Dr. Mohsen Sohi, CEO der Freudenberg Gruppe. (Bildquelle: Freudebger Gruppe)

Dr. Mohsen Sohi, CEO der Freudenberg Gruppe. (Bildquelle: Freudenberg Gruppe)

Das Betriebsergebnis lag mit 820,0 Millionen EUR unter dem hohen Niveau des Vorjahres (910,3 Millionen EUR). Die Umsatzrendite betrug 8,7 Prozent (VJ. 9,6 Prozent). Die Gründe für den Rückgang lagen hauptsächlich im Abschwung der Automobilindustrie und der schwächeren wirtschaftlichen Entwicklung in China sowie in den Anlaufkosten für den Ausbau des Batterie- und Brennstoffzellen-Geschäfts.

Investition in Forschung und Innovationen

„Wir haben wieder kräftig in die Zukunft der Unternehmensgruppe investiert, in Maschinen, Anlagen, Akquisitionen und vor allem in die drei wesentlichen Themen der Strategieperiode 2018 bis 2020: Mobilität, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Außerdem haben wir als innovatives Technologieunternehmen unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten auf einem hohen Niveau nochmals deutlich ausgebaut“, sagt Dr. Mohsen Sohi, CEO der Freudenberg Gruppe.

Freudenberg hat im Berichtsjahr Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten in Höhe von 480,9 Millionen Euro (VJ. 444,3 Millionen EUR) durchgeführt. Dies entspricht 5,1 Prozent des Umsatzes (VJ. 4,7 Prozent). Mehr als ein Drittel des Umsatzes (34,7 Prozent; VJ. 33,6 Prozent) wurde mit Produkten generiert, die jünger sind als vier Jahre. Außerdem hat das Unternehmen die Rekordsumme von 481 Millionen Euro für Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten eingesetzt. Zudem entwickelt Freudenberg innovative und effiziente technologische Lösungen, die einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Im Berichtsjahr erhöhte sich die Zahl der Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung weiter auf 3.784 (VJ. 3.590 Mitarbeiter).

Dabei richtet das Unternehmen seine Innovationsstärke auf Aktivitäten an der Wertschöpfungskette und der Lieferkette aus und somit am Kundennutzen. Das gilt besonders für die immer stärker werdende Integration und Kombination mehrerer Technologien und Dienstleistungen zu einem Gesamtsystem. So erweitert Freudenberg sein Betätigungsfeld über die Herstellung von Komponenten und Produkten hinaus.

Das Druckausgleichselement vereint zwei Funktionen, für die bislang meist getrennte Bauelemente verwendet werden. (Bild: FST)

Eine Innovation für die elektrische Antriebstechnik: Das Druckausgleichselement Diavent vereint zwei Funktionen, für die bislang meist getrennte Bauelemente verwendet werden. (Bild: FST)

Neue Antriebsarten in der Automobilindustrie, wie die Brennstoffzelle oder der Elektromotor, bedürfen auch der Neuentwicklung von Materialien und Testmethoden. Freudenberg verfügt über eine umfangreiche elektrochemische und oberflächentechnologische Expertise. Diese fließt in Lösungen für Brennstoffzellen und Batterien ein, aber auch in verbesserte Reibeigenschaften für eine längere Lebensdauer von Produkten. Ein Beispiel dafür sind die Hitzeschilde in Batterien von Elektrofahrzeugen.

Aufbau durch Akquisitionen

Um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens zu sichern, investierte Freudenberg im Geschäftsjahr insgesamt rund 681 Millionen EUR (VJ. 555 Millionen EUR), davon rund 319 Millionen EUR (VJ. 175 Millionen EUR) in Akquisitionen und rund 362 Millionen EUR (VJ. 380 Millionen EUR) in Maschinen, Anlagen und Gebäude. 110 Millionen Euro flossen in Investitionen in Deutschland  (VJ. 125 Millionen EUR).

Größere Investitionen waren:

Freudenberg Performance Materials setzte die im Vorjahr begonnene Installation einer neuen Spinnvliesanlage in Taiwan fort und leitete zudem den von der lokalen Regierung geforderten Umzug der Produktion in Nantong, China, in die Wege.

Vibracoustic führte den Bau eines dritten Werkes in Chongqing, China, fort.

Freudenberg Filtration Technologies investierte für die neu akquirierte Freudenberg Apollo Filtration Technologies in Shunde, China, in einen neuen Produktions- und Bürokomplex auf einer Fläche von 55.000 Quadratmetern.

Besonders hervorzuheben sind die immer größer werdenden Investitionen und Aktivitäten in der Elektromobilität. Daneben arbeitet Freudenberg als verlässlicher Partner seiner Kunden mit Hochdruck an zukunftsweisenden Innovationen für alle Antriebsarten, auch für Hybride, Brennstoffzellen und Verbrennungsmotoren. Beispiele sind Batterieseparatoren oder industriell gefertigte Gasdiffusionslagen und spezielle Dichtungen, die direkt an Gasdiffusionsschichten angebracht werden.

Diversifiziertes Portfolio

In einem volatilen Umfeld hilft es, ein breit diversifiziertes Unternehmen zu sein. Freudenberg hat sein Risiko reduziert, indem es verschiedene Geschäftsbereiche im Berichtsjahr durch Akquisitionen weiter gestärkt hat. Beispiele dafür sind:

Freudenberg Sealing Technologies hat Anfang des Jahres 2019 seine Beteiligung an XALT Energy, LLC auf mehr als 50 Prozent erhöht. Das Unternehmen mit Sitz in Midland, Michigan, USA, entwickelt und produziert unter anderem Lithium-Ionen-Technologien für die Nutzfahrzeugindustrie.

Freudenberg Medical erhöhte im April 2019 den Anteil am Medizintechnikspezialisten Cambus Teoranta, Spiddal, Irland, um 40 Prozent auf 90 Prozent.

Freudenberg Filtration Technologies erwarb ebenfalls im April
75 Prozent der Anteile an Apollo Air-Cleaner Co., Ltd., Foshan, China, einem führenden Anbieter von Lösungen in der Luft- und Wasserfiltration.

Freudenberg Performance Materials hat im Dezember 2019 die Filc-Gruppe, Škofja Loka, Slowenien, übernommen. Filc ist ein Hersteller von Nadelvliesstoffen und laminierten Materialien und ergänzt unser Technologieportfolio.

Außerdem hat Freudenberg Performance Materials im September 2019 ein Angebot abgegeben, um 100 Prozent der Aktien von Low & Bonar PLC, London, Großbritannien, zu erwerben, einem weltweit tätigen Hersteller von technischen Textilien. Die beabsichtigte Transaktion bedarf noch der Zustimmung der Kartellbehörde.

Ende Februar 2019 wurde die Geschäftsgruppe Freudenberg IT (FIT) an die kanadische Syntax Gruppe verkauft. Unter dem Dach von Syntax wurden drei IT-Unternehmen – Syntax, FIT und EmeraldCube – zu einem gestärkten, global agierenden IT-Full-Service-Provider mit einem klaren IT-Wachstumskurs zusammengeführt.

Mitarbeiterzahlen

Die Freudenberg Gruppe beschäftigte zum 31. Dezember 2019 48.851 Mitarbeiter (VJ. 49.137 Mitarbeiter). In Deutschland lag die Mitarbeiterzahl bei 11.398 (VJ. 12.176), in Europa (einschließlich Deutschland) bei 25.499 (VJ. 26.243), in Nordamerika bei 10.562 (VJ. 10.783), in Asien bei 10.864 (VJ. 10.062) und in Südamerika bei 1.359 (VJ. 1.461).

Im Jahr 2019 begannen 121 junge Menschen (VJ. 134) bei den deutschen Freudenberg-Gesellschaften eine Ausbildung. Insgesamt befanden sich 390 Personen in Deutschland zum 31. Dezember 2019 in einer Ausbildung bei Freudenberg.

Mobilität, Digitalisierung und Nachhaltigkeit bleiben im Fokus

„Trotz aller Unwägbarkeiten haben wir im Jahr 2019 viel erreicht. Wir sind bei unseren strategischen Themen Mobilität, Digitalisierung und Nachhaltigkeit einen großen Schritt weitergekommen und haben darüber hinaus unsere Innovationsstärke nochmals deutlich ausgebaut“, resümiert Dr. Sohi.

Für das Geschäftsjahr 2020 rechnet Freudenberg mit einem insgesamt weiterhin herausfordernden Umfeld. Die wirtschaftlichen und geopolitischen Unsicherheiten werden voraussichtlich nicht weniger.

Zudem haben sich durch die Ausbreitung des Coronavirus und der Eindämmungsmaßnahmen gesamtwirtschaftliche Risiken ergeben, die negative finanzielle Auswirkungen auf die Weltwirtschaftsentwicklung und auf die Freudenberg Gruppe haben werden. Diese Entwicklung beeinträchtigt nicht nur die Nachfrage, sondern auch die Produktion, den Beschaffungsmarkt und die Zulieferkette. Die Auswirkungen daraus werden davon abhängen, wie lange die Krise anhält.

Vor diesem Hintergrund plant Freudenberg für das kommende Jahr vorsichtig und geht von einer verhaltenen Geschäftsentwicklung in den für die Unternehmensgruppe relevanten Märkten aus. Trotzdem will Freudenberg weiter in langfristige Projekte investieren. Der Wandel in der Mobilität, Digitalisierung und der Ausbau von nachhaltigen Lösungen werden nach wie vor wichtige strategische Themen sein. Das Portfolio soll durch Akquisitionen weiter gestärkt werden. Daneben strebt das Unternehmen ein ausbalanciertes Portfolio von zyklischen und antizyklischen Geschäften an, mit gleich großen Umsatzbeiträgen aus Amerika, Europa und Asien. (ega)