In den vergangenen zwei Jahren haben sich die Unternehmenszahlen der Quartale im Vergleich zu den Vorjahresquartalen verbessert sagt Dr. Martin Füllenbach, Vorstandsvorsitzender der Semperit Holding. (Bildquelle: Semperit)

In den vergangenen zwei Jahren haben sich die Unternehmenszahlen der einzelnen Quartale im Vergleich zu den Vorjahresquartalen verbessert sagt Dr. Martin Füllenbach, Vorstandsvorsitzender der Semperit Holding. (Bildquelle: Semperit)

Die Semperit-Gruppe, Wien, hat ihre Profitabilität im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019 aufgrund des laufenden Transformationsprogrammes auf Ebitda- und auf operativer Ebit-Ebene deutlich gesteigert: „Wir haben uns 2018 und 2019 in jedem einzelnen der insgesamt acht Quartale gegenüber der jeweiligen Vergleichsperiode des Vorjahres verbessert. Dies gelang trotz spürbarer konjunkturbedingter Umsatzeinbußen“, sagte Dr. Martin Füllenbach, Vorsitzender des Vorstands der Semperit Holding. „Der Industriebereich ist weitestgehend erfolgreich restrukturiert, die strategische Neuausrichtung der Semperit-Gruppe in die Wege geleitet.“

Die Profitabilitätssteigerung 2019 wurde trotz zunehmend gedämpften Konjunkturentwicklungen und globalpolitischer Konflikte erzielt. Bei vielen Kunden führten diese Entwicklungen zu Unsicherheiten in Hinblick auf zukünftige Investitionsentscheidungen. Die Entwicklung relevanter Rohstoffmärkte bleibt intensiv zu beobachten. Als eine der größten Belastungen für die globale Weltwirtschaft dürften sich die aktuell signifikant zunehmenden, ökonomischen Auswirkungen des Coronavirus erweisen.

Umsatzeinbußen in Segmenten

Die Geschäftsentwicklung im Sektor Industrie verlief sehr unterschiedlich. Wobei die niedrigeren Umsätze in allen drei Segmenten des Unternehmens sowohl durch die reduzierte Marktnachfrage als auch strategische Umstellungen beeinflusst wurden. Dabei war der Rückgang im Sektor Industrie vor allem durch geringere Absatzmengen im Segment Semperflex beeinflusst, aber auch durch den verstärkten Fokus auf die Verbesserung der Qualität der Orderbücher im Segment Sempertrans. Die Profitabilität konnte allerdings durch die Initiativen aus dem Restrukturierungs- und Transformationsprogramm gesteigert werden.

Die Umsatzeinbußen im Sektor Medizin beruhen überwiegend auf einem Rückgang der abgesetzten Mengen. Die Geschäftsentwicklung war einerseits durch die strategische Verschiebung der Verkaufsmengen von Handelswaren hin zur Eigenproduktion in Malaysia und einen fortgesetzten Trend zu Nitrilhandschuhen gekennzeichnet. Andererseits geriet die Auftragslage zunehmend unter Druck, da aufgrund der schwierigen Markt- und Preissituation einige wesentliche Kunden ihre Lagerbestände optimierten oder die Lieferantenbasis erweiterten.

Aufgrund von neu aufgekommenen Erkenntnissen zur strategischen Wettbewerbssituation des Medizingeschäftes wurde per 30. September 2019 ein Wertminderungsbedarf festgestellt. Dieser Betrag hat sich durch nicht werthaltige Anlagenzugänge und Fremdwährungsdifferenzen im vierten Quartal verändert und lag per 31. Dezember 2019 bei 48,8 Mio. EUR.

Die Unternehmensgruppe verzeichnete im Geschäftsjahr 2019 einen Umsatzrückgang von 4,3 Prozent auf 840,6 Mio. EUR im Vergleich zum Vorjahr. Dabei verbuchte der Sektor Industrie einen Umsatzrückgang von 3,5 Prozent auf 547,2 Mio. EUR, dem ein Umsatzrückgang im Sektor Medizin von 5,8 Prozent auf 293,3 Mio. EUR gegenübersteht.

Gruppen-Ebitda gesteigert

Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) stieg von 46,4 Mio. EUR im Geschäftsjahr 2018 auf 67,8 Mio. EUR im vergangenen Geschäftsjahr. Bereinigt um die Sondereffekte stieg das Ebitda von 50,3 Mio. EUR im abgelaufenen Jahr – exklusive negativer Sondereffekt von 3,9 Mio. EUR aus der Schließung des Sempertrans-Standortes in China – auf 63,8 Mio. EUR – exklusive positiver Sondereffekt von 4,0 Mio. EUR aus der Rückstellungsauflösung in Brasilien. Die Ebitda-Marge stieg von 5,3 Prozent auf 8,1 Prozent im Geschäftsjahr 2019 und spiegelt damit die durch den Restrukturierungs- und Transformationsprozess verbesserte Profitabilität wider – bereinigt: 7,6 Prozent gegenüber 5,7 Prozent im Vorjahr).

Die zahlungswirksamen Investitionen in Sachanlagen und immaterielle Vermögenswerte lagen im vergangenen Geschäftsjahr mit 31,9 Mio. EUR unter dem Vorjahresniveau von 80,8 Mio. EUR. Die Schwerpunkte bildeten überwiegend kapazitätserhaltende Investitionen wie auch Verbesserungs- und Erweiterungsinvestitionen.

Sektor Industrie: Ebitda-Marge erreicht 16 Prozent

Im Sektor Industrie – in den Segmenten Semperflex, Sempertrans und Semperform – macht sich die reduzierte Marktnachfrage bemerkbar: während bei Semperflex und Semperform nur eine geringfügige Reduktion des Umsatzes zu verzeichnen war, fiel bei Sempertrans der Umsatzrückgang höher aus. Dies war auf strategische Umstellungen mit Fokus auf Order-Book-Qualität zurückzuführen. In Summe sank der Umsatz des Sektors von 567,0 Mio. EUR um 3,5 auf 547,2 Mio. EUR in 2019. Das Ebitda nahm um 22,6 Prozent auf 87,5 Mio. EUR zu, die Ebitda-Marge verbesserte sich von 12,6 Prozent auf 16,0 Prozent (unbereinigt).

Wertminderung im Sektor Medizin

Im Segment Sempermed ging der Umsatz 2019 um 5,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr auf 293,3 Mio. EUR zurück. Durch die operativen Restrukturierungsmaßnahmen ließ sich die Produktivität allerdings steigern. Zudem erhielt Semperit eine positive Entscheidung zu einem Verkehrssteuerverfahren in Brasilien, wodurch eine Rückstellungsauflösung in der Höhe von 4,0 Mio. EUR zu erfassen war. Das Ebitda lag damit in 2019 bei 5,5 Mio. EUR nach -3,9 Mio. EUR im Vorjahr.

Zum Schutz der Aktionäre, Partner und Mitarbeiter im Zusammenhang mit der Coronavirus-Krise hat die Semperit Holding beschlossen, den gemäß Finanzkalender für April geplanten Termin für die ordentliche Hauptversammlung zu verschieben. Der neue Termin wurde für 22. Juli 2020 festgelegt.

Entwicklung für 2020 nicht absehbar

Der Vorstand hat Ende Januar 2020 die Trennung vom Medizingeschäft beschlossen. (Bildquelle: Semperit)

Der Vorstand hat Ende Januar 2020 die Trennung vom Medizingeschäft beschlossen. (Bildquelle: Semperit)

Der Vorstand hat Ende Januar 2020 im Rahmen der strategischen Neuausrichtung der Gruppe die Transformation zum Industriegummi-Spezialisten bekanntgegeben und die Trennung vom Medizingeschäft beschlossen. Fortlaufende und neue Maßnahmen zur Erhöhung der Rentabilität stehen oben auf der Agenda des Vorstands.

Gleichzeitig ist der erhöhte Druck auf die Konjunktur deutlich spürbar. Die Abschwächung der wirtschaftlichen Entwicklung wird insbesondere im Industrie-Sektor sichtbar und – mit unterschiedlicher Intensität in den einzelnen Segmenten – vor allem im ersten Halbjahr 2020 in schwächeren Umsätzen und Ergebnissen widerspiegeln.

Im Sektor Medizin zeichnet sich zwar eine operative Verbesserung ab, das Marktumfeld bleibt allerdings nach wie vor angespannt. Daher ist der zeitnahe Gesamtverkauf der Medizinsparte ein wesentliches Ziel des Managements. In diesem Zusammenhang können sich im Geschäftsjahr 2020 Sondereffekte und -belastungen ergeben.

Erschwerend für die Einschätzung des aktuellen Geschäftsjahres kommt die Pandemie hinzu. Zusätzlich zu Produktionsunterbrechungen, sind Disruptionen in der Lieferkette bezüglich Verfügbarkeit von Rohmaterialien, reduzierter Kundenbedarf und fehlende Fracht-Kapazitäten zu erwarten. Erste negative Auswirkungen für die gesamte Gruppe sind bereits erkennbar, welche die Chancen des Segments Sempermed deutlich übersteigen. Die Unternehmensgruppe hat entsprechende Maßnahmen – wie den Schutz der Mitarbeiter und teilweise Erhöhung der Sicherheitsbestände – soweit aktuell möglich eingeleitet.

Vor diesem Hintergrund erwartet Semperit ein Jahr, das von größeren Herausforderungen gekennzeichnet sein wird. Dies wird sich infolge der weltweiten wirtschaftlichen Herausforderungen in niedrigeren Ergebnissen widerspiegeln. Aufgrund der hohen Unsicherheit in Bezug auf die kurzfristige wirtschaftliche Entwicklung, insbesondere im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Coronavirus, will die Gruppe frühestens im Rahmen der Veröffentlichung der Ergebnisse für das erste Quartal 2020 Schätzungen für die erwartete Umsatz- und Profitabilitätsentwicklung geben. Die weitere Entwicklung der Coronavirus-Krise gilt es laufend neu zu bewerten. Für 2020 erwartet der Konzern ein Capex-Niveau unter 40 Mio. EUR. (jhn)