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„Das Jahr 2020 war geprägt von der Corona-Pandemie und der damit einhergehenden Unterbrechung von Lieferketten und Produktionsprozessen“, sagte GKV-Präsident Roland Roth. „Die Lockdown-Phasen ließen parallel dazu etliche Abnahme-Märkte einbrechen,“  Der Branchenumsatz ging im vergangenen Jahr um 5,6 % auf 61,5 Mrd. Euro zurück, wobei der Inlandumsatz mit 5,5 % weniger sank als die Exporte mit einem Minus von 6,1 %. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr in Deutschland 14,2 (- 2,8 %) Millionen Tonnen Kunststoffe verarbeitet. Die Anzahl der Beschäftigten ist um 4,1 Prozent auf 322.000 abgesunken.

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Den stärksten Einbruch verbuchte 2020 das Segment Technische Kunststoffprodukte mit einem Umsatzrückgang von 12 %. „Die Hersteller von technischen Teilen standen unter enormen Druck, da in 2019 schon viele Projekte aufgeschoben worden sind, die dann auch in 2020 nicht vergeben wurden“, erklärte die neue Geschäftsführerin des GKV, Julia Große-Wilde. Im Fahrzeugbereich wurden vor allem Modellvarianten gestrichen, Serienlaufzeiten verlängert und neue Modelle vertagt. Die Hersteller von technischen Teilen spürten zudem einen Auftragsrückgang aus dem Maschinenbau. Im 4. Quartal 2020 sei die Nachfrage insbesondere im Automilbereich allerdings wieder deutlich angestiegen, sagte Große-Wilde. Einigermaßen verschont von der Konjunkturkrise blieben 2020 de Hersteller von Kunststoffprodukten für den Bau (Umsatz: -0,2 %), während der Bereich Konsumprodukte (-8,9 %) stark betroffen war. Das Segment Verpackung büßte 2,4 % Umsatz ein, wobei auch hier eine Belebung der Nachfrage im 4. Quartal zu verbuchen war.

Rohstoffe werden nach China umgeleitet

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Gerade jene Bereiche, in denen die Nachfrage wieder anzieht, sehen sich nun mit einem Problem konfrontiert, das laut GKV-Präsident Roth ein Begleiter sämtlicher Krisen der vergangenen Jahrzehnte war: die mangelnde Verfügbarkeit von Rohstoffen. „Die Rohstoffverknappung trifft uns hart“, betonte Roth, geringere Produktion und massive Preissteigerungen seien absehbare Folgen. Verschiedene Force-Majeure-Meldungen von Rohstofflieferanten verschärfen die Situation. „Es fehlen bei uns Materiallieferungen aus den USA und dem Mittleren Osten“, präzisierte Roth, „China scheint stattdessen zu den bevorzugten Lieferadressen zu gehören.“ Vermutet wird, dass leicht höhere Preise in China ein Grund für die Umleitung der Materialströme sind. Der GKV-Präsident bedauerte, dass frühere Initiativen für eine faire Rohstoffversorgung ergebnislos blieben. Der Produktionsstandort Deutschland habe offentsichtlich zu wenig Gewicht in diesem internationalen Umfeld.

Die bereits für 2019 festgestellte Ambivalenz zwischen Zuversicht und Unsicherheit bei den Unternehmen hat sich unter dem Eindruck der Corona-Pandemie noch verstärkt. So rechnet trotz stark gesunkener Umsätze im Jahr 2020 etwa. die Hälfte der im Rahmen der GKV-Umfrage befragten Unternehmer im Jahr 2021 wieder mit steigenden Umsätzen, jedoch mit sinkenden Gewinnen.

Fachkräftemangel verstärkt

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Bilder: GKV

Im Rahmen der Pressekonferenz wurden weitere Herausforderungen der Branche und ihrer Segmente analysiert. Keine Entwarnung gibt es beim Thema Fachkräftemangel, der offenbar durch die Imagekrise des Werkstoffs Kunststoff weiter verstärkt wird. Die meisten Fachkräfte fehlen in den Bereichen Kunststofftechniker und Verfahrensmechaniker sowie technische Auszubildende. Zwar wurden im vergangenen Jahr gleich viele Ausbildungsplätze angeboten wie im Vorjahr, die Coronakrise störte aber den Vermittlungsprozess.

Herausforderung Kreislaufwirtschaft

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Die im Frühjahr 2020 von der EU-Kommission veröffentlichte Aktionsplan Kreislaufwirtschaft – unter anderem sollen ab 2025 20 % der verarbeitenden Kunststoffmenge aus Rezyklaten bestehen – stellt die Kunststoffbranche vor ernorme Herausforderungen. Bis zum Jahresende will die Kommission Mindestquoten für Rezyklate vorlegen. In Ermangelung eines funktionierenden Rezyklatmarktes seien Engpässe bei wichtigen Materialien quasi vorprammiert, hieß es auf der Pressekonferenz.  Es müsse die Möglichkeit geschaffen werden, beim Auftreten solcher Engpässe Quoten auszusetzen, sagte Dr. Isabell Schmidt, Geschäftsführerin des GKV-Trägerverbands IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen. Vermarkungsverbote dürfe es nicht geben.

Der GKV sieht aber auch Chancen für den Werkstoff Kunststoff: Gerade in der Coronakrise, so der Tenor,  erweise er sich als wichtige Stütze der Versorgung und erfahre eine zunehmende verdiente Wertschätzung seiner Leistungsfähigkeit. Nun komme es darauf an, dass die Anerkennung von Wissenschaft und Fakten nachhaltig Bestand in der öffentlichen und politischen Meinungsbildung haben wird – auch nach Corona – und dass auch die Öffentlichkeit das Engagement der Kunststoffindustrie für das Gelingen der Kreislaufwirtschaft anerkennt. GKV-Präsident Roland Roth sagte dazu: „Der GKV und damit die kunststoffverarbeitende Industrie geht die Herausforderung mit der Kreislaufwirtschaft nicht nur als Notwendigkeit, sondern auch als Chance für Innovation an. Zusätzlich bündeln wir die Kräfte in der Öffentlichkeitsarbeit nicht nur, um den großen Nutzen von Kunststoffprodukten in vielen Bereichen der Wirtschaft und des alltäglichen Lebens zu verdeutlichen, sondern auch, um den Beitrag der Branche zu einer ressourcenschonenden Kreislaufwirtschaft und zum Klimaschutz aufzuzeigen.“ (rm)

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