Tim Rudersdorf, Geschäftsführer der ProTec Polymer Processing

Tim Rudersdorf, Geschäftsführer der ProTec Polymer Processing stellt sich den Fragen im Way2k-Interview des VDMA. (Bild: Protec Polymer Processing)

Herr Rudersdorf, was ist der größte Nutzen der digitalen Transformation?
Tim Rudersdorf: Ich sehe in dieser digitalen Transformation vor allem in der zwischenmenschlichen Kommunikation den größten Nutzen, weil dadurch eine große Effizienzsteigerung der Mitarbeiter möglich wird. Wir haben in Europa ein sehr hohes Lohnniveau, stehen aber in einem internationalen Wettbewerb. Wir können es uns nicht erlauben, mit der gleichen Mannstärke aufzutreten wie Firmen in Ländern wo die Lohnniveaus niedriger sind. Das heißt im Umkehrschluss, unsere Mitarbeiter müssen eine höhere Produktivität erzielen und das geht über die Digitalisierung.

Was heißt das konkret?
Rudersdorf: Ich möchte mal den Fokus auf den Vertrieb legen. Seit vielen Jahren bin ich im B2B-Geschäft in der Kunststoffindustrie tätig. Wir wissen aus Studien, dass Einkäufer in der verarbeitenden Industrie heute andere Kanäle zum Sourcing nutzen, als den Besuch vom Außendienst. Wenn sie für ein Projekt eine Anlage suchen, dann recherchieren die zuerst im Internet, sie gehen also diesen digitalen Weg. Sie besorgen sich sehr viele Informationen über Produkte, mögliche Lieferanten, auch über die Ansprechpartner, die auf der Website angegeben sind. Erst später im Entscheidungsprozess, wenn das Sourcing schon sehr weit vorangeschritten ist, gibt es ein persönliches Gespräch, das mittlerweile auch erst mal virtuell stattfindet. Als Lieferant haben wir damit eine Nähe zum Kunden trotz räumlicher Entfernung. Wir können unsere Vertriebsmitarbeiter also viel effizienter einsetzen. Persönliche Besuche wird es natürlich weiterhin geben. Wichtig wird es in Zukunft sein, ein gutes Gleichgewicht zu finden.

Kunststoffrecycling: Der große Überblick

Mann mit Kreislaufsymbol auf dem T-Shirt
(Bild: Bits and Splits - stock.adobe.com)

Sie wollen alles zum Thema Kunststoffrecycling wissen? Klar ist, Nachhaltigkeit hört nicht beim eigentlichen Produkt auf: Es gilt Produkte entsprechend ihrer Materialausprägung wiederzuverwerten und Kreisläufe zu schließen. Doch welche Verfahren beim Recycling von Kunststoffen sind überhaupt im Einsatz? Gibt es Grenzen bei der Wiederverwertung? Und was ist eigentlich Down- und Upcycling? Alles was man dazu wissen sollte, erfahren Sie hier.

Hat die Pandemie diesen Prozess beschleunigt?
Rudersdorf: Auf jeden Fall. Wir haben unseren Auftragseingang im letzten Jahr wesentlich steigern können, obwohl Messen ja so gut wie nicht stattfanden. Wir haben deshalb unsere Online-Präsenz neu aufgebaut, mit einer neuen Website, eigenen Social-Media-Kanälen, mit sehr vielen neuen Inhalten. Über diesen Online-Auftritt kommen Kundenanfragen und schließlich Aufträge. Durch die Pandemie konnten wir sehen, dass die Digitalisierung für uns eine große Rolle auf dem Weg zu mehr Wachstum spielt.

Welche Rolle spielt die Digitalisierung denn später in der Zusammenarbeit mit den Kunden? Sind sie schon bereit Daten auszutauschen?
Rudersdorf: Es sind noch einige Hürden zu überwinden, damit die Kunden bei der digitalen Transformation auf Datenaustausch setzen. Wenn wir zum Beispiel Produktionsdaten aus einer Kundenanlage bekämen, könnten wir dem Kunden sagen, wie er die Maschine effizienter im Prozess betreiben kann. Es ist noch vergleichsweise einfach, kleine und mittelständische Unternehmen von diesen Vorteilen zu überzeugen. Da stehen wir oft in engem Kontakt zum Geschäftsführer. Bei großen, internationalen Konzernen ist das so viel schwieriger. Die haben in der Regel IT-Richtlinien, die die digitale Transformation aus Sicherheitsgründen erschweren.

Muss man dann nicht die Sicherheit verbessern?
Rudersdorf: Auf der einen Seite müssen wir als Lieferanten, als Maschinenbauer, überhaupt erst einmal eine solche Lösung für sicheren Datenaustausch anbieten können. Das tun wir aber erst, wenn es einen Bedarf gibt. Man spricht schon seit Jahren über Industrie 4.0, aber nach meiner Erfahrung haben sich viele Firmen gewehrt sie anzuwenden und zwar aus Angst vor Know-how-Verlust.

Die Way2K-Interviewreihe:

Hand mit Recyclingzeichen in der Hand
(Bild: Ourteam - stock.adobe.com)

Bis zur K-Messe 2022 sind es zwar noch einige Monate, nichtsdestotrotz können Sie die verbleibende Zeit investieren und einen Blick in die bisherigen Interviews aus der Way2K-Reihe des VDMA werfen. Hier gelangen Sie zur Übersicht.

Könnten die Erfahrungen der Corona-Pandemie hier helfen, ein Umdenken einzuleiten?
Rudersdorf: Ganz sicher. Als 2020 und 2021 bei Kunden, die keine Servicetechniker mehr in ihre Werke gelassen haben, Maschinen unvorhergesehen ausfielen, haben wir versucht, die Probleme über eine Datenbrille oder über ein Handy mit Kamera zu lösen. Wenn diese Kunden sich vorher schon ein wenig geöffnet hätten und uns als ihrem Lieferanten Zugang zu Produktivzeiten, Produktionszeiten, verarbeiteten Mengen und weitere Rahmenparameter ihrer Anlagen zugestanden hätten, hätte man vermutlich schon vor dem Ausfall bemerken können, dass da irgendwas nicht richtig läuft. Ich glaube, dass die Erfahrung der letzten beiden Jahre den Druck auf die Kunden erhöht hat. Sie wissen, sie müssen etwas tun. Wir verzeichnen einen sprunghaften Anstieg der Wartungsverträge. Das ist ein erster Schritt. Die vorbeugende Wartung, für die ein Datenaustausch unverzichtbar ist, wird hoffentlich folgen.

Die Regierung setzt stark auf die Digitalisierung. Tut sie genug dafür?
Rudersdorf: Die Politik unterstützt schon recht gut. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, als Unternehmen Fördermittel zu beantragen. Wir haben das auch getan und die Mittel des Bundesforschungsministeriums helfen uns sehr bei der Finanzierung unserer Digitalisierungsvorhaben. Wenn wir zum Beispiel unseren Kunden künftig einen sicheren Datenaustausch anbieten wollen, brauchen wir einen Qualifizierungsprozess für unsere Mitarbeiter. Dies genau unterstützt das Ministerium in unserem Fall. Wir können den Kunden damit nicht nur sichere vorausschauende Wartung bieten, sondern auch die Bedienung der Maschine für die Mitarbeiter erleichtern. Das ist gerade in Zeiten von Fachkräftemangel ein großer Mehrwert.

Quelle: VDMA

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