Das Maschinenkonzept verbindet einen vertikal angeordneten Schredderrotor mit einem Schneidmühlenrotor. (Bildquelle: Hosokawa Alpine)

Das Maschinenkonzept verbindet einen vertikal angeordneten Schredderrotor mit einem Schneidmühlenrotor. (Bildquelle: Hosokawa Alpine)

Schneller, flexibler und wirtschaftlicher produzieren, so lauten die aktuellen Anforderungen beim Recycling von Kunststoffabfällen. Intelligente Anlagenkonzepte können die Produktivität, beispielsweise bei der Materialzuführung oder Zerkleinerung, deutlich erhöhen. Dieser Herausforderung hat sich Hosokawa Alpine, Augsburg, gestellt: „Die Anforderungen der Anwender waren klar definiert. Sie benötigten eine automatisierte und kosteneffiziente Lösung, die flexibel einsetzbar ist und wenig Platz erfordert“, sagt Jörg Krause, Head of Engineering bei Hosokawa Alpine. Die entwickelte Schredder-Schneidmühle Polyplex PPC 50/120 verbindet die Selbstdosierungseigenschaften eines Schredders mit den Produktfeinheiten einer Schneidmühle. Der Platzbedarf der Maschine beträgt rund 4.500 x 1.500 mm bei einer Pusherlänge von 1.500 mm.

Mehrwehrt schaffen

Das Maschinenkonzept verbindet einen vertikal angeordneten Schredderrotor mit einem Schneidmühlenrotor. Die Einheit besitzt einen Durchmesser von 540 mm und eine Länge von 1.200 mm. Mit einer einzigen Zerkleinerungsstufe wird Mahlgut mit einer Produktfeinheit von bis zu 5 mm erreicht. Aufgrund der Bauweise muss das Aufgabegut dabei nicht uniform sein. Kleine Beschnitte können gleichzeitig mit schweren Anfahrbrocken oder großvolumigen Hohlkörpern aufgegeben werden. Abhängig von Aufgabematerial und Endfeinheit liegt der Durchsatz bei 500 bis 1.000 kg pro Stunde. Die Anschlussleistung der Maschine beträgt 55 kW.

Die senkrechte Rotorwelle bietet einen erleichterten Zugang zu Mahlraum, Rotor und Schneidmesser. Nach erfolgreichen Versuchen im hauseigenen Technikum sollte die Neuentwicklung im nächsten Schritt im Realbetrieb bei einem Recycler validiert werden. Als Partner konnte MG Plast gewonnen und die Maschine in den Produktionsprozess integriert werden.

Neue Ideen gefragt

Die Schredder-Schneidmühle wurde zur Validierung in den Produktionsprozess bei MG Plast integriert. (Bildquelle: MP Plast)

Die Schredder-Schneidmühle wurde zur Validierung in den Produktionsprozess bei MG Plast integriert. (Bildquelle: MP Plast)

Das Recyclingunternehmen MG Plast mit Sitz im bayerischen Bodenwöhr bearbeitet Produktionsabfälle aus der kunststoffverarbeitenden Industrie und bietet einen sicheren Verwertungsweg für Angüsse, Über- und Ausschussproduktion. Das mittelständische Unternehmen ist fortwährend auf der Suche nach zukunftsweisenden Lösungen, um in seinem Geschäftsfeld wettbewerbsfähig zu bleiben. „Als Hosokawa Alpine bei uns angefragt hat, waren wir sehr gespannt darauf, inwieweit die neue Schredder-Schneidmühle den täglichen Betrieb fördern kann und haben dem Projekt zugestimmt“, sagt Michael Gleixner, Geschäftsführer bei MG Plast.

Vollautomatisierte Prozesssteuerung

Während der vierwöchigen Validierungsphase war die Maschine in den Recyclingprozess von Kunststoffproduktionsabfällen eingebunden. Zerkleinert wurden damit hauptsächlich Kunststoffbrocken und -beschnitt. „Die Herausforderung lag in der Selbstdosierung der Anlage sowie in der Aufmahlung auch großer und schwerer Brocken auf Schneidmühlenfeinheit in einem Schritt“, schildert Krause die Problematik.

Das Funktionsprinzip der Schredder-Schneidmühle ist einfach: Die Kunststoffbrocken werden über eine Zuführeinheit kontinuierlich oder batchweise in die Maschine aufgegeben. Anschließend schiebt ein Pusher das Aufgabematerial in Richtung des Schredders, der die Vorzerkleinerung übernimmt. Mittels Schwerkraft gelangt das zerkleinerte Material in den auf der gleichen Welle angebrachten Schneidmühlenbereich. Hier wird das Mahlgut auf die gewünschte Endfeinheit zerkleinert und danach pneumatisch abtransportiert.

Erwartungen erfüllt

„Durch das intelligente Design werden deutlich kürzere Stillstandzeiten, etwa bei Reinigungsarbeiten, garantiert“, erklärt Gleixner. Über eine einfach zu öffnende Fronttüre ist der Mahlraum gut zugänglich, sodass Wartungs- und Reinigungsarbeiten einfach durchgeführt werden können. Der Wartungsbedarf ist analog einer Schneidmühle zu sehen und beschränkt sich nach Angabe des Herstellers in erster Linie auf den Messerwechsel.

Dass bei der einstufigen Lösung kein manuelles Vorsortieren von Brocken mehr nötig ist, bringt entscheidende Vorteile mit sich. „Einerseits werden die Mitarbeiter von monotonen und körperlich anstrengenden Arbeiten entlastet und gleichzeitig erhöht sich der Durchsatz deutlich“, betont Gleixner. Da bei der Kombination aus Schredder und Schneidmühle nur ein Antrieb erforderlich ist, stellt auch die Energieeffizienz gegenüber einer zweistufigen Lösung einen deutlichen Mehrwert dar. „Für Verarbeiter von Brocken und vor allem Mischmaterialien ist die Hosokawa Alpine Schredder-Schneidmühle die optimale Maschine“, resümiert Gleixner.

Über den Autor

Jörg Krause

ist Area Manager Engineering and Product Design, Recycling & Granulators Division Hosokawa Alpine in Augsburg.