Grafik mit einem roten und einem schwarzem Pfeil. Dahinter ein Oberkörper von einem Mann mit grauem Jackett und roter Krawatte. Zeigt mit dem Zeigefinger auf die Grafik.

(Bild: Photo-K – Fotolia.com)

Update vom 24.01.23: Preise von Kunststoffwaren: Beruhigung, Rückgang, Anstieg

In KW 47 hatten wir zuletzt den Preisauftrieb bei Kunststoffwaren untersucht. Damals zeichnete sich eine langsame Beruhigung des vorher starken Preisanstiegs bei Kunststoffwaren insgesamt ab. Diese Entwicklung hat sich bis zum Jahresende weiter fortgesetzt. Zwischen den einzelnen Produktsegmenten gibt es aber starke Unterschiede: Während sich bei Halbzeugen und Verpackungsmitteln im vierten Quartal 2022 schon wieder Preisabschläge gegenüber dem Vorquartal einstellten, verteuerten sich Baubedarfsartikel weiter, wenn auch mit 1,7 % relativ maßvoll im Vergleich zu den Vorquartalen. Mit knapp 3 % haben sich Technische Teile im vierten Quartal fast sprunghaft verteuert, wenn man die vergleichsweise geringen Aufschläge davor zum Maßstab nimmt. Möglicherweise hängt dies mit dem Auslaufen von Lieferverträgen und Preisklauseln zusammen, was es den Herstellern von Technischen Teilen nun erlaubt, Entgangenes nachzuholen und wieder etwas Luft zu schöpfen. Spannend könnte die Entwicklung in diesem Jahr vor allem bei Baubedarfsartikeln verlaufen, angesichts derzeit stark einbrechender Baunachfrage.

Diagramm mit horizontalen Balken in blau, orange, braun und rot.
(Bild: Destatis)

Update vom 17.01.23: Kunststoffverarbeitung sucht weiter die Talsohle

In mehreren Beiträgen haben wir nun die Produktionsentwicklung in der Kunststoffindustrie kommentiert und mit gespanntem Interesse verfolgt. Nach einem katastrophalen ersten Halbjahr hat sich die Schussfahrt der Produktion im zweiten Halbjahr zusehends gemäßigt. Es war klar, dass die Bilanz für 2022 insgesamt negativ ausfallen würde, fraglich war nur wie stark. Noch in KW 45 hatten wir mutig eine -1 vor dem Komma für möglich gehalten. Das scheint nun ausgeschlossen. Denn bis zum November bilanzieren wir einen Produktionsrückgang von -2,2 %. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass der Dezember daran noch wesentlich etwas ändern konnte, auch wenn die Produktionsrückgänge ständig kleiner ausfallen. Im Zweimonatszeitraum Oktober/November lag die Produktion noch -1,6 % unter Vorjahresniveau. Wie es im neuen Jahr weitergehen wird, bleibt ungewiss. Angesichts bisheriger Signale aus Abnehmerindustrien (wir haben berichtet) wäre eine Seitwärtsbewegung der Produktion schon ein Erfolg.

Grafik mit blauen Balken und roter Kurve.
(Bild: Destatis)

Update vom 19.12.22: Investitionen der Kunststoffverarbeiter

Investitionen sind eines der wichtigsten Mittel, die Konkurrenzfähigkeit der Betriebe zu erhalten. Die Kunststoffverarbeiter investieren, langfristig betrachtet, jährlich etwa 4 % vom Umsatz. In einem Spitzenjahr wie 2015 betrug die Investitionsquote sogar einmal 4,4 %. 2021 lagen die gesamten Investitionen bei knapp 2,8 Mrd. Euro, was einer Investitionsquote von 3,9 % entspricht. Etwa 85 % fließen gewöhnlich in Maschinen, der Rest hauptsächlich in Gebäude und Grundstücke. 2008, vor der Krise von 2009, beliefen sich die Investitionen auf etwas weniger als 2,2 Mrd. Euro, 2021 waren sie um knapp 32 % höher. Am meisten wurden im letzten Aufschwungjahr 2018 mit 2,84 Mrd. Euro investiert. Seither sind die Investitionen nominal gesunken, besonders stark im Pandemiejahr 2020. Berücksichtigt man die Inflation, dann sind die Investitionen real sogar noch stärker zurückgegangen als es die reinen Summen nahelegen. Investitionen sind langfristig wirksam und dürfen nicht nur kurzfristig betrachtet werden. Nach 2015 sehen wir deutlich sinkende Zuwachsraten bei den Investitionen, zum Teil auch Rückgänge, das Investitionsniveau stagniert real wahrscheinlich, seit 2019 ist es sogar wieder gesunken. Real betrachtet dürften die Investitionen wieder etwa auf das Niveau von 2017 zurückgefallen sein. Große Produktivitätsfortschritte sind so nicht zu erwarten.

Grafik mit blauen Balken und roter Kurve.
(Bild: Destatis)

Beschäftigungsrekord schon Vergangenheit?

Daten liegen bis September für Betriebe ab 50 Beschäftigte vor, Zahlen für kleinere Betriebe erst Ende nächsten Jahres. Über die Jahre sehen wir einen deutlichen Anstieg der Zahl der Betriebe, meist verursacht durch Personalwachstum über die Grenze von 50 Beschäftigten und beziehungsweise durch Fusionen und Übernahmen. Die Zahl der Beschäftigten erreichte 2019 mit knapp über 290.000 ihren Höhepunkt, in der Pandemie ging es wie in der Krise von 2009 bergab. Damals dauerte die Erholung zwei Jahre, ob es künftig zu einem neuen Beschäftigungsrekord reicht, ist mehr als fraglich.

Grafik mit vielen roten vertikalen Balken und einer blauen Kurve.
(Bild: Destatis)

Inflation lässt Umsätze explodieren

Betriebe ab 50 Beschäftigte stehen für fast 90 % der gesamten Branchenumsätze. Seit 2005 sind diese – von Einbrüchen in Krisenjahren abgesehen – kontinuierlich gestiegen. Bezogen auf die ersten neun Monate eines jeden Jahres von knapp 30 Mrd. Euro im Jahr 2005 auf zuletzt knapp 45 Mrd. Euro im Vorkrisenjahr 2018. In der Pandemie 2020 gab es dann einen Einbruch, wovon man sich 2021 wieder deutlich erholen konnte. Aber auch damals sind die Erzeugerpreise bereits schnell geklettert. Der starke Zuwachs 2022 ist fast ausschließlich inflationsbedingt. Die Produktion hingegen ist leicht negativ.

Grafik mit mehreren blauen vertikalen Balken und roter Kurve.
(Bild: Destatis)

Geringe Produktivitäts- fortschritte

Die durchschnittliche Betriebsgröße hat Ende der Nullerjahre stagniert, ist in der Krise von 2009 deutlich gefallen und in den 10er-Jahren dann langsam gewachsen, bis zu ihrem bisherigen Rekord von durchschnittlich 168 Mitarbeitern. Teilweise ist das statistisch bedingt, denn der Aufstieg von Betrieben über die 50er-Grenze dämpft den Durchschnitt. Die Produktivität, gemessen als Umsatz pro Kopf, hat überwiegend stagniert. Man hat zu wenig investiert, die Wachstumsjahre wurden kaum genutzt, um große Produktivitätsfortschritte zu erzielen.

Grafik mit einer blauen und orangenen Kurve.
(Bild: Destatis)

Lohnzurückhaltung bremst Produktivitätsfortschritt

Auch wenn nicht gerne gehört: Die Lohnzurückhaltung in der Vergangenheit hat den Produktivitätsfortschritt gebremst. Die Kosten einer Arbeitsstunde sind nur langsam gestiegen, vor allem durch die Lohnnebenkosten und weniger den Lohn selbst. Ursache dieser erstaunlichen Entwicklung ist der geringere Kostendruck aufgrund der moderaten Lohnentwicklung bei gleichzeitigem Aufwertungsschutz durch den Euro, was zum Gewinn von Marktanteilen in Europa zu Lasten örtlicher Konkurrenten führte.

Grafik mit einer blauen und roten Kurve.
(Bild: Destatis)

Export gewinnt immer mehr an Bedeutung

Für die Verarbeiter gewinnt der Export immer mehr an Bedeutung: direkt und indirekt. Direkt durch langsam steigenden Exportanteil, indirekt durch Zulieferteile für deutsche Exportgüter. In der Nachfolge der Krise von 2009 haben Industrien großer Konkurrenten wie Frankreich und Italien an zunehmender Schwindsucht gekrankt. Deren Platz wurde von deutschen Unternehmen eingenommen. Ein nicht unbeträchtlicher Teil deutscher Kunststoffwaren geht so indirekt in den Export. Die direkt messbare Exportquote ist auf über 41 % gestiegen, vor allem außerhalb der Eurozone.

Grafik mit einer roten Kurve.
(Bild: Destatis)

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