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Die kunststoffverarbeitende Industrie steht aktuell unter Druck. Mangelnde Verfügbarkeit und teils exorbitante Preissteigerungen bei Rohstoffen sind der Grund. (Bild: Redaktion)

Betroffen sind  alle Bereiche der kunststoffverarbeitenden Industrie, sowie alle Kunststofftypen angefangen von den StandardKunststoffen wie PP, PE und PVC, über die Technischen Kunststoffe wie ABS, PC und PA bis hin zu den Hochleistungskunststoffen wie PVDF und PTFE.

Zwar arbeiten die Hersteller von Kunststoffprodukten laut GKV derzeit beharrlich daran, die sich daraus ergebenen Risiken für ihre Kunden zu minimieren. Sie weisen aber auch auf den wirtschaftlichen Druck hin, der die gesamte Branche belastet. Es ist aber nicht nur die Preisentwicklung, die die Unternehmen vor eine große Herausforderung stellt, es fehlen schlicht auch die Mengen. Gewünschte Rohstoffe, die durch die wieder steigende Nachfrage notwendig wären, stehen ebenfalls nicht in dem Maße zur Verfügung und dämpfen somit die Rückkehr auf den Wachstumspfad der Branche.

Massive Teuerung bei Kunststoffen

Die Preise für Standard-Kunststoffe sind im ersten Quartal 2021 in Europa durchweg stark gestiegen. So hat sich der für Verpackungen wichtige Rohstoff Polyethylen (PE-LD) bis Mitte März um mehr als 35% verteuert. Ähnliche Zahlen werden für PE-HD, PE-LLD und PP gemeldet. Bei Polystyrol (PS) bzw. expandiertem Polystyrol (EPS) ist die Lage ebenso dramatisch: Die Preise sind allein im März um 30% gestiegen und beim S-PVC ist ein Preisanstieg von 61% innerhalb der letzten 10 Monate zu verzeichnen. Bei PUR liegt die Preissteigerung um 50 % in den letzten sechs Monaten. Auch die Technischen Kunststoffe sind von starken Preisanstiegen betroffen – der Preisindex Plastixx TT stieg allein im Februar um über 10 % im Vergleich zum

Vormonat. Vor allem bei den für die Automobil- und Elektroindustrie wichtigen Materialien PA 6 und PA 6.6 werden dreistellige Aufschläge erwartet. Der für Gehäuse von Elektrogeräten und medizinisches Inventar wichtige Rohstoff ABS ist in den letzten sechs Monaten um 35% teurer geworden. Ähnlich verhält sich die Situation auch bei den Hochleistungskunststoffen wie PVDF und PTFE.

Preisanstieg bei petrochemischen Ausgangsstoffen

Auch die petrochemischen Ausgangsstoffe für die Kunststoffherstellung sind teurer geworden, allerdings teils deutlich geringer als die daraus gefertigten Kunststoffe. So stiegen beispielsweise im ersten Quartal die Kosten für Ethylen, dem Ausgangsstoff für Polyethylen, um 17%. Für Propylen, dem Ausgangsstoff für Polypropylen liegt der Preisanstieg bei 21%. Die Aufschläge auf Polyolefine erreichen nominal teils mehr als das Dreifache der Preissteigerung der Vorprodukte. Der für ABS und Polystyrol/EPS wichtige Ausgangsstoff Styrol hat sich allein im März um 48% verteuert.

Fracht und Logistik: Container fehlen

Der Einbruch des Welthandels zu Beginn der Covid-19-Pandemie und die im 4. Quartal 2020 sprunghaft wieder angestiegene Nachfrage haben zu teils chaotischen Situationen im Frachtgeschäft geführt: Vielfach fehlt es an Containern, die infolge der Pandemie in den falschen Häfen gestrandet sind. Das knappe Angebot und die starke Nachfrage nach Frachtkapazitäten haben beispielsweise die Containerpreise auf der Strecke Asien-Europa seit Ende 2020 um mehr als 400 % ansteigen lassen. Allein das verteuert auch Kunststoffe im Schnitt um 200 Euro/Tonne, deren Non-EU-Importquote nach Deutschland bei circa 15% liegt. In den letzten Wochen scheint sich die Lage allerdings zu stabilisieren und auf den Wachstumspfad von vor der Corona-Krise zurückzukehren. Damit kann zumindest im Bereich der Frachtkosten auf eine mittelfristige Entspannung gehofft werden. Weiterhin fehlt aber der Frachtraum der Passagierflieger.

Sekundärrohstoffe nur begrenzt verfügbar

Ein Ausweichen auf Recyclingmaterialien ist in vielen Fällen nur begrenzt möglich. Für viele Anwendungen verhindern gesetzliche Sicherheitsvorschriften, technische Hürden und hohe Qualitätsanforderungen derzeit einen breiteren Einsatz von Rezyklaten. Auch sind Rezyklate vielfach noch nicht in ausreichenden Mengen in gleichbleibender Qualität verfügbar. Dort, wo Rezyklate etabliert sind, steigen die Preise parallel zur Neuware deutlich – und das bei sinkender Verfügbarkeit.

Hintergründe und Ausblick

Die Gründe für die schwierige Lage der Kunststoff Verarbeiter sind vielfältig: Die Covid-19-Pandemie führte weltweit zu einem Ungleichgewicht von Nachfrage und Angebot von Kunststoffprodukten. Dadurch, dass Asien, speziell China, bereits in der zweiten Jahreshälfte 2020 auf den Wachstumspfad zurückgekehrt ist, ist die Nachfrage nach Rohstoffen dort früher gestiegen als in Europa oder den USA. Viele Rohstoffe aus dem Mittleren Osten und den USA wurden und werden nach Asien umgelenkt und fehlen daher in Europa. Verschärft wurde die Situation Anfang des Jahres durch Anlagenausfälle in den USA infolge des Wintereinbruchs, geplante Wartungsarbeiten in europäischen Anlagen sowie Force-Majeure-Meldungen der Kunststoff-Hersteller. Ein Ende der angespannten Rohstoffsituation ist vorerst nicht in Sicht – Experten rechnen mit einer Erholung erst im Herbst 2021.

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