blühendes Flachsfeld

Flachsfasern werden als Verstärkungsstoffe in bioabbaubaren Werkstoffen eingesetzt. (Bild: Emma Landis - Pixabay.com)

Biokunststoffe erobern neue Einsatzgebiete, vom Wohnungsbau bis zur Fahrzeugindustrie. Sie tragen dazu bei, Abhängigkeiten von Öl und Gas und den CO2-Fußabdruck zu minimieren. Und sie werden auch preislich zu interessanten Alternativen. Die Preisträger des diesjährigen Biopolymer Innovation Awards liefern eindrucksvolle Belege dafür. Bei der feierlichen Preisverleihung auf dem Kongress „Biopolymer – Processing & Moulding“ am 14. Juni stellen die aus Belgien, Brasilien und Deutschland stammenden Gewinner ihre Innovationen exklusiv vor.

Hier lernen Sie die Nominierten kennen

Die Fülle hochwertiger Bewerbungen aus Belgien, Brasilien, Holland, Italien und Deutschland stellte die Jury des Biopolymer Innovation Awards in diesem Jahr wieder vor eine spannende und anspruchsvolle Aufgabe. Nach einem mehrstufigen Auswahlprozess nominierte das Preisgericht die folgenden drei Unternehmen als Kandidaten für den mit 2.000 Euro dotierten Hauptpreis (Nennung in umgekehrt alphabetischer Reihenfolge der Firmennamen):

Was bioabbaubare UD-Tapes besonders macht

UD-Tabe aus bioabbaubarem Kunststoff verstärkt mit Hanffasern
Das UD-Tape ist aus biobasiertem Polyamid und mit Flachs- und Hanffasern verstärkt. (Bild: Sachsen-Leinen)

Sachsen-Leinen aus Markkleeberg entwickelte ein Verfahren zur Herstellung von Unidirectional-Tapes (UD-Tapes) aus Flachs- und Hanffasern und biobasiertem Polyamid. UD-Tapes werden in Formteile zum Beispiel von Fahrzeugteilen, Kindersitzen und dergleichen eingearbeitet, um besonders dünnwandige, hochstabile und ressourcensparende Strukturen zu ermöglichen. Die in einer Richtung orientierten Fasern erlauben es, Steifigkeiten und Festigkeiten in solchen Komponenten bei minimalem Gewicht präzise zu „dosieren“. Die naturfaserverstärkten UD-Tapes von Sachsen-Leinen können nicht nur bisher übliche glasfaserverstärkte UD-Tapes aus Polypropylen oder anderen konventionellen Kunststoffen ersetzen, sondern auch preislich mit ihnen konkurrieren. Die Flachs- und Hanffasern wachsen in der Region, die Tapes können recycelt und als kurzfaserverstärkter Kunststoff wiederverwendet und am Ende der Lebensdauer biologisch abgebaut werden. Weitere Informationen zu Sachsen-Leinen erhalten Sie hier.

Dauerelastischer und wärmeisolierender bioabbaubarer Schaum

Biopolymer fließt aus einer Düse auf eine Fläche
Auch feuerhemmende Schäume werden aus Biokunststoffen hergestellt. (Bild: Home Eos)

Home Eos aus dem belgischen Farciennes hat mit „Stopsound“ einen neuartigen biobasierten, biologisch abbaubaren Kunststoff entwickelt, der hervorragend Vibrationen absorbiert, von Natur aus feuerhemmend und wärmeisolierend wirkt und bei seiner Herstellung bis zu acht Mal weniger Energie verbraucht als ähnliche konventionelle Kunststoffe. Der schall- und wärmedämmende Schaum, der ohne Weichmacher, Lösungsmittel und klassifizierte Chemikalien dauerelastisch bleibt, kann leicht mit anderen Werkstoffen verbunden werden. Das Material findet im Fahrzeugbau ebenso Anwendung wie zum Beispiel in Fußböden, Fassaden oder im industriellen Schallschutz. Mit dem umfangreich zertifizierten Biokunststoff können klassische petrochemische Materialien wie Bitumen, PVC oder EPDM damit perspektivisch in Größenordnungen ersetzt werden. Weitere Informationen zum Entwickler des preiswürdigen Produktes erhalten Sie hier.

Aus einem Guss

Einwegbesteck
Verstärkungsfasern und Matrix bestehen aus dem gleich Biopolymer. (Bild: ERT)

Earth Renewable Technology (ERT) aus dem brasilianischen Curitiba hat die Jury mit einer compoundiertechnischen Meisterleistung überzeugt, die dem weltweit bislang wohl meistgenutzten Biopolymer, Polylactid (PLA), nach Überzeugung der Juroren neue Anwendungsmöglichkeiten eröffnet. Mit seinem „Short Fiber Reinforced (SFRP) in FC 10130 biopolymer composite” integriert das seit dem vergangenen Jahr in Brasilien aktive US-Unternehmen PLA-Fasern erfolgreich in eine PLA-Matrix. Das so entstehende Monomaterial ist nicht nur besonders gut recycelbar, sondern verleiht dem biobasierten und bioabbaubaren Kunststoff deutlich verbesserte Gebrauchseigenschaften. So steigt die Bruchdehnung nach ERT-Angaben bis auf das Fünfzigfache. Die Schlagzähigkeit wird verfünffacht und die Wärmeformbeständigkeit verdoppelt. Die Barrierewirkung gegen Wasserdampf steigt bis auf das Zwanzigfache, die gegen Sauerstoff bis auf das Vierfache. Die Technologie kann im Spritzguss, in Extrusionsverfahren und im Thermoforming genutzt werden. Hintergrundinformotionen zur Entwicklung gibt es hier.

 

Wann die Preise übergeben werden

Bei der feierlichen Preisverleihung auf dem virtuellen Kongress „Biopolymer – Processing & Moulding“ am 14. Juni werden dem Sieger sowie dem Zweit- und Drittplatzierten die begehrten handgefertigten Trophäen überreicht. Die drei Preisträger stellen ihre Innovationen vor und stehen auch für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung.

Diese Personen gehören der Jury an

·       Dr. Martin Bussmann, Manager Renewable Polymers and Chemicals, Neste Germany, Düsseldorf.

·       Simone Fischer, Redakteurin des Fachmagazins Plastverarbeiter, Hüthig, Heidelberg

·       Dr.-Ing. Patrick Hirsch, Experte für Biokunststoffe am Fraunhofer Institut für Werkstoffe und Systeme (IMWS), Halle (Saale).

·       Peter Putsch, Vorstand der POLYKUM e. V. – Fördergemeinschaft für Polymerentwicklung und Kunststofftechnik in Mitteldeutschland, Merseburg.

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