Der Allrounder 1020 H in Packaging-Ausführung verfügt über einen lichten Säulenabstand von 1.020 Millimetern, 6.000 kN Schließkraft und eine Spritzeinheit der neuen Größe 7000. (Bildquelle: Arburg)

Der Allrounder 1020 H in Packaging-Ausführung verfügt über einen lichten Säulenabstand von 1.020 Millimetern, 6.000 kN Schließkraft und eine Spritzeinheit der neuen Größe 7000. (Bildquelle: Arburg)

Die Packaging-Ausführung (P) der hybriden und elektrischen Allrounder Hidrive und Alldrive von Arburg, Loßburg, gibt es in den Baugrößen 520 bis 1020. Diese Maschinen sind in ihrer Bauweise auf die Anforderungen der Verpackungsindustrie abgestimmt. Dazu zählen kurze Trockenlaufzeiten bei gleichzeitig hoher Plastifizierleistung sowie besonders dynamische Einspritzgeschwindigkeiten und ein bis zu 30 Prozent verringerten Energiebedarf.

Packaging-Ausführung

Das Ausstattungspaket Packaging umfasst serienmäßig FEM-optimierte Aufspannplatten, hoch belastbare Maschinenständer und verschleißfeste Zylindermodule mit Barriereschnecken. Darüber hinaus bieten Steuerungsfunktionen wie mehrstufige Anfahrparameter und zyklusübergreifendes Dosieren Mehrwert hinsichtlich Prozessoptimierung und Effizienz.

Für das Herstellen von Dünnwandartikeln und von Schraubkappen sind spezielle Features verfügbar, mit denen sich die Maschinen ganz individuell auf die jeweilige Anwendung abstimmen lassen.

So produziert beispielsweise ein hybrider Allrounder 630 H mit dem Packaging-Optionspaket Verschlüsse mit einem 48-fach-Werkzeug rund 52.500 Getränkeverschlüsse pro Stunde. Um eine Zykluszeit von nur 3,3 Sekunden zu erreichen, ist die Maschine zum Beispiel mit einem angepassten servoelektrischen Dosierantrieb mit hohem Drehmoment für entsprechende Plastifizierleistungen sowie einem servoelektrischen Auswerfer für genaues und reproduzierbares Fallen der Teile ausgestattet.

Praxisbeispiel Circular Economy: PP-Neuware wird zusammen mit 30 Prozent sortenreinem PP-Rezyklat zu dünnwandigen Bechern verarbeitet. (Bildquelle: Arburg)

Praxisbeispiel Circular Economy: PP-Neuware wird zusammen mit 30 Prozent sortenreinem PP-Rezyklat zu dünnwandigen Bechern verarbeitet. (Bildquelle: Arburg)

Die bislang größte hybride Hochleistungsmaschine für den Verpackungssektor, der Allrounder 1020 H(P) in Clamp-Design mit Gestica-Steuerung, feierte seine Premiere auf der Messe K 2019 in Düsseldorf, Deutschland. Die Maschine verfügt über einen lichten Säulenabstand von 1.020 Millimetern und eine Schließkraft von 6.000 kN. Ein Novum ist die Spritzeinheit der Größe 7000. Mit ihrer hohen Leistungsfähigkeit – das maximale Schussgewicht liegt bei rund 4.200 Gramm (PS) – ist sie für Werkzeuge mit vielen Kavitäten geeignet, aber auch zum Herstellen großer Verpackungsbehälter mit Volumina von bis zu 30 Litern.

Ein aktuelles Anwendungsbeispiel ist die Produktion dünnwandiger Rundbecher aus PP. Mit einem 8+8-fach-Etagenwerkzeug entstehen je 16 Becher in rund 4,3 Sekunden Zykluszeit. Durch die zwei hintereinanderliegenden Ebenen lässt sich die Zuhaltekraft gegenüber einem 16-fach-Werkzeug halbieren und eine kleinere Maschinenbaugröße einsetzen. Das Exponat auf der K 2019 verarbeitete neues PP-Material zusammen mit 30 Prozent zugemischtem sortenreinem PP-Rezyklat zu Bechern in gleichbleibend hoher Qualität.

Auf Digitalisierung vorbereitet

Der Allrounder 1020 H(P) ist, wie alle neuen Spritgießmaschinen des Herstellers, mit einem IIoT-Gateway für Basis Connectivity ausgestattet. Er kann damit über Schnittstellen einfach und standardisiert beispielsweise mit übergeordneten Systemen oder dem Kundenportal Arburg-X-World vernetzt werden. Mit den vier Assistenzpaketen 4.Set-up, 4.Start-Stop, 4.Production und 4.Monitoring bekommt der Bediener umfassende digitale Unterstützung und kann den Spritzgießprozess schnell, sicher und effizient ins Laufen bringen.

Würfeltechnik: Allrounder Cube

Die Allrounder Cube, denen die Technik der Packaging-Maschinen zugrunde liegt, sind speziell für Würfelwerkzeuge konzipiert. Die Cube-Versionen decken die Baugrößen von 570 bis 1020 sowie Schließkräfte von 1.800 bis 4.600 kN ab. Durch den großen Einbauraum und die zweite Spritzeinheit über der beweglichen Aufspannplatte können Fertigungsprozesse weiter optimiert werden. Servoelektrisches Würfel-Drehen und unabhängige Verschiebeachsen lassen sich über die Steuerung frei programmieren. In enger Abstimmung mit dem Würfelwerkzeug-Hersteller Foboha, Haslach, entwickelt der Maschinenbauer individuelle Komplettlösungen, mit denen sich die Stückzahlkosten in der Serienproduktion deutlich reduzieren lassen.

Neues Reverse-Cube-System

Bei der Reverse-Cube-Technik werden zwei Komponenten gleichzeitig gespritzt, gekühlt und automatisiert direkt im Werkzeug montiert. (Bildquelle: Arburg)

Bei der Reverse-Cube-Technik werden zwei Komponenten gleichzeitig gespritzt, gekühlt und automatisiert direkt im Werkzeug montiert. (Bildquelle: Arburg)

Eine äußerst anspruchsvolle Würfeltechnik ist das neue Reverse-Cube-System von Foboha, das ausschließlich mit Spritzgießmaschinen Allrounder Cube betrieben werden kann. Die Würfelhälften drehen um 90° gegeneinander. Während auf einer Würfelseite eingespritzt wird, kühlen die Bauteile an den anderen drei Seiten soweit ab, dass sie direkt im Werkzeug montiert werden können.

Auf der K 2019 produzierte ein Allrounder Cube 2900 mit einem 24+24-fach-Würfelwerkzeug, dessen Hälften übereinander angeordnet sind, gleichzeitig je 24 Spritzteile aus PP und 24 aus POM. Die Montage der Einzelteile übernahm ein Sechs-Achs-Roboter. Das automatisierte Verfahren erhöht die Qualität, beschleunigt die Zykluszeit im Vergleich zu zwei separaten Spritzgießmaschinen samt Montageprozess um bis zu 40 Prozent und bietet eine enorme Einsparung von Kosten und Aufstellfläche.

Über den Autor

Dr. Bettina Keck

arbeitet in der Unternehmenskommunikation bei Arburg, Loßburg.