdem bergen Festpreise zurzeit auch das Risiko, zu viel zu zahlen, sollten die Rohstoffpreise in absehbarer Zeit wieder sinken.

Auch Lieferanten integrieren die Marktunsicherheit in Form von Risikoaufschlägen in ihre Kalkulation. Sinnvoller ist die vertragliche Vereinbarung einer indexbasierten Preisgleitklausel, die üblicherweise im halbjährlichen Rhythmus neu bewertet und angepasst wird.

Dafür verschaffen sich Einkäufer zunächst Transparenz über den Rohstoffanteil in ihren Vorprodukten. Mittels Should Costing wird ein Soll-Preis entwickelt und daraus abgeleitet, wie hoch der indexierte Anteil am Gesamtpreis ist. Indexbasierte Preismodelle sind sowohl für Lieferanten als auch Abnehmer hilfreich, da der Wertschöpfungsanteil des Lieferanten angemessen bewertet und honoriert wird. Unternehmen sollten sich aber auf der Vertriebsseite ebenfalls mit Preisgleitklauseln absichern, damit sie gestiegene Rohstoffkosten auch an ihre Kunden weitergeben können.

Optimierte Logistikstrukturen

Kunststoffunternehmen werden neben steigenden Materialkosten auch mit höheren Transportkosten konfrontiert. Um Kosten einzusparen, gilt es daher, die Logistikstrukturen zu optimieren und auf digitale Lösungen zurückzugreifen: So können durch eine moderne Flotte mit GPS-Tracking gezielt Wartezeiten vermieden werden, was massiv Kosten reduziert. Gleiches gilt für optimierte Routen und ein austariertes Ladevolumen, wodurch sich darüber hinaus CO2 einsparen lässt.

Weitere Einsparpotenziale birgt eine Differenzierung der Logistikanbieter. Unternehmen sollten ihr Liefernetzwerk analysieren und die Wahl ihrer Partner regelmäßig hinterfragen. So ist ein großer Generalanbieter für ein weitverzweigtes Netz mit festen Lieferstandorten nicht zwingend der kostengünstigste Partner. Eine Kooperation mit mehreren Logistikpartnern, mit spezifischen regionalen Schwerpunkten kann eine bessere Strategie darstellen. Diese können in ihrem Aktionsradius eine höhere Anzahl von Kunden bedienen, was die Flottenauslastung erhöht und sich positiv auf den Angebotspreis auswirken kann.

Schnelle Reaktion durch effektives Risikomanagement

Die aktuellen Versorgungsengpässe verdeutlichen, wie notwendig neben dem Lieferantenmanagement auch ein effektiv aufgestelltes Risikomanagement ist. Dieses hilft dabei, Engpässe frühzeitig zu erkennen, um alternative Lieferanten qualifizieren und stets die Produktion aufrechterhalten zu können.

Für ein strukturiertes Risikomanagement müssen alle relevanten Informationen gesammelt werden. Extern sollten Kunststoffunternehmen dafür ihre Zulieferer zur aktuellen Liefersituation befragen, intern kann vor allem der Einkauf die Lage übergreifend einschätzen. Einfließen sollten ferner Preisentwicklungen, etwa aus Börsenindizes, sowie allgemeine Nachrichten aus den Regionen, wo die Lieferanten produzieren. Daran anknüpfend sollte zur Risikoermittlung und -erfassung eine sinnvolle Bewertungslogik wie ein Scoring- oder Ranking-Verfahren genutzt und ein Maßnahmenkatalog entwickelt werden, um im Falle eines Risikoeintritts handeln zu können. Digitale Lösungen helfen bei der Bündelung der Informationen, die in einem Control-Tower zusammenfließen und kontinuierlich beobachtet werden sollten.

Der Weg in eine dekarbonisierte Zukunft

Nicht geeignet, um kurzfristig Knappheit zu managen, aber als Langfriststrategie zur Minimierung von des CO2-Fußabtrucks und des Materialbedarfs ist das Redesign von Produkten. Bei der Neugestaltung ist es möglich, Nachhaltigkeitskriterien einfließen zu lassen, beispielsweise Material zu sparen, zu substituieren oder die Recyclingfähigkeit zu optimieren. Da der Pfad zur Klimaneutralität zunehmend klar definierte CO2-Einsparungen erfordert, sollten Unternehmen auch hier mit ihren Lieferanten kooperieren.

Klar ist: Krisenzeiten und Megatrends wie die Dekarbonisierung werden die Zukunft der Kunststoffindustrie auch künftig stark beeinflussen und machen die Erschließung alternativer Energiequellen sowie neuer Materialherstellungsverfahren unabdingbar. Unternehmen müssen ihre Wertschöpfungsketten genau verstehen und erkennen, inwiefern die Dekarbonisierung Veränderungen erfordert. Für einige Bezugsquellen oder Vorprodukte wird es nötig sein, alternative Lösungen zu schaffen. Der Austausch mit den Partnern in der Lieferkette sollte hier die Lösung sein, um gemeinsam den Weg für die innovative Kunststoffindustrie von morgen zu ebnen.

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